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Digitalisierung und Klima im Fokus

Dachser setzt auf emissionsfreie Logistik

Foto: Thomas Küppers

Stagnation beim Umsatz – Wachstum in der Luftfracht und der Lebensmittellogistik: Der Logistikdienstleister Dachser hat sich im Corona-Krisenjahr gut behauptet.

Der Logistikdienstleister Dachser verschreibt sich dem Klimaschutz und will nach dem Vorbild von Stuttgart und Freiburg in weiteren belasteten Städten klimaneutrale Zustellkonzepte anbieten. Burkhard Eling, seit Jahresbeginn neuer Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens aus Kempten, kündigte am Dienstag vor Journalisten an, das Konzept der Null-Emissions-Zonen auf mindestens elf europäische Städte auszudehnen, darunter München, Berlin, Prag, Oslo und Madrid. „Dafür bringen wir weitere batterieelektrische Lkw und elektrisch unterstützte Lastenräder zum Einsatz“, kündigte er an. In Stuttgart bietet das Unternehmen seit 2018 auf einer Fläche von vier Quadratkilometern emissionsfreie Logistikdienstleistungen durch Kombination aus Elektro-Lkw und Lastenfahrrad an.

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Offen zeigt sich Dachser auch für Wasserstoff-Brennstoffzellenantriebe. Entsprechende Fahrzeuge ließen sich durchaus in das Stückgutnetzwerk des Unternehmens integrieren, wie eine Studie der Hochschule Kempten im Auftrag von Dachser voriges Jahr ergeben hatte. „Wir unterstützen unter anderem über unsere Mitgliedschaft im Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband aktiv die Erforschung und Erprobung von Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieben für Lkw“, erklärte der Vorstandschef, der bis voriges Jahr das Finanzressort bei Dachser verantwortete. Er sei überzeugt, dass langfristig nur die Unternehmen eine Zukunft haben werden, die sich nachhaltig ausrichten. „Auch wenn wir selbst nur einen kleinen Fuhrpark betreiben und mit selbständigen Transportunternehmern zusammenarbeiten: Fossile Energieträger müssen in Transport und Logistik in den kommenden Jahrzehnten durch klimafreundliche Antriebe und Kraftstoffe ersetzt werden“, erklärte Eling.

Dachser plant Investitionen von 190 Millionen Euro

Ein verstärktes Engagement kündigte er auch mit Blick auf die Digitalisierung an und nannte als Beispiele für digitale Technologien die Themen Machine Learning – also ein maschinelles Lernen mithilfe von Künstlicher Intelligenz – oder eine Wechselbrücken-Lokalisierung. Dachser lässt dazu 8.000 Wechselbrücken mit solarbetriebenen, 5G-fähigen Ortungsgeräten ausstatten, um eine Verfolgung der Sendungen in Echtzeit zu ermöglichen.

Schon seit längerem arbeitet das Logistikunternehmen intensiv mit dem Fraunhofer Institut IML in Dortmund zusammen, um neuste Technologien und Verfahren in seine Digitalisierungsprojekte einfließen zu lassen. „So haben wir zum Beispiel gemeinsam einen Predictive Analytics-Algorithmus entwickelt und zum Einsatz gebracht“, erläuterte Burkhard Eling. Mit ihm ließen sich eingehende Sendungsmengen auf Niederlassungsebene genau prognostizieren.

Neues Vorstandsressort IT & Development

Digitalisierung ist bei Dachser Chefsache, wie sich auch durch das neu geschaffene eigene Vorstandsressort „IT & Development“ zeigt, das Stefan Hohm bekleidet und die Dachser-IT mit ihren rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vereint.

Dachser macht für die Projekte zur Digitalisierung auch entsprechendes Geld locker: So sollen von den geplanten Investitionen von 190 Millionen Euro auch die Digitalisierung von Prozessen und Geschäftsmodellen profitieren. Ein hoher Teil dieser Mittel wird ferner in zusätzliche Kapazitäten für die Kontraktlogistik fließen. Im vergangenen Jahr mobilisierte Dachser deutlich weniger – nämlich 142,6 Millionen Euro – für Investitionen.

Insgesamt fällt der Blick nach vorn positiv aus, was Eling an steigenden Sendungsmengen festmacht. Und auch die Bilanz für das von Corona geprägte Jahr 2020 ist laut dem Dachser-Manager nicht schlecht. Das Unternehmen konnte der Coronakrise weitgehend trotzen und in manchen Bereichen gar von einer erhöhten Nachfrage profitieren. Wichtig auch für Eling: Dachser habe die weltweiten Lieferketten der Kunden unterbrechungsfrei am Laufen gehalten und auf Engpässe – zum Beispiel in der Luftfracht – durch den Aufbau eigener Kapazitäten reagiert. Insgesamt wickelte Dachser voriges Jahr rund 150 eigene Charterflüge zwischen Europa, Asien und den USA ab. Der knappe Laderaum führte zu hohen Frachtraten, was sich auch in der Dachser-Bilanz niederschlägt. Das Segment Luft- und Seefracht legte beim Umsatz um 5,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu.

Und auch die Lebensmittelsparte wuchs im Coronajahr – getrieben auch durch anfängliche Hamsterkäufe. Auf der anderen Seite litt die Sparte unter dem Lockdown, der die Gastronomie, Hotellerie und Eventbrache hart traf. Unterm Strich legte das Segment Food Logistics um 1,9 Prozent zu und schloss mit einem Umsatz von 982 Millionen Euro ab.

Bereich European Logistics muss Federn lassen

Der stärkste Bereich von Dachser aber, die im Segment European Logistics gebündelten europäischen Stückgutverkehre und Logistikaktivitäten, konnte sich dem allgemeinen Abwärtstrend im vorigen Jahr nicht entziehen. Er musste ein Umsatzminus von 3,2 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro verschmerzen. Dachser hat demnach die Lockdown-bedingten Volumenrückgänge im April und Mai vorigen Jahres, die vor allem in Frankreich und auf der Iberischen Halbinsel zu spüren waren, nicht mehr aufholen können.

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Über alle Geschäftsfelder hinweg erzielte Dachser einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro, was einer Stagnation beziehungsweise einem leichten Minus von 0,9 Prozent entspricht. Die Zahl der Sendungen sank um 2,5 Prozent auf 78,6 Millionen, die Tonnage um 2,9 Prozent auf 39,8 Millionen Tonnen. Zum Ergebnis macht das Familienunternehmen traditionell keine Angaben. Dachser sei damit sehr zufrieden, hießt es.

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