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Folgen für Logistiker Dettendorfer und Fercam

Unmut über Lkw-Blockabfertigung wächst

Bilder einer Lkw-Blockabfertigung auf der Inntal-Autobahn A12 in Tirol Foto: Thomas Küppers 12 Bilder

Die Lkw-Blockabfertigung in Tirol hat erhebliche finanzielle Folgen für Speditionen, welche die Brenner-Achse nutzen - seien es Dettendorfer oder Fercam. Die Tiroler Landesregierung verteidigt dagegen diese Art der Verkehrssteuerung auf der Inntalautobahn.

30.05.2018 Matthias Rathmann

"Kommens rein", sagt der Gruppeninspektor und öffnet die Tür der Lärmschutzwand. Im Blickfeld erscheinen ein VW T5 der österreichischen Polizei und ein Anhänger mit Leuchtanzeige. Ort des Geschehens ist die Inntalautobahn A12 in Kufstein-Nord. Die Fahrzeuge stehen auf der mittleren Fahrbahn, links und rechts davon Pylonen. Die Leuchtanzeige fordert Pkw-Fahrer auf, links vorbeizufahren und Lkw-Fahrer, sich rechts einzuordnen. Ein Beamter bleibt im Fahrzeug, der andere gibt den Lkw-Fahrern, sofern nötig, Handzeichen, das Tempo zu drosseln. 25 Mal findet dieser Vorgang 2018 statt, allein zehn dieser Lkw-Blockabfertigungen gab es im Mai.

Polizisten sprechen von Dosierung statt von Blockabfertigung

Die Beamten vor Ort ziehen es aber vor, von einer Dosierung zu sprechen. Denn sie fertigen die Fahrzeuge nicht blockweise ab, wie der Name vermuten lässt, sondern einzeln. Ziel ist, dass der Verkehr fließt. Der ideale Durchfluss in den Morgenstunden besonders verkehrsreicher Tage sei bei 150 bis 300 Lkw pro Stunde erreicht, erläutert Oberst Markus Widmann, Leiter der Landesverkehrsabteilung (LVA) bei der Landespolizeidirektion Tirol, gegenüber der Fachzeitschrift trans aktuell.

Die Lkw-Dosierungen sind umstritten. Der Bundesregierung, Bayerns Landesregierung sowie zahlreichen Transport- und Logistikunternehmen sind sie ein Dorn im Auge. Tirol verteidigt die Maßnahme als unabdingbar zur Regulierung des Verkehrsflusses zwischen Kufstein und Innsbruck.

30.000 Euro Umsatzverlust für Spedition Dettendorfer

Was bei Logistikern Unmut auslöst: Die Wartezeiten und Rückstaus erschweren die Planung des Fahrer- und Fahrzeugeinsatzes und belasten die Firmenkassen. Spediteur Georg Dettendorfer aus Nussdorf am Inn hat versucht, die Umsatzverluste zu beziffern: "Wir reden über etwa 30.000 Euro", sagt er in einem trans aktuell-Expertengespräch und bezieht sich mit seiner Kalkulation auf eine Lkw-Blockabfertigung am 27. Oktober vorigen Jahres. In die Berechnung fließen Zeitverluste, Umwegverkehre und Verluste durch nicht rechtzeitig eingetroffene Ware ein.

Fercam: 100 bis 150 Euro Kosten pro Lkw im Stau

Auch Italiens führender Logistikdienstleister Fercam bekommt die Folgen zu spüren. "Ganze Lieferketten kommen in Verzug – und das in einer Zeit, in der wir im Intermodalverkehr ohnehin schon einige Schwierigkeiten haben", sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Hannes Baumgartner gegenüber trans aktuell. "Wenn unsere Fahrer den halben Tag damit verbringen, sich in Richtung Brenner zu stauen, kostet uns das pro Fahrzeug 100 bis 150 Euro."

Tirol zieht positive Zwischenbilanz der Dosierungen

Ohne die Dosierung hätten Kraftfahrer nach Überzeugung der Tiroler Polizei mit weitaus schlimmeren Staus zu kämpfen. "Nur so war es möglich, den Verkehrsfluss auf der A12 zwischen Kufstein und Innsbruck beziehungsweise auf der Brennerautobahn A13 zwischen Europabrücke und Innsbruck aufrecht zu erhalten", lautet die Zwischenbilanz von Oberst Widmann nach mehr als der Hälfte der Abfertigungstage. Je nach Verkehrssituation werde die Dosierung am Morgen wieder zurückgenommen. Der Einsatz wird von Widmanns Abteilung koordiniert.

Die Verkehrseingriffe in Tirol werden auch die Regierungen der Alpenländer und -regionen bei ihrem nächsten Gipfel am 12. Juni in Bozen beschäftigen. Dabei wird es auch um die von Tirol angestrebte Korridormaut sowie um Maßnahmen zur Verlagerung der Lkw-Verkehre auf die Schiene gehen.

Nächster Brenner-Gipfel am 12. Juni in Bozen

Tirols Landeshauptmann Günther Platter sprach sich im Vorfeld für ein gemeinsames Vorgehen Deutschlands, Österreichs und Italien aus. "Um dem steigenden Transitverkehr entlang des Brennerkorridors endlich einen Riegel vorzuschieben, braucht es die geballte Kraft der drei Länder", sagt er. Tirol will die Zahl der Transit-Lkw bei einer Million im Jahr deckeln. 2017 passierten 2,25 Millionen Lkw das Land – so viele wie noch nie.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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