Elektrischer Stadtbus für Hamburg

Erster Mercedes eCitaro im Einsatz

Foto: Thorsten Wagner

Lange wurde er erwartet, jetzt geht der erste Elektrobus eines deutschen Herstellers an den Start: Als einer von 20 Bussen, den die Hamburger Hochbahn bestellt hat, soll der Mercedes-Benz eCitaro Solobus mit Platz für 70 Passagiere im regulären Liniendienst eingesetzt und über Nacht geladen werden. Ab 2020 will die Hochbahn nur noch emissionsfreie Busse anschaffen.

Mercedes Benz hat das erste Serienmodell des vollelektrisch angetriebenen Stadtbus eCitaro an den Verkehrsbetrieb Hamburger Hochbahn AG ausgeliefert, noch in diesem Jahr werden jeweils drei Busse für Mannheim und Heidelberg folgen. Der erste eCitaro ist Teil eines Auftrags über 20 eCitaro, zudem werden 10 Solaris Urbino im gleichen Zuge den elektrischen Weg an die Spree finden. Bis 2030 will die Hochbahn, die sich mit der Innovationslinie 109 und vielfältigen Wasserstoffaktivitäten einen Namen in Sachen alternative Antriebe gemacht hat, ausschließlich emissionsfreie Busse betreiben. Daher prangt auf dem Solobus auch der Slogan "1 von 1.000", womit die zukünftige Gesamtflotte gemeint ist. Diese weitreichenden Ziele fasst die Hansestadt auch mit dem klingenden Label "VisionAir" zusammen. Die Investitionssumme von 18 Millionen Euro für die ersten 30 Elek¬trobusse wird vom Bund gefördert.

Till Oberwörder, seit Anfang 2018 Leiter von Daimler Buses, übergab den eCitaro in Anwesenheit von Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, sowie den neuen, parteilosen Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann an Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn AG.

Hamburger Hochbahn als Vorreiter

Oberwörder sagte als gebürtiger Hamburger: "Die Hamburger Hochbahn AG ist einer der anerkannten Vorreiter für alternative Antriebe im ÖPNV. Wir haben dafür mit dem neuen eCitaro ein durchdachtes und ausgereiftes Stadtbuskonzept entwickelt, das die Elektromobilität in Städten entscheidend vorantreibt. Wir freuen uns sehr, heute das allererste Serienfahrzeug auszuliefern. Auch wenn ich als Hamburger noch lange daran denken werde mit einem Spielmannszug und diesem Bus vor dem Rathaus vorgefahren zu sein, so empfehle ich Ihnen auch einmal die Ruhe in diesem Bus zu genießen."

Dr. Peter Tschentscher sagte bei der Übergabe: "Die Mobilität der Zukunft ist sauber, leise und komfortabel. Mit der Umstellung der Hamburger Busflotte auf emissionsfreie E-Fahrzeuge setzen wir Standards und geben der Industrie Anreize, innovative und alltagstaugliche Fahrzeuge zu produzieren." Der eCitaro für die Hamburger Hochbahn AG ist der erste Bus eines Großauftrags über 20 eCitaro – die bisher größte Einzelorder eines deutschen Verkehrsbetriebs für vollelektrisch angetriebene Omnibusse. Zuvor hatte die Hochbahn seit 2013 unterschiedliche Konzepte von Stadtbussen mit elektrischem Antrieb auf der Innovationslinie 109 untersucht und sich in der "Initiative Elektrobus" intensiv mit anderen Verkehrsbetrieben in Deutschland ausgetauscht. Die Hamburger Hochbahn AG will ab dem Jahr 2020 nur noch emissionsfreie Omnibusse beschaffen. Sie betreibt derzeit rund 1.000 Omnibusse auf 111 Linien. Im vergangenen Jahr hatte die Hochbahn die Lieferung von 60 Elektrobussen für die Jahre 2019 und 2020 europaweit ausgeschrieben. Die ersten 30 Busse (20 eCitaro und 10 Solaris Urbino nE12) wurden dann Anfang Mai bestellt, drei Solaris werden ebenfalls 2018 ausgeliefert. Die restlichen 26 Busse werden 2019 kommen, die nächsten 30 Fahrzeuge folgen dann 2020.

Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn, zeigt sich ebenfalls sehr zugfrieden bei der Übergabe: "Dieser Bus markiert eine Zeitenwende für eine umweltschonende Mobilität in Hamburg und in Deutschland – und das nach Plan. Mit dem ersten serienreifen Elektrobus leiten wir jetzt den Umstieg auf eine grüne Busflotte ein. Innerhalb der nächsten Dekade werden wir die gesamte Flotte auf emissionsfreie Antriebe umstellen."

Kritik an der Beschaffung

Die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft kritisierte die Beschaffung derweil als "PR-Show", wie der NDR berichtet: "Bevor der Senat tönte, ab 2020 nur noch Elektrobusse zu bestellen, hatte man den städtischen Fuhrpark in den letzten Jahren noch schnell mit über 250 weiteren Dieselbussen ausgestattet", sagte der Bürgerschaftsabgeordnete Stephan Gamm von der CDU. "Wenn man diese Fahrzeuge nicht mindestens bis in die 30er Jahre betreibt, wäre dies eine erhebliche Steuergeldverschwendung."

Die Umstellung der Busflotte auf Elektromobilität wird vom Bundesverkehrsministerium mit Fördermitteln aus dem Sofortprogramm "Saubere Luft 2017-2020" des Bundes gefördert. Gemeinsam mit den unabhängigen Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) erhält die Hochbahn insgesamt rund 25 Millionen Euro Förderung für die erste Phase der Umstellung.

Die Technik des eCitaro im Detail

Der Mercedes Benz eCitaro ist der erste in Deutschland entwickelte und gefertigte, vollelektrisch angetriebene Stadtbus – sieht man einmal vom Sileo des deutsch-türkischen Herstellers Bosankaya ab, der weitgehend in der Türkei gebaut wird. Der eCitaro bietet innovative Technik, allem voran ein ausgeklügeltes und bei elektrischen Bussen entscheidendes Thermomanagement (siehe dazu das Special in lastauto Omnibus Heft 8/2018). Es reduziert den Energieverbrauch und erhöht damit die "systemrelevante Reichweite", die von Daimler und der Hochbahn mit rund 150 Kilometer angegeben wird, und bei optimalen Bedingungen bei bis zu 250 Kilometer liegt. So übernimmt zum Beispiel eine energiesparende Wärmepumpe von Konvekta die Beheizung des Innenraums und die wärmeabgebenden Komponenten sind zum Großteil miteinander vernetzt.

Die modular aufgebauten Akasol-Batteriepakete mit NMC-Technologie (Nickel-Mangan-Cadmiumoxid) verfügen über eine Gesamtkapazität von bis zu 243 kWh und sind im Heck und auf dem Dach verbaut. Ab 2020 wird es eine neue Generation dieser Batterien geben, die 30 Prozent mehr Leistung bietet. Die Batterien werden im eCitaro auf Idealtemperatur gekühlt, das bedeutet maximale Aufladung, höchste nutzbare Kapazität und lange Lebensdauer. Die Aufladung der Akkus erfolgt per Stecker im Depot, ab 2020 wird Daimler auch Pantografen für die Schnellladung auf der Strecke anbieten. Der Bus ist mit der elektrischen Achse ZF AxTrax mit 250 kW/340 PS Leistung und 22.000 Newtonmeter an maximalem Drehmoment am Rad ausgerüstet und somit sehr leise. Dies wurde auch bei einer ersten Testfahrt mit Presse und Politik mit Fahrer Joachim Will deutlich. Der lobte die Fahreigenschaften des neuen Busses und wies darauf hin, dass alle Fahrer den eCitaro fahren werden, da er sich in wesentlichen Bedienelementen kaum von den Dieselbussen unterscheide. "Allerdings rekuperieren wir nicht sofort Bremsenergie, wenn das Fahrpedal gelöst wird, das halten wir für nicht praktikabel – wir haben die Energierückgewinnung an die Betriebsbremse gekoppelt." Diese wichtige Einstellung kann je nach Kundenwunsch gesondert programmiert werden. Eine Entscheidung über ein zusätzliches Fahrgeräusch (AVAS) zur Warnung von Fußgängern bei Geschwindigkeiten von 0 bis 20 km/h, das in den nächsten Jahren gesetzlich vorgeschrieben wird, ist noch nicht gefallen.

Der neue eCitaro hebt sich durch sein elegantes Design, das sich am 2016 präsentierten, teilautonom fahrenden "Future Bus" orientiert, von herkömmlichen Omnibussen ab. Es signalisiert unübersehbar, dass hier ein besonderer Citaro vorfährt, auch das große, integrierte Mercedes-Logo ziert den Hochbahnbus im Gegensatz zu den Dieselbussen, die ohne Logos in der Stadt unterwegs sind. Die dreitürige Ausführung für die Hamburger Hochbahn AG mit einer spezifischen Kapazität von 70 Passagieren (laut Hersteller sind je nach Ausstattung und Berechnungsmethode bis zu 80 Personen an Bord möglich) bietet eine umfangreiche Ausstattung mit serienmäßigen LED-Scheinwerfern, LED-Außen- und Innenbeleuchtung einschließlich optionaler Ambientebeleuchtung im Fahrgastraum, Türschließ-Warnanlagen mit roter LED-Lichtleiste, eine separate Klimatisierungsautomatik für Fahrgastraum und Cockpit sowie das elektronische Stabilitäts-Programm ESP. Die neuen, erstmals im Stadtbus erhältlichen Sicherheitssysteme "Preventive Brake Assist" und "Sideguard Assist" sind in diesem ersten Bus noch nicht verbaut, allerdings arbeitet Daimler auch an Nachrüstlösungen für einen Abbiegeassistenten für ältere Fahrzeuge, den die Hamburger Bürgerschaft unlängst eingefordert hat.

Der neue eCitaro basiert auf dem meistverkauften Stadtbus Europas, dem Mercedes-Benz Citaro. Er ist inzwischen in zwei Generationen seit 1997 mehr als 50.000 Mal verkauft worden und fährt in fast allen Metropolen West- und Mitteleuropas sowie auf mehreren Kontinenten. Es gibt ihn als dieselbetriebenen Citaro, Citaro hybrid sowie Citaro NGT/hybrid mit Gasmotor. Abgeleitet vom Citaro ist der vierachsige Großraum-Gelenkbus CapaCity in den Längen 19 und 21 Meter, der ebenfalls in Hamburg eingesetzt wird.

Weitreichende Partnerschaft

Bereits in 2017 haben die Freie und Hansestadt Hamburg und die Daimler AG eine weitreichende Partnerschaft für urbane Mobilität verabredet. Parallel zur nun angelaufenen Fahrzeugbeschaffung läuft die Ausrüstung der notwendigen Infrastruktur auf Hochtouren. Im Stadtteil Alsterdorf entsteht derzeit für rund 70 Millionen Euro ein neuer Betriebshof, der vollständig auf einen elektrischen Busbetrieb mit Übernachtladungskonzept ausgerichtet ist. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2019 geplant. In den darauffolgenden Jahren werden nach und nach alle weiteren Standorte für den Einsatz von Elektrobussen umgebaut.

Jörg Lamparter, Head of Daimler Mobility Services: "Unsere Partnerschaft mit Hamburg zielt darauf, die Elektromobilität flächendeckend auszubauen und innovative Mobilitätslösungen voranzutreiben. So werden wir beispielsweise die car2go Flotte schrittweise elektrifizieren und die Kooperationen im Rahmen der Mobility-as-a-Service Plattform moovel intensivieren." Eine Grundsatzvereinbarung (Memorandum of Understanding) sieht bis 2020 die Umsetzung diverser Kooperationsprojekte vor, die Hamburgs damaliger Erster Bürgermeister Olaf Scholz und Klaus Entenmann, Vorstandsvorsitzender der Daimler Financial Services AG, unterzeichnet haben.

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