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DSLV und IT-Haus Setlog schlagen Alarm

Chaos bei Containern

Foto: Matthias Rathmann

Lieferengpässe, Preiszuschläge, fehlende Leercontainer – die Situation bei Containerverkehren von und nach Asien spitzt sich immer mehr zu.

Nichts geht mehr – jedenfalls kurzfristig. Wer auf Waren aus Fernost angewiesen ist oder sie kurzfristig dorthin verschiffen will, muss sich in Geduld üben. Es fehlen sowohl die Kapazitäten auf den Containerschiffen als auch Leercontainer. Die Folge der Engpässe: lange Wartezeiten, fehlende Planbarkeit und extreme Preissprünge, wie Unternehmen berichten. „Verschiffungen vor dem chinesischen Neujahrsfest können fast nicht mehr gebucht werden“, teilt der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) mit. Gefeiert wird der Neujahrstag im Reich der Mitte erst am 12. Februar.

Fehlende Kapazitäten bei den Reedereien

Der Verband warnt vor schwerwiegenden Folgen nicht nur für deutsche Spediteure und ihre Kunden, sondern für die gesamte europäische Wirtschaft, die auf zuverlässige und stabile Lieferketten auch auf dem Seeweg angewiesen sei. Ein Grund für die Schwierigkeiten in der Seefracht ist, dass die Reedereien den in der Vergangenheit massiv aufgebauten Laderaum wieder eingeschränkt haben. „Sie stellen schlichtweg keine ausreichenden Kapazitäten zur Verfügung“, kritisiert Willem van der Schalk, Geschäftsführer der Spedition A. Hartroth und Sprecher des Komitees Deutscher Seehafenspediteure (KDS) im DSLV.

Zusätzliche Frustration entstehe bei den Speditionen, weil sie in einen „flexiblen Notfall-Planungsmodus“ gezwungen würden, um auf die sehr kurzfristigen Ankündigungen der Reedereien reagieren zu können, was Verfügbarkeit von Containern und Schiffsraum angeht. Van der Schalk spricht von beträchtlichen Kosten aufgrund von Umbuchungen und stets neuen Gebühren und Aufschlägen zum Erlangen einer gesicherten Abfahrt.

Corona-Folgen: Container türmen sich in Amerika

Nicht nur Laderaum ist begehrt, auch Lademittel sind rar. Als Folge von Produktionsstopps und Werkschließungen aufgrund der Corona-Pandemie türmten sich die Container in Amerika und stünden für andere Relationen nicht zur Verfügung. „Frachtraten steigen und Wartezeiten werden immer länger“, bemängelt der DSLV. Am Ende drohe dem Spediteur wegen fehlender Planbarkeit sogar der Verlust von Kunden.

Alarm schlägt auch der Bochumer IT-Anbieter Setlog, der aufgrund seiner Kundenbeziehungen Einblicke in die Marktentwicklung hat. Rund 100 Modemarken, die stark auf Produktion in Asien setzen, nutzen die Setlog-Software Osca, um ihre internationalen Lieferketten zu steuern. Eine der großen Reedereien biete bereits eine Art „Prioritätsservice“ an. Mit einem Zuschlag von rund 1.000 US-Dollar könnten sich Unternehmen auf einem gewünschten Schiff einen Platz erkaufen. Doch auch diese Aufpreise seien keine Garantie, dass die Transporte in Richtung Europa dann reibungslos laufen. „Bei 20 Prozent der Buchungen helfen auch die Zuschläge nichts“, sagt Setlog-Vorstand Ralf Düster und bezieht sich auf Gespräche mit Speditionen.

Setlog: Frachtraten für Container vervierfacht

Nur noch zehn Prozent der alten Verträge würden überhaupt noch eingehalten, schätzt er. Kurzfristige Buchungen seien nahezu unmöglich, bestätigt auch Düster. Das Software-Haus weist auf einen aktuellen Container-Frachtindex hin, wonach sich die Rate für einen 20-Fuß-Container auf der Passage zwischen Asien und Europa auf fast 3.000 US-Dollar und damit das Vierfache des Werts vor sechs Wochen erhöht hat.

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