European Truck Racing Championship 2020

MAN dominiert am Hungaroring

ETRC 2020 Hungaroring Foto: Richard Kienberger 90 Bilder

Im Coronajahr 2020 steht die Truck Race Europameisterschaft unter einem ganz besonderen Stern. Das war auch beim zweiten Rennwochenende in Ungarn deutlich zu spüren.

Der Papierkrieg im Vorfeld war chaotisch, der administrative Aufwand gewaltig und die unterschiedlichen Bestimmungen sowohl in den deutschen Bundesländern als auch in den europäischen Staaten machten es den Teams nicht leichter: Trotzdem ging am vergangenen Wochenende das zweite Truckrennen unter Corona-Bedingungen über die Bühne. Die Organisatoren in Ungarn hatten es tatsächlich geschafft, die zweite Runde in der arg gerupften EM 2020 stattfinden zu lassen. Wobei die Stimmung unter den Maskenträgern im Paddock (alle kurz vorher getestet) zwischen vorsichtigem Optimismus, Trotz und viel Wehmut schwankte: Ein Fahrerlager ohne Besucher, keine Zuschauer auf den vielen Tribünen – derartige Rahmenbedingungen drücken aufs Gemüt. Aus Deutschland hatten Sascha Lenz, Sven Walter und René Reinert von vorneherein auf eine Teilnahme verzichtet. Grund dafür waren vor allem die Quarantäne-Regelungen sowie eine Risikoabwägung: „Bei mir geht es letztlich auch um viele Arbeitsplätze,“ sagte zum Beispiel Sven Walter, der sich einen coronabedingten Ausfall nicht leisten will und kann. Auch Lenz‘ Doppelpartner Jamie Anderson war in Ungarn nicht vertreten.

MAN-Teams geben den Ton an

Das Starterfeld war also deutlich geschrumpft, trotzdem gingen die Protagonisten engagiert zur Sache. Was sich bereits in Most andeutete, war auch in Ungarn nicht zu übersehen: Die MAN-Teams strotzen in diesem Jahr wieder vor Kraft. Etwas überraschend rangierte der Franzose Anthony Janiec vom Lion-Team am Samstag nach dem ersten Qualifying hinter Adam Lacko auf dem zweiten Rang. Auch Antonio Albacete zeigte ich gegenüber seinem Auftritt in Most deutlich verbessert, wenngleich es für den Madrilenen noch nicht zu einem Podiumsplatz reichte. Einzig Lacko konnte einen totalen Triumphzug des Lokalmatadors Norbert Kiss verhindern. Der Tscheche gewann das erste der vier Rennen, die drei andren Siege gingen auf das Konto von Kiss. Wobei das zweite Samstagsrennen unter kuriosen Bedingungen ausgetragen wurde, was zu viel Unmut bei den Fahrern führte, sogar ein „Streik“ stand kurze Zeit zur Diskussion.

Rennabbruch ohne Crash

Denn in der fünften Runde schwenkten die Streckenposten plötzlich die roten Flaggen – Rennabbruch. Doch alle gestarteten Trucks kamen zurück in die Pitlane, ein Unfall konnte also nicht der Grund für das vorzeitige Ende sein. Nach kurzer Verwirrung kam die Auflösung: Die auf dem Hungaroring ebenfalls vertretene WTCR (eine Tourenwagenserie) hatte einen Live-Auftritt im Fernsehen, daher sollten die Trucks erst wieder nach längerer Unterbrechung auf die Piste und in einem zweiten Aufwasch noch einmal sieben Runden auf dem Kurs drehen. Eigentlich eine unmögliche Entscheidung. Andererseits: Etliche Sponsoren der WTCR hatten die Strecke mit ihrer Werbung „zugepflastert“ und damit die Veranstaltung wohl überhaupt erst ermöglicht. So gesehen war es also durchaus verständlich, dass die Kollegen in den Tourenwagen die TV-Bilder mit der unübersehbaren Bandenwerbung pünktlich liefern wollten.

Kiss sichert sich die Gesamtführung

Die beiden Sonntagssiege holte sich Norbert Kiss in beeindruckender Manier. Da kam beides zusammen: ein perfekt vorbereiteter und bärenstarker Truck und die intime Kenntnis der Rennstrecke, auf der Kiss wohl schon etliche Tausend Runden absolviert hat. Die beiden Samstagsrennen wurden wegen der schlechten Witterungsbedingungen unter gelber Flagge gestartet, doch am Sonntag konnte der Polesetter vom Team Revesz TRT ungehindert aufdrehen. Sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Adam Lacko nach elf Runden: Knapp über 13 Sekunden. Mit weiteren zwei Sekunden Rückstand flog Jochen Hahn über die Ziellinie. Den finalen Lauf am Sonntagnachmittag ging der Lokalmatador also vom achten Startplatz an – und kam am Ende elf Sekunden vor Jochen Hahn ins Ziel. Kiss übernahm mit seinem erfolgreichen Auftritt auch die Führung in der Gesamtwertung, vor seinem tschechischen Rivalen und Rekordmeister Hahn. Im Goodyear-Cup rangiert Newcomer Steffen Faas (Scania) auf der Top-Position, gefolgt vom jungen Franzosen Teo Calvet.

Kann das geplante Abschlussrennen Mitte November in Misano stattfinden? Wetten darauf würde angesichts der sich täglich verändernden Pandemiesituation niemand, eine seriöse Aussage ist derzeit wohl kaum möglich. Aber hoffen darf man ja.

Unsere Experten
Jan Bergrath Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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