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Digitalisierung zum Anfassen

Logcoop stellt sich für Zukunft auf

Drohne bei der Inventur im Lager Foto: Doks Innovation/Patrick Tiedtke

Die Kooperation mittelständischer Spediteure Logcoop veranstaltet zum vierten Mal Innovationstag zur Digitalisierung.

Im historischen Ambiente der Gebläsehalle in Duisburg ging es beim Innovationstag der mittelständisch geprägten Speditionskooperation Logcoop um „Digitalisierung zum Anfassen“. Rund 250 Teilnehmer, so viele wie noch nie, waren in den Landschaftspark Nord gekommen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Branche zu informieren.

Und die haben es in sich, wie Logcoop-Geschäftsführer Marc Possekel versicherte: „Logistik 4.0 zum Anfassen mit vornehmlich praxisrelevanten Themen“. Ein Motto, bei dem Tobias Rademann, Geschäftsführer des IT-Beratungsunternehmen R.it aus dem Nähkästchen berichten konnte. Schließlich begleiten er und seine Kollegen beständig kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei ihrem Transformationsprozess. „Digitalisierung im Mittelstand – oder wie der Patient wieder auf die Beine kommt“, war Rademanns Vortrag überschrieben. Aus seiner Erfahrung heraus, wird die Digitalisierung oft zu technisch angegangen. Das liegt zwar nahe, ist aber erst der dritte und letzte Schritt.“ Vielmehr müssten zunächst die Strategie und Organisation geklärt sein.

Digitalisierung ist Chefsache

„Viele sind der Meinung, dass das Thema Digitalisierung eher in die IT-Abteilung als in die Vorstandsetage gehört“, berichtete Rademann. Das sei ein Fehler. Die Logistik 4.0 ist laut seiner Überzeugung Chefsache. „Denn die Digitalisierung muss in die eigene Geschäftsstrategie eingebettet werden.“ Auch wenn der Transformationsprozess von der Technologie getrieben ist. „Was wiederum zu einer exponentiell wachsenden Geschwindigkeit führt“, konstatierte der IT-Berater.

Daher sieht er die KMUs eigentlich sogar im Vorteil gegenüber den Konzernen: Auf der einen Seite sind wenige Schnellboote – auf der anderen träge Tanker. Warum gerade der Mittelstand dennoch als Patient in Sachen Digitalisierung gilt? „Viele Rennboote liegen sauber vertäut und mit Planen überzogen an Land“, sagte Rademann. Um sich der digitalen Revolution stellen zu können, müssten sich die Unternehmer aus ihrer sicheren Komfortzone herausbewegen: „Das ist eine Riesenchance für KMUs“.

Um dem Wandel gerecht zu werden, müssten aber auf jeden Fall die Mitarbeiter mitgenommen und motiviert werden. „Lassen Sie Ihre Mitarbeiter ihre verbindlichen Ziele selbst festlegen. Sie werden positiv überrascht sein“, sagte Rademann. Denn gerade bei KMUs fänden sich viele motivierte Mitarbeiter. „Wer in der Masse untertauchen will, der geht zu einem Konzern.“

Normen eröffnen Chancen

Im Anschluss stellte Jan Dittberner, der beim Deutschen Institut für Normung (DIN) unter anderen als Geschäftsführers der DIN-Koordinierungsstelle Logistik tätig ist, die Frage „Braucht Digitalisierung Standards?“ Hier gehe es um Normungen, die aus der Wirtschaft heraus entwickelt werden. Prominente Beispiele hatte er gleich zur Hand: Das DIN-A4-Format, das als ISO-Norm mittlerweile in fast der ganzen Welt genutzt wird. Oder die ISO-Container oder eben auch die DIN EN ISO/IEC 27000 für IT-Sicherheits-Managementsysteme.

„Von Normen profitieren wir alle – sie sorgen für mehr Effizienz und Sicherheit“, erklärte Dittberner. So könnten auch Logistiker mit neuen Produkten auf eine Norm aufsetzen – mit der Gewissheit, dass diese auch im Zusammenspiel mit anderen Lösungen funktionieren. Gleiches gelte natürlich auch für die Sprache von Geräten, die in der Cloud, Stichwort Internet of Things (IoT) – fehlerfrei miteinander kommunizieren sollen. Zudem wies Dittberner auf die Koordinierungsstelle Logistikmit seiner offenen Web-Plattform hin, auf der jeder seine Ideen für Normierungen in der Branche einbringen kann.

Seifert testet 3D-Druck und Drohnen

Direkt in die Praxis ging es dann mit Andreas Schmid, Sales Manager Forwarding bei Seifert Logistics und seinem Kollegen Christoph Krieg, Leiter Digitalisierung und Verbesserungsprozesse. 2017 hat bei dem Mittelständler alles mit einem zweitägigen Workshop angefangen. Daraus entwickelte sich die Seifert Digital Roadmap, in die auch die CEO-Ebene eingebunden ist. „Ist nicht zwar immer einfach einen ROI zu benennen und so eine Freigabe für ein Projekt zu erhalten“, dennoch sei man als Unternehmen agil unterwegs, berichtete Krieg.

So ist Seifert gerade dabei, den 3D-Druck für Ersatzteile zu testen, schließlich ist der Logistiker sehr stark im Automotive-Bereich unterwegs. „Wir sehen hier die Gefahr, dass uns Geschäft wegbrechen könnte und wollen daher frühzeitig gegensteuern“, erläuterte Krieg. Aber auch sonst sei in Sachen Digitalisierung der Geschäftsprozesse einiges geboten: Mit der sogenannten SLG Training App geht es um eine durchgängige Qualifikation der Mitarbeiter an allen Standorten europaweit.

Im Lager kommen Kommissionier-Roboter von Magazino zum Einsatz, die die dortigen Mitarbeiter unterstützen. Die wiederum haben den Kommissionier-Handschuh von Proglove buchstäblich zur Hand, damit das Scannen leichter fällt. Für die Inventur kommen Drohen zum Einsatz – „eine Technik, die zugegebenermaßen aber noch in den Kinderschuhen steckt“, berichtet Krieg. Ganz aktuell werde darüber hinaus eine tägliche Leergutinventur mithilfe von festinstallierten Kameras getestet.

Ohne solide Datenbasis geht nichts

Ein nach eignen Bekunden Glücksgriff hat Seifert Logistics mit der Umstellung des Transport-Management-Systems auf die Brabender logistic suite getan. „Demnächst stellen wir auch unsere Telematik aus das System von Brabender um“, sagte Seifert: „Das ist insbesondere für mich als Vertriebs-Chef ein wichtiges Thema.“ Denn nur wer seine Daten im Griff hat, kann auch bei der Digitalisierung respektive Automatisierung erfolgreich sein.

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