European Truck Racing Championship 2022 Saisonauftakt in Misano

ETRC 2022 Misano Foto: Richard Kienberger 35 Bilder

Heiße Sonne, straffer Zeitplan und technische Neuerungen im Reglement – ein prickelnder Saisonstart für die Truck Racer im italienischen Misano.

Die erste Schlacht im neuen Jahr ist geschlagen, es war eine Hitzeschlacht. Misano empfing die Truckracer und ihre Fans an den beiden Renntagen mit Kaiserwetter und Temperaturen um die 30 Grad. Eigentlich perfekte Voraussetzungen, doch die Organisatoren hatten in Misano einen extrem engen Zeitplan aufgestellt. Gerade beim Saisoneinstieg wäre es sinnvoll und hilfreich, die beiden halbstündigen freien Trainings schon am Freitag anzusetzen, um den Crews ausreichend Zeit für Umbauten oder Arbeiten am Feinschliff zu ermöglichen. Einige Fahrer zeigten sich am Freitag auch besorgt über ein neues Feature, das in diesem Jahr von Seiten der FIA eingeführt wurde. Es gibt im Endstück des Auspuffs neue Rauchsensoren, die das Bemühen des Verbandes um eine „saubere“ Rennserie unterstreichen sollen. Die Sensoren waren zwar in allen Trucks im Vorfeld getestet worden – aber ein Motor arbeitet bei Testfahrten in Most mit „eisigen“ Temperaturen um die 10 Grad doch anders als bei Sommerwetter in Italien. Glücklicherweise scheinen alle Teams mit der neuen Überwachungstechnik gut klargekommen zu sein, jedenfalls waren keine Klagen zu hören.

Kräfteverhältnisse aus dem Vorjahr bestätigt

16 Teams mit 15 Fahrern und einer Fahrerin hatten sich zum Saisonstart an der Adriaküste eingefunden. Einzig der Franzose Thomas Robineau startet nach der Formel Race by Race, das restliche Feld bestreitet die komplette Saison. Der erste Eindruck: Die Kräfteverhältnisse haben sich in der Winterpause nicht grundstürzend verändert, die stärksten Fahrer und die stärksten Trucks des Vorjahres dürften auch in dieser Saison wieder den Ton angeben. Auch wenn es in Misano bei den Läufen mit gedrehtem Start noch keine Überraschungssieger gab, lässt sich doch feststellen, dass mit ein wenig Glück ein Großteil der Starter das Zeug dazu hat, nach dem zweiten oder vierten Rennen ganz oben auf dem Podium zu stehen.

Wenn Rekordeuropameister Jochen Hahn seine Form hält, könnte es 2022 für ihn ein wenig besser laufen als im vergangenen Jahr. Auch wenn Hahn nicht laut in die Welt posaunt, dass er gerne wieder einmal die schnellste Qualifikationszeit abliefern würde, muss man kein Prophet sein, um zu erahnen, dass ihn die seit letztem Jahr festgezurrte Hackordnung umtreibt. Auf eine Frage des Stadionsprechers erklärte er, man müsse „arbeiten, arbeiten, arbeiten“. Und noch vor der ersten Ausfahrt überraschte der Altensteiger mit der Feststellung, er habe das Gefühl, noch nicht das Maximum erreicht zu haben. Hahn meinte damit die Fähigkeit, dauerhaft so ideal unterwegs zu sein, dass am Ende wirklich „unverbesserliche“ Zeiten in den Ergebnisliste stehen. Deshalb versuche er, in jedem Rennen an Kleinigkeiten zu arbeiten, um diesem Ziel möglichst nahe zu kommen.

Kiss unverändert stark

Was aber nichts daran ändert, dass Norbert Kiss auch 2022 die Maßstäbe vorgeben dürfte. Der aktuelle Champion startete mit der Bestzeit im ersten freien Training in die neue Saison und ließ nach diesem Auftakt Hahn nur im zweiten freien Training den Vortritt. In den beiden Qualifyings markierte der Ungar jeweils die Bestzeit. Zweimal Pole Position, zweimal ein ungefährdeter Start-Ziel-Sieg mit deutlichem Vorsprung von knapp sechs bzw. fünf Sekunden – es läuft wieder optimal für den Fahrer mit der Startnummer 1. Hahn kam zweimal als Zweiter ins Ziel, jeweils vor Lenz. Im zweiten Rennen setzte sich Antonio Albacete durch, mit knapp 57 Jahren der älteste Starter im Feld. Im Rennen vier ging es noch einmal hoch her, gleich drei Piloten mussten das Rennen vorzeitig aufgeben: Adam Lacko manövrierte sich mit zerstörtem rechten Vorderreifen von der Piste, um den Kollegen nicht im Weg zu sein. Auch André Kursim und Steffen Faas sahen die karierte Flagge nicht mehr. Auf dem Podium versammelten sich Sascha Lenz als glücklicher Gewinner, Antonio Albacete – und Jochen Hahn. Die beiden deutschen Fahrer hatten damit Konstanz bewiesen: Lenz mit vier und Hahn mit drei Podiumsplätzen. Die Routiniers haben natürlich eine große Fangemeinde, die sich über die Erfolge freut. Doch es wird nicht langweilig: Den Oldtimern sitzt mit Teo Calvet ein Youngster im Nacken, der kräftig gefördert von Papa und Ex-Racer Fabien und der Buggyra-Academy immer besser in Schwung kommt und sich im vorderen Mittelfeld behauptet. Die Rangliste im Goodyear-Cup führt der der 21-jährige Südfranzose mit 18 Punkten Vorsprung vor Shane Brereton an, im Gesamtklassement liegt er nach dem ersten Rennwochenende dieses Jahres punktgleich mit seinem Teamkollegen Adam Lacko auf Platz sechs.

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