Fahrer unter 25

Marcel Franzke im Gespräch

Marcel Franzke Foto: Jan Bergrath

Mit 21 Jahren ist Marcel Franzke ein sehr junger Lkw-Fahrer. Im Interview erzählt er von seinem Alltag, den größten Missgeschicken und persönlichen Beweggründen für diese Berufswahl.

Warum Fahrer?

Mein Vater fährt für die Spedition Hellmann in Bielefeld und ich bin öfter mit ihm mitgefahren. Trotzdem habe ich zuerst eine Ausbildung zum Elektriker angefangen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass mein Interesse am Beruf des Lkw-Fahrers immer größer wurde. Daraufhin habe ich mich im Internet umgesehen und bin auf die Spedition Kottmeyer gestoßen. Die bilden konsequent junge Leute aus. Nach einem Bewerbungsgespräch mit Juri Enns habe ich auch gleich meinen Lehrvertrag bekommen.

Einsatzgebiet?

Unsere Volumenzüge sind außer in Deutschland überwiegend in Westeuropa unterwegs, vornehmlich in Belgien, den Niederlanden und Frankreich, oft auch in England. Unsere Kunden kommen aus dem Bereich Automotive oder produzieren Kunst- und Dämmstoffe. In der Ausbildung darf ich leider noch keine internationalen Touren fahren. Das finde ich schade.

Lieblingstour?

Einer unserer Linienrundläufe im Schichtdienst von unserem Platz nach Damme und von dort mit Kupplungsteilen nach Wolfsburg. Mir gefällt die Abwechslung: ein Teil Landstraße, ein Teil Autobahn. Das Beladen mit den Boxen geht schnell, es ist eine schön formschlüssige Ladung, die beim Sichern nur wenig Aufwand erfordert. Nur im Werk gibt es mehrere Abladestellen. Das dauert manchmal. Danach geht es zum Feierabend zurück auf den Platz.

Grösstes Missgeschick?

Das war vor anderthalb Jahren und wirklich blöd. Ich war mit einer Teilpartie im Auftrag der Stückgut­kooperation Elvis mit einem Sattelzug bei einem alten Industrie­betrieb. Zwischen den einzelnen Werkshallen war es richtig eng. In einer scharfen Rechtskurve habe ich dann links mit der Stirnwand ein Fenster ausgehebelt, das, warum auch immer, nach außen geöffnet war. Seitdem passe ich gerade mit dem Sattelzug noch besser auf, wenn es einmal eng wird.

Freundeskreis?

Meine Freunde respektieren es, dass ich jetzt Lkw fahre. Manchmal ist es ärgerlich, wenn eine Tour am Freitag länger dauert, aber so ist das in dem Beruf.

Das Schöne am Job?

Ich habe richtig viel Spaß in diesem Beruf. Ich darf kreuz und quer durch Deutschland fahren und lerne auf diese Art viele Gegenden und neue Menschen kennen.
An meinem Job Stört mich,  dass der Verkehr so unglaublich zugenommen hat. Gerade hier in Bad Oeynhausen brauche ich im Stop-and-go-Verkehr unglaublich lange, bis ich von der A  30 und B  61 zur A  2 komme. Dort ist es dann manchmal der absolute Wahnsinn.

Zukunft?

Ich gehe jetzt im Rahmen der Lehre noch eine Weile in die Disposition. Nach der bestandenen Prüfung im Sommer will ich auf alle Fälle bei Kottmeyer eine Festanstellung. Alle BKF-Lehrlinge, die drei Jahre durchhalten und dem Ausbildungsbetrieb treu bleiben, bekommen garantiert einen festen neuen Lkw. Ich hätte am liebsten einen Scania-Volumenzug. Dann freue ich mich schon darauf, endlich internationale Touren fahren zu können.

Der Ausbildungsbetrieb

Kottmeyer GmbH & Co. KG, internationale Spedition
Adresse: Brückenstraße 9, 32459 Bad Oeynhausen
Telefon: 0 57 31 48 00-0
Internet: Webseite

Fuhrpark/Fahrpersonal: 220 Fahrer für 150 Lastzüge, 130 Jumbogliederzüge von Mercedes-Benz, MAN und Scania mit 420 PS.
Einsatzbereich: Westeuropa inklusive England
Fahrerausbildung seit: 2006, 2 bis 3 BKF-Azubis pro Jahr
Ausbildungsmöglichkeiten: Werkstatt, Lager, Dispo, Stapler
Zuständige Berufsschule: Leo-Sympher-Berufskolleg in Minden
Voraussetzung für Bewerbung: abgeschlossene Schulausbildung
Praktikum für Interessenten: auf Anfrage
Ansprechpartner: Juri Enns

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FERNFAHRER Titel 6/2016
FERNFAHRER 06 / 2016
9. Mai 2016
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