Dreier-Gespann aus Bosch, Knorr-Bremse und ZF

Werkstattnetz Alltrucks zieht Bilanz

Foto: Martin Ley

Alltrucks Truck & Trailer Services wächst weiter. Seit seiner Gründung 2013 ist das Joint Venture aus Bosch, Knorr-Bremse und ZF auf europaweit 700 Partnerwerkstätten angewachsen. Geschäftsführer Homer Smyrliadis erläutert die Vorzüge für Servicebetriebe und Flottenbetreiber.

Herr Smyrliadis, Alltrucks Truck & Trailer Services ist seit sieben Jahren auf dem europäischen Markt aktiv. Wie hat sich das Netzwerk seitdem entwickelt?

Seit 2013 haben wir mit Alltrucks sehr viel erreicht. In den letzten Jahren haben wir uns in Deutschland und Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Polen und Norwegen erfolgreich etabliert. Wir sind sehr stolz darauf, dass uns mittlerweile europaweit rund 700 Werkstätten das Vertrauen schenken und Teil des Alltrucks-Netzwerks sind. Aber natürlich ist nicht nur unser Netzwerk größer geworden. Auch unsere Services und Dienstleistungen für unsere Partner haben wir kontinuierlich professionalisiert und erweitert. Wir arbeiten stetig daran, unsere Spitzenposition auszubauen. Trotz der aktuell schwierigen Situation wollen wir auch in diesem Jahr weiter wachsen und an unserem Serviceportfolio arbeiten.

Die Lkw-Hersteller verfügen ebenfalls über ihr eigenes Servicenetzwerk. Warum sollten Flottenbetreiber trotzdem zu Alltrucks kommen?

Heute verfügen viele Flotten über einen gemischten Fuhrpark und greifen deshalb immer auf mehrere markengebundene Werkstätten zurück. In eine Alltrucks-Werkstatt kann der Kunde jedoch mit jedem Fahrzeug kommen, egal von welchem Hersteller. Durch die technischen Informationen, die systemübergreifenden und markenunabhängigen Trainings, die kompetente technische Hotline und die Alltrucks-Mehrmarken-Fahrzeugdiagnose sind unsere Partnerwerkstätten in der Lage, nicht nur schwere Zugfahrzeuge, sondern auch Trailer, Aufbauten, Busse und sogar leichte Nutzfahrzeuge zu warten und zu reparieren – und das unabhängig von der Fahrzeugmarke und qualitativ auf Herstellerniveau. Somit ist das Alltrucks-Netzwerk für Nutzfahrzeugflotten die beste Alternative, um den gesamten Bedarf an Wartung und Reparatur zu decken.

Wie positioniert sich Ihr Netzwerk bei den Kosten?

Mit unserem Flottenprogramm Alltrucks Fleet bieten wir Fuhrparks europaweit einen verbindlichen Servicerahmen an, sodass die Kosten auch im Ausland kalkulierbar bleiben. Alltrucks-Fleet-Kunden werden zudem bei allen Partnerwerkstätten bevorzugt behandelt, was die Standzeiten deutlich reduziert und den Kunden Planungssicherheit gibt. Derzeit haben wir über 70 Flottenkunden, die bereits 3.000 Fahrzeuge mit einer Alltrucks-Fleet­Service-Karte ausgestattet haben. Diese Karte erleichtert der ausführenden Werkstatt die Kontaktaufnahme mit dem Flottenbetreiber und ermöglicht eine einfache Identifizierung des Kunden als Alltrucks-Fleet-Kunde. Ein weiterer Vorteil von Alltrucks Fleet: Bevor an einem defekten Fahrzeug gearbeitet wird, spricht sich die ausführende Werkstatt mit der Heimatwerkstatt des Halters ab. Wenn die Reparaturhistorie des Fahrzeugs bekannt ist, können unnötige Reparaturen vermieden werden und dadurch nochmals Kosten beim Fuhrparkbetreiber reduziert werden. Zu Alltrucks Fleet werden wir Mitte des Jahres eine eigene Onlineplattform starten, die den Service weiter professionalisiert, indem etwa die digitale Reparaturfreigabe möglich wird.

Wie stellt Alltrucks sicher, dass Partnerwerkstätten den zukünftigen technischen Herausforderungen gewachsen sind?

Foto: Alltrucks
Geschäftsführer Homer Smyrliadis sorgt mit Nachdruck dafür, dass Alltrucks von starken Partnern unterstützt wird.

Indem wir ihre technische Kompetenz mit hochwertigen Services stärken und ihnen alles an die Hand geben, was sie in ihrem täglichen Geschäft brauchen. Alltrucks-Partner haben Zugriff auf eine markenübergreifende technische Datenbank, die auf den Originaldaten der Nutzfahrzeughersteller basiert und um Informationen von Trailer- und Achsherstellern ergänzt ist. Zudem können sie auf eine exklusive technische Hotline und ein Online-Ticketing-System zurückgreifen. Zum Leistungsumfang gehört außerdem ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm. Im Alltrucks Training „Motormanagement I und II“ werden beispielsweise markenübergreifend sämtliche relevanten Systeme an unterschiedlichen Fabrikaten geschult. Zudem erhalten Alltrucks-Partner eine exklusive Mehrmarken-Fahrzeugdiagnose, die auf den Softwarelösungen von Bosch, Knorr-Bremse und ZF basiert und mit regelmäßigen Updates auf dem neuesten Stand gehalten wird. Unsere Partner sind also auf alle technischen Herausforderungen bestens vorbereitet.

Bei der Ersatzteilbeschaffung müssen die Partner dann auf das Angebot des freien Teilehandels zurückgreifen?

Ja, aber auch bei der Teileidentifikation unterstützen wir unsere Partner, damit sie noch schneller und effizienter arbeiten können. Mit der Alltrucks-VINcat-Datenbank haben unsere Partner online Zugriff auf einen Mehrmarken-Teilekatalog mit allen Originalherstellerdaten. Dort kann über die Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN) auf alle Fahrzeuge der sieben großen Nfz-Hersteller zugegriffen werden. Gleichzeitig erhält der Werkstattmitarbeiter dort eine Übersicht mit den Artikelnummern für Ersatzteile des freien Teilemarkts. Zusätzlich profitieren die Partner von der Weiterleitung zu technischen Informationen, denn über die eingebaute Schnittstelle im VINcat kann direkt auf Fahrzeugdatenbanken zugegriffen werden.

Welche Voraussetzungen muss eine Nutzfahrzeugwerkstatt mitbringen, um Teil des Alltrucks-Netzwerks zu werden?

Wir richten uns mit unserem Angebot an jede professionelle Nutzfahrzeugwerkstatt, die Nutzfahrzeuge aller Marken repariert. Es sollte sich um einen Meisterbetrieb mit hohem Kompetenzniveau und professioneller Ausrüstung handeln, in dem neben Lkw auch Anhänger und Auflieger gewartet werden können. Alltrucks-Partnerwerkstätten verfügen jedoch nicht nur über technische Werkstattqualitäten. Ebenso wichtig ist uns die Beratungs- und Lösungskompetenz in Verkauf und Service, die sich etwa in einer professionellen Kunden­annahme und -betreuung zeigt. Um europaweit ein einheitliches Serviceniveau sicherzustellen, werden die Qualitätsstandards in regelmäßigen Audits überprüft. Um das Qualitätsniveau weiterzuent­wickeln, sind wir bei einzelnen Partnern auch beim Ausbau der Rahmenbedingungen behilflich.

Wie genau kann eine Werkstatt durch die Partnerschaft neue Kunden gewinnen?

Foto: Alltrucks
Seit Februar 2020 ist Maha ebenfalls Partner von Alltrucks und unterstützt das Werkstattnetzwerk mit seinem Know-how.

Vom ersten Tag an erhält jeder Partner eine professionelle Web-Visitenkarte, durch die er sofort gefunden werden kann. Flotten nutzen zur Suche den Online-Alltrucks-Werkstattfinder und die Alltrucks-App, die dem Nutzer alle Alltrucks-Werkstätten im Umkreis anzeigt. Durch Anwählen der gewünschten Werkstatt kann der Fahrer die Anschrift einsehen, sich direkt dorthin navigieren lassen, die Website der Werkstatt aufrufen oder per Direktwahl mit der Werkstatt Kontakt aufnehmen. Außerdem kann jede Partnerwerkstatt ab dem ersten Tag von Flotten angefahren werden, die im Rahmen von Alltrucks Fleet mit uns zusammenarbeiten.

Wie reagiert Alltrucks auf das Thema Elektromobilität?

Indem wir unsere Partner auf die technischen Anforderungen vorbereiten und sie mit dem nötigen Know-how ausstatten. Zum Beispiel sind Hochvolttrainings wie „Arbeiten an HV-eigensicheren Fahrzeugen bis 3,5 t“ bereits seit Längerem in unserem Trainingsprogramm enthalten. Zudem führen wir mit unseren Kooperationen zusätzliche Kompetenzen in das Netzwerk. Ende letzten Jahres konnten wir mit Quantron einen Spezialisten im Bereich Umrüstung zur E-Mobilität als Kooperationspartner für unser europaweites Partnernetzwerk gewinnen. Damit stärken wir die hauseigenen Fähigkeiten unserer Partner und sichern die Zukunftsfähigkeit unseres Netzwerks – sowohl für leichte Transporter als auch schwere Nutzfahrzeuge. Seit Beginn des Jahres kooperieren wir mit Solaris, einem weiteren namhaften Nutzfahrzeugexperten, der bereits eigene Elektrobusse herstellt. Solaris kann unser Netzwerk in Spanien und Portugal mit über 100 Partnern als zusätzliches Servicenetz nutzen. Die Partner wiederum profitieren dadurch vom Know-how des Herstellers.

Auf wie viele Kooperationspartner kann Alltrucks inzwischen zurückgreifen?

Derzeit arbeiten wir in verschiedenen Ländern Europas mit einer Vielzahl an Branchengrößen zusammen. Darunter befinden sich Hersteller wie Solaris und Goldhofer, die Alltrucks als Servicenetz nutzen. Neben diesen stellen wir unseren Partnern auch namhafte Zulieferer vor, die unsere Werkstätten mit Vorzugspreisen und ihrem Know-how unterstützen. Hierzu gehören zum Beispiel der Schmierstoff- und Mineralöllieferant Total und der Reinigungsspezialist Sonax. Nutzfahrzeugreifen und entsprechende Flottenlösungen können unsere Partner von unserem Kooperationspartner Prometeon beziehen. Softwareseitig unterstützt Werbas unser Netzwerk, während Easysub plus als Dienstleister bei der betrieblichen Finanzierung durch staatliche Fördermittel berät. Stolz sind wir außerdem auf unseren neuesten Kooperationspartner, den weltweit führenden Werkstattausrüster Maha. Maha ermöglicht unseren Partnerwerkstätten einen exklusiven europaweiten Support für Bremsen-, Hebe- und Fahrzeugprüftechnik sowie Leistungs- und Abgasmesstechnik. Zudem wird Maha dem Netzwerk bei der Werkstatt- und Serviceplanung sowie der Ausstattung beratend zur Seite stehen. Ferner kooperieren wir mit weiteren Unternehmen, die nicht unerwähnt bleiben sollen, etwa Timken, Ebers­pächer und Semmler Tacho Control.

Die Corona-Pandemie ist aktuell das bestimmende Thema. Wie geht Alltrucks mit dieser Situation um?

Natürlich betrifft uns als europaweit agierendes Netzwerk die Pandemie ebenfalls. Allerdings sind besonders Nutzfahrzeugwerkstätten unverzichtbare Dienstleister im Logistiksektor, denn sie sichern im Schadenfall eine schnelle Weiterfahrt der Lieferfahrzeuge mit beispielsweise Lebensmitteln oder medizinischer Ausrüstung. Deshalb sind unsere Partnerwerkstätten weiterhin im Einsatz, wenn auch nicht unter der normalen Auslastung und immer unter den gebotenen Sicherheitsmaßnahmen. Auch unsere Services sind bis auf wenige Einschränkungen wie gewohnt verfügbar. Wir stellen uns auf die besondere Situation ein und betreuen unsere Werkstattpartner nun hauptsächlich telefonisch oder online. Unsere technische Hotline betreut seit Kurzem nicht nur telefonisch, sondern auch per Videoanruf. Dadurch kann der Hotline-Mitarbeiter das Problem leichter identifizieren und mittels Markierungen und Zeichnungen auf dem Bildschirm bei der Lösung optimal unterstützen.

Was dürfen wir von Alltrucks dieses Jahr noch an spannenden Projekten erwarten?

Es steht eine Vielzahl an Themen in den Startlöchern. Ein zusätzlicher Servicebaustein ist die Autorisierung zur Abwicklung von Knorr-Bremse-Gewährleistungsfällen, die dieses Jahr im gesamten Alltrucks-Netzwerk eingeführt wird. Ein großer Fokus liegt außerdem auf dem europaweiten Rollout von Alltrucks Fleet. Ein Highlight wird unser Gemeinschaftsstand mit Maha, Quantron und Semmler auf der IAA im September sein, auf den wir uns aktuell noch sehr freuen.

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Jan Bergrath Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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