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Fahrer-Kontrollen nach Videoaufzeichnung

Polizei mit Kamera auf Streife

Foto: Polizeidirektion Oldenburg

Um beweissicher zu dokumentieren, dass Lkw-Fahrer abgelenkt sind, setzt die Oldenburger Polizei auf eine außergewöhnliche Kontrollmethode.

Die Unfallzahlen sind alarmierend: 2018 war das Fehlverhalten von Lkw-Fahrern bei 529 Unfällen mit Getöteten und bei 22.317 Unfällen mit Personenschaden der Grund. Wie viele Unfälle abgelenkte Fahrer verursachen, ist leider nicht bekannt. Denn die Polizeibeamten erfassen bei Unfällen solches Fehlverhalten, das beispielsweise durch Alkohol- und Drogeneinfluss entsteht, ebenso durch Übermüdung oder wegen falscher Straßennutzung, überhöhter Geschwindigkeit, zu geringem Abstand, beim Überholen, beim Missachten der Vorfahrt sowie beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren.

Dass Ablenkung im Straßenverkehr eine der Hauptunfallursachen ist – nicht selten mit schwerstem, gar tödlichem Ausgang –, hat die Polizeidirektion Oldenburg veranlasst, ganz besondere Kontrollen auf den Autobahnen A 1, A 27, A 28 und A 29 durchzuführen, die in ihrem Zuständigkeitsbereich liegen. Dort sind jeweils zwei Kollegen aller vier Autobahndienststellen in einem zivilen Kleintransporter unterwegs, auf dessen Dach eine Action-Kamera installiert ist. Nur durch diese Art der Kontrolle lässt sich sicher überwachen, ob ein Lkw-Fahrer in seiner er­höhten Sitzposition während der Fahrt durch die Nutzung seines Smartphones oder andere Tätigkeiten abgelenkt ist.

Sobald die Polizisten Anhaltspunkte für eine Ablenkung des Lkw-Fahrers erkennen, starten sie eine Aufzeichnung durch die Kamera, um dem Fahrzeugführer bei der anschließenden Kontrolle sein Fehlverhalten auf einem Tablet zu zeigen. „Mithilfe der Kameraaufnahmen ist es möglich, Verstöße beweissicher zu dokumentieren“, sagt Uta-Masami Bley von der Polizeidirektion Oldenburg. Das sei wichtig gewesen, da bei einigen Unfällen, an denen Lkw beteiligt waren, der Verdacht nahelag, dass die Unfallursache in der Ablenkung des Lkw-Fahrers begründet sein könnte.

Insgesamt 1.300 Verstöße hat die Polizeidirektion Oldenburg auf diese Weise bisher ermittelt. Als Verstoß wurde in der Mehrzahl der Fälle festgestellt, dass die Fahrer das Smartphone nutzten. Dass bei solchen Verstößen Kontakt mit den Arbeitgebern oder den Auftraggebern der Brummi-Fahrer aufgenommen wird, dazu sieht die Behörde grundsätzlich keine Veranlassung. Mittlerweile hat sich das niedersächsische Ministerium Inneres und Sport dazu entschlossen, das Projekt bis zum Ende des Jahres zu verlängern.

Dass sich auch andere Polizeidirektionen für diese Art der Lkw-Kontrolle interessieren, liegt auf der Hand. Anfragen anderer Dienststellen gebe es bereits, wie die Sprecherin der Polizeidirektion Oldenburg berichtet. Also müssen sich Lkw-Fahrer möglicherweise künftig deutschlandweit auf einen erhöhten Kontrolldruck gefasst machen.

Doch ob die daraufhin folgenden Strafen ausreichen, die verbotene Smartphone-Nutzung während der Fahrt zu unterbinden und das durch Ablenkung gefährliche Verhalten am Steuer zu ändern, bleibt abzuwarten.

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