Fahrer-Killer Smartphone

Schon 51 tote Lkw-Fahrer bei Auffahrunfällen

Jans Blog Freiheit oder Sicherheit Foto: Autobahnpolizei Battice

Immer mehr Lkw-Fahrer kommen bei Auffahrunfällen am Stauende ums Leben. „Mit bereits 51 Unfalltoten bis Juli sind die Zahlen nahezu auf Verdoppelungskurs“, berichtet die Initiative „Hellwach mit 80 km/h“. Ursache sei zu über 90 Prozent Ablenkung durch das Smartphone.

Sogar 2020 starben danach trotz eines starken, pandemiebedingten Rückgangs der Unfalltoten insgesamt bei Auffahrunfällen 48 Lkw-Fahrer - so viele wie nie zuvor. Die Zahlen für 2021 seien besorgniserregend, sagte der Vorsitzende des Vereins "Hellwach mit 80 km/h", Konrad Fischer. Wenn das Sterben enden solle, bedürfe es einer gemeinsamen, vernetzten Anstrengung von Warenlogistik, Transportgewerbe, Industrie und Handel.

Fahrer leiden auch an Dauerstress

Tödlich wirke am Stauende die zu hohe Differenzgeschwindigkeit beim Aufprall. Sie entstehe, wenn der Fahrer zum falschen Zeitpunkt abgelenkt sei. „In zwei Sekunden ist der Sicherheitsabstand weg, in der dritten Sekunde ist der Fahrer tot“, wird gewarnt. Auch Sekundenschlaf könne eine Ursache sein. Viele Fahrer litten durch den Dauerstress, verursacht durch Just-in-Time-Lieferungen, unflexible Zeitfenster an den Rampen oder die belastende nächtliche Parkplatzsuche an Schlafstörungen.

Transportunternehmer überzeugen

„Alle in der Lieferkette müssen ein Interesse daran haben, todbringende Stressoren zu beseitigen“, betonte Fischer. Die größte Problemnähe habe der Transportunternehmer, er müsse von der Max-Achtzig-Idee überzeugt werden. „Fahrer, deren Firmenphilosophie auf vorausschauendem und defensivem Fahren aufbaut, zeigen ein deutlich besseres Gefahrenradar und sind weniger in Unfälle verwickelt“, sagte der erfahrene Logistiker.

Fahrer kennen ihre Assistenzsysteme nicht

Außerdem mangele es vielen Fahrern europaweit an Aufklärung über Gefahrensituationen. „Hinzu kommt ein eklatantes Schulungsdefizit hinsichtlich der Wirkungsweise der im Lkw verbauten Assistenzsysteme“, kritisiert der Verein. Nicht selten übersteuere der abgelenkte Fahrer im letzten Moment durch instinktives Verhalten den eingebauten Notbremsassistenten und schalte damit fatalerweise die Bremskaskade ab. Die Initiative appelliert deshalb an die Unternehmen: „Helfen Sie mit. Verpflichten Sie Ihre Fahrer zu Max Achtzigern.“

Regeln für Fahrer in 14 Sprachen

Die zehn Max-Achtzig-Regeln lauten:

  1. Lenk- und Pausenzeiten stets einhalten, Pausen sinnvoll nutzen.
  2. Nur dringende Telefonate führen und nur dann, wenn eine Freisprechanlage vorhanden ist. Jedes Telefonat lenkt ab.
  3. Social Media Nutzung per Smartphone, Notebook, Tablet etc., wie Facebook, WhatsApp, SMS oder YouTube muss unterbleiben.
  4. Dispositionen über Route, Routenänderung oder Auftragsbearbeitung nicht während der Fahrt vornehmen.
  5. Fahrerfremde Tätigkeiten wie Lesen, Kaffee kochen, Speisen zubereiten, Körperpflege, etc. sind mit einem sicheren Fahren unvereinbar und sind zu unterlassen.
  6. Essen und Trinken während der Fahrt nur, wenn sichergestellt ist, dass die Konzentration auf den Verkehr nicht gestört wird.
  7. Alkohol und sonstige die Reaktion und Konzentration beeinflussende Mittel, aber auch Medikamente, die das Fahren ausschließen, sind direkt vor und während den Fahrzeiten strikt untersagt.
  8. Kleiderwechsel erst beim nächsten Parkplatz oder in der Pause vornehmen. Festes Schuhwerk tragen.
  9. Wenn etwas runterfällt, bei nächster Gelegenheit anhalten und es erst dann aufheben.
  10. Max-Achtzig-Gebot: "Ich halte mich – gerade auf Strecken mit Staugefahr und in Baustellen - korrekt an die vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ich halte Sicherheitsabstände und Überholverbote ein und bin hellwach."

Die Initiative „Hellwach mit 80 km/h“ hat sich 2018 gegründet und vereint Unternehmen aus der Verkehrsbranche sowie Verbände und Dienstleistungsunternehmen. Sie ist auch beim Treffen der Nutzfahrzeugbranche vom 30. September bis 3. Oktober auf der Nufam in der Messe Karlsruhe präsent.

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