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Dreimüller trotzt der Bürokratie Nach der Flut mit neuen Lkw am Start

Nach der Flut: Neue Lkw der Spedition Erich Dreimüller Foto: Arnd Dreimüller

Nach der verheerenden Flut im Ahrtal – Spedition Dreimüller trotzt Bürokratie und Kostendruck und fährt wieder Lkw-Touren.

Vor einem halben Jahr ist die Flutkatastrophe über das Ahrtal hereingebrochen. Die schwer betroffene mittelständische Spedition Erich Dreimüller hat das Desaster auch dank des Einsatzes ihrer Mitarbeiter gut überstanden (siehe trans aktuell 13/2021). Geblieben sind der Kampf mit der Bürokratie und ein großer Mangel an Handwerkern. Hinzugekommen ist der enorme Kostendruck in der Branche.

Lkw waren nach der Flut ein Totalschaden

Neun Lkw standen auf dem Hof, als das Wasser um Mitternacht kam. Der Sachverständige stellte damals bei allen Fahrzeugen einen Totalschaden fest. Jetzt konnte die Spedition fünf nagelneue Lkw im Mercedes-Benz-Kundencenter in Wörth am Rhein in Empfang nehmen. „Das hat sehr gut geklappt“, freut sich Firmenchef Arnd Dreimüller. Er konnte mit Glück in den Auftrag eines abgesprungenen Käufers einsteigen und die Wartezeit für die Neufahrzeuge verkürzen.

Die vier anderen Fahrzeuge wurden in der eigenen Werkstatt wieder instand gesetzt, so waren sie weiter fahrbereit und trugen dazu bei, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Ziel ist es, auch diese Lkw zu ersetzen. „Die nächste Möglichkeit zum Austausch werden wir nutzen“, betont Dreimüller, der trotz mancher Steine im Weg positiv in die Zukunft blickt. Denn Hindernisse gibt es noch einige.

„Ich hatte gehofft, dass alles schneller geht mit Renovierung und Aufbau“, erzählt er. „Da muss man wohl geduldiger sein.“ Bei Dreimüller kommen sie mit den Übergangslösungen gut zurecht, trotzdem würde man aus den Bürocontainern gern wieder in ein richtiges Gebäude ziehen. Dagegen spricht aber der große Mangel an Handwerkern, nirgendwo gibt es freie Kapazitäten.

Handwerker sind kaum zu bekommen

Nur: Ohne ein Handwerker­angebot kann kein Architekt als Gutachter die notwendigen Baumaßnahmen überprüfen, und auch die Architekten in der Region sind völlig überlastet. Der Bund wiederum zahlt die Fluthilfe für Unternehmen ohne Elementarschadenversicherung erst dann, wenn ein begutachtetes Handwerkerangebot vorliegt. So schließt sich der Kreis im Stillstand. Dreimüller weiß, dass Angst vor unsachgemäßem Umgang mit Steuergeldern der Grund für die Bürokratie ist. „Aber dadurch werden viele ausgebremst, die dringend Hilfe brauchen. Ich hoffe, dass wir diese Unterstützung bald bekommen, es ist ja sehr viel kaputtgegangen“, sagt er.

Der gestiegene Kostendruck in der Branche macht dem Unternehmer zusätzlich zu schaffen. Der Diesel ist teurer geworden, und unvermeidbare Leerfahrten fängt der Floater nicht auf. „Paarige Verkehre lassen sich nicht überall umsetzen“, erklärt Dreimüller, dessen Kunden zu großen Teilen aus der Bauindustrie kommen. „In vielen Bereichen, wo wir logistische Dienstleistungen anbieten, haben wir zudem Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich, sei es Folie, seien es Paletten oder Verpackungsmaterial.“ Die Kosten seien nur schwer an die Kunden weiterzugeben, die ihrerseits unter Druck stünden und wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Dreimüller-Team hält zusammen

Dreimüller weiß, dass ihm die Verknappung des Laderaums mit dem Anziehen der Konjunktur im Frühjahr in die Hände spielen wird. Aber viel wichtiger ist ihm, dass er auf eine gute Mannschaft setzen kann, die in der Krise noch mehr zusammengewachsen ist. „Alle haben zusammengehalten und uns großartig unterstützt. Das war einfach toll“, hebt er hervor. Aber auch eines Weiteren ist sich der Unternehmer bewusst: „Bis der alte Zustand hier in der Region wieder hergestellt ist, wird es noch Jahre dauern.“

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