Fahrermangel

Berufskraftfahrer dringend gesucht

Fahrermangel, Zukunft, Baby Foto: Matthias Rathmann

Schlechtes Image, wenig Lohn - das sind neben dem -generellen Fachkräftemangel die Hauptgründe, die den Fahrermangel weiter verschärfen. Ein möglicher Ausweg ist für die Unternehmen neben einer fundierten Ausbildung vor allem eine bessere Bezahlung

Noch gibt es keine Entwarnung. Die Wirtschaftskrise habe zwar den Fahrermangel vorübergehend etwas relativiert, sagt der Präsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Hermann Grewer. »Aber jetzt schlägt er mit voller Wucht wieder durch.« Wenn in den nächsten sieben Jahren 30 Prozent der jetzigen Kraftfahrer in Rente gingen, seien die Lücken kaum noch zu füllen, so Grewer gegenüber trans aktuell. Die Bundeswehr als Reservoir für Fahrernachwuchs existiert nicht mehr und auch aus Ostdeutschland kommen fast keine arbeitssuchenden Fahrer mehr auf die Unternehmen zu. Es werden Stellen ausgeschrieben, aber es gibt keine Bewerbungen, heißt es von mehreren Seiten. Die Bundesagentur für Arbeit meldete für August zwar wieder mehr offene Stellen: 2.983 im Vergleich zu 1.995 im Vorjahresmonat. Allerdings ist auch die Zahl der arbeitslosen Berufskraftfahrer im Güterverkehr gestiegen - von 33.525 im August 2010 auf 35.540 in diesem Jahr. Diese immer noch hohe Zahl mag verwundern, hat aber nach Einschätzung der Agentur unterschiedliche Gründe. Nicht alle arbeitslos gemeldeten Kraftfahrer seien in diesem Beruf ausgebildet, sondern zum größeren Teil nur angelernte Kräfte. Zum anderen könne man davon ausgehen, dass »ein nicht unwesentlicher Teil« nicht mehr im alten Beruf arbeiten könne (etwa aus Gesundheitsgründen) oder wolle (Arbeitszeiten und -bedingungen), erklärt die Agentur auf Anfrage. Es sei wichtig, den Bewerbern Anreize zu geben, die die negativen Seiten des Berufs wie lange Abwesenheit von zu Hause, harte körperliche Arbeit, lange Arbeitszeiten und zum Teil schlechte Bezahlung »wettmachen« könnten. Und hier liegt wohl der Hase im Pfeffer. »Der Fahrerberuf ist grundsätzlich nicht attraktiv genug«, sagt Unternehmer Grewer, und mit dieser Ansicht steht er bei Weitem nicht allein. Häufig stimmt vor allem das Geld nicht. So lassen sich Unternehmen - auch unter dem Druck der Verlader - zu Niedriglöhnen verleiten und zahlen unter Tarif. »Die Betriebe haben das Geld nicht, der Markt gibt nicht mehr her«, erläutert Grewer. Schließlich lägen die Insolvenzen in der Branche immer noch deutlich über dem allgemeinen Niveau. In Grenzregionen, beispielsweise hin zu den Niederlanden, wird diese Praktik zunehmend schwierig. Hier wird massiv abgeworben, denn bei den Holländern seien die Bedingungen einfach besser, meint ein Kenner der Materie. Ähnlich sieht es im Süden Baden-Württembergs aus, wo die Schweiz mit einer wesentlich höheren Bezahlung lockt. Hier müsse man auf deutscher Seite gar nicht erst versuchen, einen Fahrer unter 3.000 Euro beschäftigen zu wollen, berichtet ein Unternehmer.  Der Kraftfahrer als Kapitän der Landstraße ist ein Bild aus vergangenen Zeiten. Die jungen Leute rennen den Unternehmen auf der Suche nach einer Lehrstelle nicht die Türen ein, sie müssen herangeführt und überzeugt werden. Momentan seien nur zwei-einhalb Prozent der Fahrer jünger als 25 Jahre, berichtet Spediteur Grewer. Etwa 30.000 Fahrer müssten deshalb jedes Jahr in Deutschland hinzukommen, um den Bestand zu erhalten, erläutert Adalbert Wandt, Chef der Wandt Spedition und Transportberatung aus Braunschweig. Insgesamt gebe es aber nur 2.000 Ausbildungsplätze, die Ausbildungsplatzbörse des BGL verzeichnet aktuell 293 Angebote. »Ich weiß nicht, worauf meine Kollegen warten«, sagt Wandt gegenüber trans aktuell. »Der Erfolg eines Unternehmens zeigt sich in Zukunft daran, dass man noch qualifizierte Fahrer hat«, betont er. Er selbst bildet in seinem Unternehmen bei insgesamt 150 Mitarbeitern derzeit 24 junge Leute aus. Einen Fahrermangel kennt der Betrieb nicht. Ein einheitlich "grauer" Fuhrpark sei höchst problematisch, meint der Chef. Um dem längerfristig entgegenzuwirken, wurde jetzt beispielsweise ein Imagefilm der Firma auf www.ukf.tv, einer regionalen Online-Plattform für Jugendliche, ins Internet gestellt.

Wandt, zugleich Präsident

Ausbildung im Verbund

Den Kraftfahrerberuf ins rechte Licht rücken wollen 19 Betriebe, die sich zum Ausbildungsverbund Grafschaft Bentheim-Emsland zusammengeschlossen haben. Dabei ist die Dekra Akademie der neutrale Koordinator und stellt die Räume zur Verfügung. Das berichtet Jörg Magnussen, Trainer und Vertriebsbeauftragter von Dekra in Meppen. »Die Unternehmen unterstützen sich gegenseitig bei der Ausbildung und tauschen ihre Lehrlinge aus, denen so ein breit gefächertes abwechslungsreiches Programm angeboten werden kann«, erläutert Magnussen auf Anfrage. Der Verbund hat mit zunächst sechs Betrieben im Jahr 2008 angefangen. Ziel ist es unter anderem, die aufgrund der Initiative entstandene Berufsschulklasse in Meppen vor Ort zu erhalten. Vernetzt sind die Akteure nicht nur mit der Berufsschule, sondern beispielsweise auch mit der IHK und der Agentur für Arbeit.

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