Fahrerforum

Unfälle am Stauende

Steffen Krebs Foto: Norbert Böwing 6 Bilder

Jeden Werktag passieren schwere Lkw-Unfälle am Stauende. Ablenkung wird auch von den Fahrern immer öfter als eine der Ursachen genannt. Manchmal kann die Polizei den Vorwurf sogar belegen.

Der Unfall auf der A 352 bei Langenhagen auf dem Zubringer von der A 2 zur A 7 geschah bereits 2013. Das Besondere daran: Es ist der erste verbriefte Fall, bei dem die Polizei definitiv nachweisen konnte, dass der Fahrer eines Gliederzuges durch sein Smartphone abgelenkt war, als er in ein Stauende raste. Zwei Menschen verloren dabei ihr Leben. Das herausgeschleuderte Smartphone fand sich in dem zertrümmerten Pkw davor wieder und ließ sich dem Fahrer zuordnen. Sekunden vor dem Unfall war er bei Facebook und hatte auch noch eine Nachricht per Whatsapp abgesetzt.

Auch bei einem Stauende-Unfall auf der A 4 im Jahr 2015 war der Beleg eindeutig: Dem verstorbenen Fahrer des Lkw, der in das Heck eines Kollegen krachte, klebte bei der Bergung der Laptop zwischen Kopf und Windschutzscheibe – nachzulesen auf www.eurotransport.de/jan im Bericht "Wenn Blicke töten".

"Jedes System ist nur so gut wie der, der es benutzt"

Sonst gibt es nach einem Unfall oft nur Vermutungen und Indizien, aber keine eindeutigen Beweise, dass der Fahrer abgelenkt war. "Wir müssen uns allerdings davon frei machen, dass nur elektronische Ablenkung möglich ist", so Achim Schulze-Schwanebrügger, Leiter des Unfallanalyseteams der Autobahnpolizei Köln. "Es gibt Hunderte Möglichkeiten. Es geht vom Zeitungslesen über Kaffeekochen bis hin zum Fußnägelschneiden. Alle diese Handlungen sind keine Ordnungswidrigkeiten."

Dennoch: Viele deutsche Fahrer sind sehr besorgt, wenn sie unterwegs sind und zum Teil sehen, was sich in den Fahrerhäusern abspielt. Auch über die Frage, ob ein Notbremsassistent Unfälle verhindern kann, gibt es kontroverse Meinungen. Timo Lohmann von der Spedition Glomb aus Bremerhaven forderte in einem aktuellen Filmbericht im ZDF gerade dazu auf, die Assistenzsysteme auch einzusetzen. Doch er warnt: "Jedes System ist nur so gut wie der, der es benutzt."

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 11 Titel
FERNFAHRER 11 / 2016
4. Oktober 2016
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