European Truck Racing Championship 2021

Finale in Misano

ETRC 2021 Misano Foto: Richard Kienberger 72 Bilder

In Misano wurde nach einem packenden Finallauf ein neuer König gekrönt. Norbert Kiss ist der neue Truck-Race-Europameister 2021.

Was für ein grandioses Finale der FIA European Truckracing Championship 2021: Das Wochenende in Misano hatte alle Zutaten, die man für einen gelungenen Abschluss einer schwierigen Saison braucht: Dramatik, Action, strahlende Helden und einige Akteure, die sich ein besseres Abschneiden erhofft hatten. Und man sah auch eine furiose Zukunft für den Sport. Denn die beiden Rookies Teo Calvet und Lukas Hahn wussten sich selbstbewusst und erfolgreich in Szene zu setzen. Notabene war das Wochenende an der italienischen Adriaküste der einzige Termin in diesem Jahr, an dem die Regenkleidung im Koffer bleiben konnte.

Der klare Titelanwärter Norbert Kiss war mit einem kommoden Vorsprung von 46 Punkten zum Finale gereist. Erwartungsgemäß sicherte sich der Ungar, der die ganze Saison über der dominierende Akteur war und in den Qualifyings Bestzeiten in Serie abgeliefert hatte, seinen dritten Europameistertitel schon nach dem ersten Championshiprace. In diesem Lauf kam Kiss zwar als erster ins Ziel, wegen Überholens bei gelber Flagge wurde er aber mit einer Zeitstrafe belegt, so dass Sascha Lenz ganz oben auf dem Podium stand, eingerahmt von Kiss und Jochen Hahn, der sich den Bronzeplatz erkämpft hatte.

Lenz sichert sich den Vizetitel

Lenz wiederum war einer der Fahrer, die nach vier heißen Rennen strahlen konnte. Für ihn lief es in Misano richtig rund. Adam Lacko, sein direkter Konkurrent beim Kampf um den Vizetitel, erlebte dagegen ein durchwachsenes Wochenende und musste sich am Ende mit dem dritten Platz zufriedengeben. Auch auf den nachfolgenden Plätzen war in Misano noch Platz für ein munteres Stühlerücken. Antonio Albacete erging es in seinem Duell ähnlich wie Lacko – er sammelte deutlich weniger Punkte als Rekordmeister Hahn und blieb dadurch auf Platz fünf hängen. 6. oder 7. In der Gesamtwertung – das war die Frage, die Steffi Halm mit André Kursim zu diskutieren hatte. La Bionda, wie der italienische Sprecher Halm taufte, freute sich am Ende zumindest über einen Podiumsplatz, während Kursim ein rabenschwarzes Wochenende erwischte. Ein Defekt an der Vorderachse bremste seine Ambitionen im ersten Championshiprace schnell aus. Während die anderen Teilnehmer das zweite Rennen absolvierten, wurde die Achse getauscht. Am Sonntag folgten dann zwei „Abschüsse“, was die wenig erfreuliche Bilanz von null Punkten ergibt.

Brereton holt sich den Nachwuchspokal

Beinahe schon respektlos zeigten sich die Youngster im Feld. Teo Calvet hat, kräftig gefördert von der Buggyra-Academy, in dieser Saison eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Zwar gewann am Ende der britische Routinier Shane Brereton den Good Year Cup der Nachwuchsfahrer (wobei Brereton sicher nicht zum Nachwuchs gehört, aber weil er auch schon vor dem ausgefallenen Corona-Jahr pausiert hatte, war er wieder startberechtigt). Den klaren Sieg verdankt er allerdings hauptsächlich der Tatsache, dass Calvet in Le Mans reglementbedingt pausieren musste. Der junge Franzose hatte sich entschieden, an dem Le-Mans-Wochenende in der französischen Meisterschaft anzutreten – wo er prompt seinen ersten Titel gewann – ein Doppelstart in der ETRC ist seit einigen Jahren nicht mehr möglich. Lukas Hahn zeigte in Misano vor allem im dritten Rennen eine bravouröse Leistung, wo er als Viertplatzierter ins Ziel kam – zwei Plätze hinter seinem Vater Jochen, der in diesem Lauf Zweiter wurde.

Glück für die Fans, Pech für die Mechaniker

Zum Saisonabschluss ließen es die Fahrerinnen und Fahrer – man muss sagen: fast wie gewohnt bei einem Finale – noch einmal ordentlich krachen und verteilten einige Kilogramm Kunststoffteile auf der Piste. Die Zuschauer freuten sich über ein Wochenende mit spannendem Trucksport, während die Mechaniker reichlich zu tun hatten – Steffen Faas zum Beispiel kam zweimal konsterniert mit ramponiertem Scania zurück ins Fahrerlager. Auch Shane Breretons auffällig violetter MAN ließ nach dem letzten Aufgalopp die Unterlippe bis knapp auf dem Asphalt hängen. Es waren auch die Emotionen nach der ausgefallenen Saison 2020 und der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Meisterschaft 2021 nach der Absage des Rennens auf dem Nürburgring, die sich hier Bahn brachen – am Ende war die Erleichterung über eine erfolgreich abgeschlossene Saison bei allen Beteiligten zu spüren.

Der Triumph in der Europameisterschaft war für Norbert Kiss zu erwarten gewesen, er gewann in Misano allerdings noch einen weiteren Titel, was ihn deutlich sichtbar überraschte: Die Fahrer wählen alljährlich aus ihrem Kreis einen „Driver of the Year“. 2021 fiel die Wahl auf den neuen Champion. Nachdem ihm der Pokal überreicht worden war, erklärte Kiss erfrischend ehrlich, das habe er nicht erwartet, „denn auf der Rennstrecke bin ich nicht immer nett zu meinen Konkurrenten“. Was wohl viele von ihnen unterschreiben würden.

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