Erste Fahrt im neuen Streetscooter

Facelift für Work und Work L

Streetscooter Work Foto: Streetscooter 11 Bilder

Der Pionier für Elektrotransporter spendiert seinen beiden Baureihen Work und Work L ein leicht verändertes Gesicht. Doch die optische Anpassung ist noch lange nicht alles.

Was sich unter dem Blech sowie in und hinter der Kabine tut, ist für Nutzfahrzeugkunden wesentlich wichtiger als die neue Front. Streetscooter hebt eigenen Angaben zu Folge die Nutzlast an. Mehr als eine Tonne kann der kleine Stromer nun laden. Das ist auch nötig. Denn in den Kofferaufbau des L passen nun ohne Not vier Europaletten, die auch durch die große Seitentür geladen werden können. Dabei profitiert vor allem der kurze Work von der neuen Gewichtsklasse. Beim L bedeuten die neuen Randbedingungen lediglich ein Plus von etwa 100 Kilogramm, so Philipp Franz, strategischer Projektleiter bei Streetscooter. Der kurze Work hatte bisher nicht einmal 700 Kilogramm Nutzlast. Der Gewinn ist also enorm – fast eine halbe Tonne.

Mehr Ladeleistung, mehr Tempo auf der Straße

Auch bei der Ladeleistung hat Streetscooter nachgeschärft. Dank maximal 11 kW sind die Batterien nach rund fünf Stunden wieder bei 80 Prozent. Die fassen nun 40 kWh und werden bei Streetscooter gebaut. Zu den eingesetzten Zellen wolle man aber nichts sagen. Die Reichweite beträgt beladen rund 160 Kilometer, ist also nach wie vor für den urbanen Verkehr auf der letzten Meile völlig ausreichend und bietet sogar, verglichen mit den oft beschriebenen durchschnittlichen Tourdistanzen ein gewisses Polster. Gleichzeitig steigt die Höchstgeschwindigkeit auf 120 Kilometer pro Stunde. Damit lassen sich auch Überlandetappen, oder vielmehr kurze Ausflüge auf die Autobahn problemlos unter die Räder nehmen. So schiebt sich der kleine flugs an Lkw vorbei, ohne zum Verkehrshindernis zu werden. Schneller ist er also geworden. Auf die Frage nach größeren Reichweiten kontert CEO Jörg Sommer aber, neben der üblichen Erklärung, dass eLCV eben nur einen begrenzten Radius abdecken müssen, dass eine Brennstoffzellenvariante des Werkzeugs in Planung sei.

Streetscooter Work XL geht in Serienproduktion
Erster Test des großen Streetscooter

Der neue Innenraum - Erstkontakt

Gerade der Innenraum des Streetscooters war ja bisher eher spartanisch zweckmäßig ausgestattet. Auch das ändert sich nun – ein Bisschen. Beim Einsteigen fallen zunächst die angenehm ausgeschnittenen Türen auf. Auch beim Öffnungswinkel hat Streetscooter Hand angelegt. Wer die Tür dann mit beherzt schwungvollem Griff zuwirft, wird sofort an eine der Kerntugenden des Streetscooters erinnert. Die Karosserieteile bestehen aus Kunststoff. Durchgefärbt, einfach geschraubt oder geklipst und dadurch besonders reparaturfreundlich. Aber Kunststoff. An so einer Tür ist einfach nicht so viel dran. Entsprechend scheppert sie auch. Allzu viel hat der Stromer also von seinem basischen Ansatz nicht eingebüßt. Davon zeugt auch die in tristem Grau gehaltene Hartplastiklandschaft.

Macht nix – soll ja ein Werkzeug sein. Seinen Zweck erfüllt das Interieur also allemal. Im intern D17 genannten neuen Modell bestückt Streetscooter das Einheitsgrau mit ein paar Komfortausstattung, die aber serienmäßig an Bord sind. Der Fahrer kann sich über Klimaautomatik, schlüsselloses Einsteigen und Starten und das Notrufsystem eCall freuen. Dazu kommt für die Umwelt eine akustische Warneinrichtung. Der Beifahrer profitiert von seinem eigenen Airbag. Sitzheizung für beide Insassen, elektrische Außenspiegel – verstell- und beheizbar – sowie ein Infotainmentsystem mit DAB+ von Kenwood, Bluetooth-Freisprechanlage sowie Apple Car Play und Android Auto sind ebenfalls an Bord. Dennoch wirken die Einbauten alle ein wenig prototypenartig. Es funktioniert, es ist alles erreichbar und wackelt nicht. Doch es ist deutlich zu sehen, dass auch im Innenraum die Ingenieure und nicht die Designer das letzte Wort hatten.

Die erste Fahrt

Nach dem Einsteigen und ein wenig Herumgefingere an Touchdisplay und Klima folgt endlich der Druck auf den verschämt in der Mittelkonsole versteckten Startknopf. E-Auto-typisch hört man erst einmal nichts. Setzt sich der Work dann aber in Bewegung, ertönt ein Geräusch aus dem Soundgenerator. Das liegt irgendwo zwischen U-Bahn und Stabmixer. Doch es zeigt den Passanten: Vorsicht, hier kommt ein Stromer. Ab Tempo 20 schaltet sich das System ab. Dann machen Reifen und E-Maschine selbst genug Krach. Der dringt im neuen Work ein wenig leiser in den Innenraum, hält sich aber beim Stromer eh in engen Grenzen. Die Beschleunigung ist flott und direkt, eben genauso wie man sie von einem elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeug erwartet. Die Rekuperation ist angenehm eingestellt. So lässt sich der Stromer im Stadtverkehr in den meisten Fällen nur mit dem „Gaspedal“ bewegen.

Auf Wunsch auch mit weniger Lametta

Nach der Fahrt stellt sich allerdings die Frage: Braucht der Zusteller der Deutschen Post, die ja mindestens Geburtshelfer der Streetscooter-Geschichte war, all diese Komfortextras. Zudem kosten Klimaautomatik und Entertainmentsystem auch ihr Scherflein Nutzlast und brauchen Strom. Die Antwort von Streetscooter ist eindeutig. Der Kunde stehe mit seinen Wünschen im Mittelpunkt. Natürlich lässt sich die Liste der Serienausstattungen auf Wunsch auch verkürzen.

Die Preise

Rollt der Streetscooter aber ganz gemäß Verkaufsprospekt vor, beginnt die Preisliste für den Work als Fahrgestell bei 38.450 Euro netto. Dann ist aber zwingen noch ein Aufbau nach Maß nötig. Wer sich gleich für den Work Box mit bis zu 7,7 Kubikmeter Ladevolumen entscheidet, muss mindestens 42.750 Euro anlegen. In der Box hat Streetscooter auch das Verzurrsystem überarbeitet. Zwölf Punkte zum Niederzurren stehen zur Verfügung.

Ausblick

Bereits im September hatte Streetscooter verkündet, mit dem chinesischen Autobauer Chery ein Joint-Venture gründen zu wollen. Basis für die neuen China-Stromer ist der geliftete Work L. Der kommt auch beim japanischen Partner Yamato zum Einsatz. In der Zukunft will Streetscooter die Fahrzeuge nicht mehr nur in Düren und Aachen bauen. Vorerst komme aber noch die komplette Yamato-Bestellung aus den deutschen Werken. Auch ein weiteres Entwicklungszentrum sei geplant, das dann in China entstehen soll.

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