Eigenständige Pkw- und Lkw-Sparte

Daimler Truck geht an die Börse

Foto: Daimler

Daimler-Chef Ola Källenius treibt den Konzernumbau voran – die Truck-Sparte soll ausgegliedert werden und noch dieses Jahr ihr Börsendebut feiern.

Der Fahrzeugbauer Daimler bringt sein Truck-Geschäft an die Börse. Noch in diesem Jahr soll frisches Geld in die Firmenkasse fließen und die Lkw-Sparte im deutschen Leitindex DAX gelistet werden. Damit wird der Fahrzeugbauer gleich zweimal im DAX, den die Frankfurter Börse dieses Jahr auf 40 Unternehmen erweitern will, vertreten sein.

Daimler Truck mit mehr als 100.000 Leuten weltweit

Bereits zum November 2019 hatte das Unternehmen seine Strukturen umfassend verändert und seine Aktivitäten mit Pkw/Vans, Lkw/Bussen sowie Services in die drei eigenständige Töchter überführt. Nun geht Vorstandschef Ola Källenius den nächsten Schritt, indem er die Nutzfahrzeugsparte, die weltweit mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigt und 2019 eine halbe Million Fahrzeuge auslieferte, vom Konzern abspaltet. Die Pkw- und Vans-Sparte soll zu einem späteren Zeitpunkt in Mercedes-Benz umbenannt werden. Die Mobility-Sparte, in der Services und Finanzierung gebündelt sind, wird auf beide Unternehmen aufgeteilt.

Lesen Sie auch Truck Innovation Award GenH2 und eActros als Sieger

„Dies ist ein historischer Moment für Daimler und der Anfang für eine tiefgreifende Umgestaltung des Unternehmens“, erklärte Källenius am Mittwoch. Daimler Truck-Chef Martin Daum sprach von einem richtungsweisenden Moment. „Mit der Unabhängigkeit gewinnen wir neue Chancen, Sichtbarkeit und Transparenz. Wir werden weiter wachsen und wollen bei alternativen Antrieben und bei der Automatisierung weiterhin führend sein“, erklärte er. Mit batterie-elektrischen und Brennstoffzellen-getriebenen Lkw sowie einer starken Position beim automatisierten Fahren habe Daimler klar definiert, wie die Zukunft aussehen werde.

Vom Aufspalten des Geschäfts erhofft sich Daimler mehr Agilität und Schlagkraft mit Blick auf die Energie- und Antriebswende. „Beide Unternehmen sind in Industrien tätig, die sich technologisch und strukturell umfassend verändern. Diesen Wandel können sie deutlich effektiver gestalten, wenn sie dabei als unabhängige Einheiten agieren“, erläuterte Källenius. Laut Aufsichtsrats-Chef Manfred Bischoff unterscheiden sich die Truck- und Pkw-Sparten abseits vom Produkt noch in mehrfacher anderer Hinsicht: Er sprach von unterschiedlichen Renditeprofilen und Kapitalbedürfnissen. „Daher liegen die Vorteile einer Aufteilung in zwei unabhängige Einheiten auf der Hand“, sagte er. Die endgültige Entscheidung über einen Spin-Off müsse bei einer außerordentlichen Hauptversammlung getroffen werden; sie soll im dritten Quartal stattfinden.

Innovationsfonds über 1,5 Milliarden Euro geplant

Mehrwert für die Aktionäre wolle Daimler Truck schaffen, indem das Unternehmen seine strategischen Pläne noch schneller umsetze, seine Profitabilität erhöhe und die Entwicklung von emissionsfreien Antriebstechnologien für Lkw und Busse weiter vorantreibe. Der Gesamtbetriebsratschef von Daimler, Michael Brecht, erwähnte in dem Zusammenhang, dass zusätzlich zur aktuellen Finanzplanung ein Innovationsfonds über 1,5 Milliarden Euro für Daimler Truck aufgelegt werden soll. „Damit können wir in neue Produkte und Technologien investieren“, sagte er. Das bringe zusätzliche Perspektiven für die Standorte und sichere Beschäftigung.

Lesen Sie auch Mercedes-Benz GenH2 Truck und eActros LongHaul GenH2 Truck fährt mit Wasserstoff Daimler zeigt Brennstoffzellen-Lkw

Im Jahr 2019 setzte Daimler mit Lastwagen 40,2 und mit Bussen 4,7 Milliarden Euro um. Das operative Ergebnis lag bei 2,5 Milliarden Euro beziehungsweise 283 Millionen Euro. Die Zahlen für 2020 gibt Daimler bei der Bilanzvorlage am 18. Februar bekannt. Daimler Truck steht für die sieben Marken Bharat-Benz, Freightliner, Fuso, Mercedes-Benz, Setra, Thomas Built Buses und Western Star. Einen ähnlichen Weg wie Daimler war zuvor Volkswagen mit seinen Lkw-Aktivitäten der Marken MAN, Scania und VW Caminhões e Ônibus gegangen. Traton, ehemals VW Truck & Bus, ist seit Sommer 2019 an der Frankfurter und Stockholmer Börse notiert. Die Mehrheit der Anteile hält der VW-Konzern, Daimler strebt bei seiner Nutzfahrzeugtochter nur einen Minderheitsanteil an.

Unsere Experten
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
Experte für Flottenmanagement und angewandte Mobilitätsangebote Rolf Lübke Flottenmanagement und Mobilitätsangebote
Beliebte Artikel Digitalisierung Urteil zu Wendemanöver Haftung auch ohne Kollision Nur für Kunden der Buchlogistik Zeitfracht senkt seine Transportpreise