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Erfolg mit digitalem Geschäftsmodell

BGM wächst 2017 um 70 Prozent

BGM, Sven Bergemann, Geschäftsführer, Bietigheim Foto: BGM

BGM-Geschäftsführer Sven Bergemann startete sein Unternehmen vor zehn Jahren im Hobbyraum seiner Eltern. Seitdem wächst BGM kontinuierlich - und bekam dafür sogar eine Auszeichnung.

Logistik-Start-ups sind momentan in aller Munde, doch das Beispiel von BGM Express Logistik aus Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart zeigt, dass es sich dabei um kein neues Phänomen handelt. Und dass aus einem Start-up ein etabliertes mittelständisches Unternehmen werden kann. Hinter BGM verbirgt sich zunächst die klassische Start-up-Story. Im Jahr 2008 gründete Sven Bergemann mit 22 Jahren einen Kurierdienst für Notfälle. Sein Büro: der Hobbyraum im Elternhaus. Sein Equipment: Laptop, Tisch und Stuhl. Zuvor machte er eine Ausbildung zum Speditionskaufmann beim Paketlieferdienst Trans-o-flex in Tamm (Baden-Württemberg).

"Ich habe da schon gemerkt, mit Disziplin und dem Servicegedanken kann man etwas bewegen", sagt Bergemann im Gespräch mit trans aktuell. Bereits im ersten Geschäftsjahr machte er 800.000 Euro Umsatz, der erste Mit­arbei­ter kam nach sechs Monaten hinzu und ist bis heute geblieben.

Vom Hobbyraum zu fünf Standorten

Mittlerweile sind aus dem Hobbyraum fünf Standorte in Bietigheim, Hanau, Rottenburg Mühlheim und München geworden und aus den 800.000 Euro ein Umsatz von 18 Millionen Euro im Jahr 2017. Die Zeitschrift Focus zeichnete BGM kürzlich für die Jahre 2013 bis 2016 mit dem ­Titel "Wachstumschampion 2018" aus. Im vergangenen Jahr wuchs das Unternehmen um 70 Prozent, für das Jahr 2020 hat Bergemann einen Jahresumsatz von 30 Millionen Euro angepeilt. "Unser Hauptcredo lautet: Absagen gibt es nicht", erklärt der 32-jährige Geschäftsführer. Bei Kun­den­anfra­gen folge innerhalb von zehn Minuten das Angebot – zu jeder Tages- und Nachtzeit. "Wir sind 24/7 besetzt." Dieser Service werde vor allem im Bereich Maschinenbau gut angenommen.

Die BGM-Kunden kommen vor allem aus der Industrie, die großen Namen gehören allerdings momentan noch nicht dazu. "Wir konzentrieren uns auf den industriellen Mittelstand." Der Expressdienst transportiert aber auch für den Handel und kleine, regionale Betriebe wie Schreinereien. Künftig wolle BGM auch in den Pharmabereich einsteigen. "Noch in den Kinderschuhen" steckt laut Bergemann der Bereich Luftfracht. Aufgrund der steigenden Nachfrage kooperiert BGM mit Same-Day-Logistics, einem Notfall-Dienstleister auf dem Gebiet Express-Luftfracht aus Kelsterbach, und hat im März einen neuen Standort in Hanau eröffnet, an dem sich zwei Mitarbeiter nur um diesen Bereich kümmern.

Dieses Beispiel verdeutlicht, wer bei BGM im Mittelpunkt steht: der Kunde. Von den insgesamt 56 kaufmännischen Mitarbeitern stammen einige aus der Dienstleistungs- und Einzelhandelsbranche. "Sie haben diesen Servicegedanken verinnerlicht, bei ihnen ist der Kunde König." Bei 60 Prozent des Personals handelt es sich um Quereinsteiger, das Durchschnittsalter der Ange­stellten beträgt 28 Jahre. Das sorgt für einen lockeren Umgang und erinnert an den Start-up-Spirit: Vom Azubi bis zum Geschäftsführer duzen sich alle. "Außerdem gehen die jungen Leute unseren Weg der Digitalisierung voll und ganz mit", erklärt Bergemann.

Digitalisierung als Erfolgsfaktor

Neben der Start-up-Mentali­tät und dem Servicegedanken führt der gebürtige Bietigheimer die Digi­ta­li­sie­rung als einen weiteren Erfolgs­fak­tor des Unternehmens an. Dieses Thema stand von Beginn an auf der Agenda, doch 2016 habe er sich gefragt: "Was können wir tun, um richtig zu wachsen?" Bergemann investierte anschließend 200.000 Euro in die Programmierung einer eigenen Software. Bei dieser einmaligen Investition blieb es nicht: Jedes Jahr fließt ein Prozent des Gesamtumsatzes in digitale Projekte.

Die 2017 an den Start gebrachte Software bildet den gesamten Lieferprozess digital ab, der Mitarbeiter greift nur ein, wenn etwas aus der Reihe passiert. "Weniger agieren, mehr interagieren", nennt das Bergemann. Vorbild war der Beruf des Fluglotsen, der die Vorgänge ebenfalls vor allem überwache und nur im Notfall eingreife. Momentan laufe jeder zweite Auftrag über das Kundenportal, Ziel seien 80 Prozent. "Denn natürlich wollen wir auch den individuellen Wünschen unserer Kunden gerecht werden, das klappt mit standardisierten Prozessen noch nicht immer." Doch bei BGM gelte für den Bereich der Digitalisierung das Motto "Learning by doing". Neue digitale Anwendungen gehen gleich in den Live-Betrieb. Den Sendungsstatus ihrer Ware können Kunden bereits einsehen, im zweiten Quartal 2018 folgt das Live-Tracking der Fahrzeuge. "Außerdem", sagt Bergemann, "schlägt das System das jeweils beste Fahrzeug für den Auftrag vor."

Die zweite Entscheidung im Jahr 2016 betraf nämlich die Fahrzeuge. BGM fährt zu 100 Prozent mit Subunternehmern. Doch seit 2017 gehört eine exklusive Flotte mit knapp 160 Fahrzeugen zum Portfolio. "So müssen die Disponenten keine Fahrzeuge mehr suchen", erklärt der Geschäftsführer den Schritt. Die Flotte bestehe zu 60 Prozent aus leichten und zu 40 Prozent aus schweren Fahrzeugen. "Die Anzahl der schweren wollen wir wegen der Laderaumknappheit erhöhen."

Zwei Mitarbeiter kümmern sich nur um die Fahrer

Die Fahrer für den Fernverkehr stammen überwiegend aus Ost­europa. Bei den Kurzstrecken, etwa von Bietigheim über Reutlingen nach Karlsruhe, sind meist deutsche Fahrer im Einsatz. Mittlerweile kümmern sich zwei Mitarbeiter ausschließlich um den Einkauf und die Bedürfnisse der Frachtführer und checken regelmäßig die Fahrzeuge auf ihre Einsatztauglichkeit. "Eine schlechte Behandlung der Fahrer kann sich heutzutage kein Unternehmen mehr leisten", sagt Bergemann. Etwa 200 Fahrer sind täglich für BGM unterwegs, meist in Deutschland, wo das Unternehmen momentan 80 Prozent seines Umsatzes macht.

Das könnte sich in Zukunft ändern. Neben drei weiteren geplanten Standorten in Deutschland, die in diesem und im nächsten Jahr in Betrieb gehen, plant Bergemann Zukäufe im Osten Frankreichs, im Norden Italiens, in Skandinavien und in Osteuropa. "Unsere Wachstumsphase hat im Grunde jetzt erst begonnen."

Das Unternehmen

  • Gegründet 2008 von Sven Bergemann
  • Hauptsitz in Bietigheim-Bissingen; weitere Standorte in Hanau, Rottenburg, Mühlheim und München
  • 56 Mitarbeiter, davon 36 am Hauptsitz in Bietigheim-Bissingen
  • 650 Kunden
  • 160 Subunternehmer-Fahrzeuge, die exklusiv für BGM fahren
Unsere Experten
Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Carsten Nallinger Carsten Nallinger Lkw-Navigation
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