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Digitalisierung bei Elsen Logistik

So geht Lean Management in der Logistik

Elsen Holding GmbH: Lageraktivitäten in Wittlich und Koblenz Foto: Elsen Logistik

Wie lassen sich Prozesse in der Logistik verbessern und digitalisieren? Ein trans aktuell-Web-Seminar lieferte Antworten.

Digitalisieren: ja – aber nicht um jeden Preis. Das war eine der Kernaussagen eines kürzlich abgehaltenen trans aktuell-Web-Seminars zum Thema Lean Management und Digitalisierung. Es sollte Impulse aus der Praxis liefern und Appetit machen auf einen Besuch eines vertiefenden trans aktuell-Symposiums am 25. November bei Elsen Logistik in Koblenz (Anmeldung unter eurotransport.de/tasymposien).

Logifactoring als Alleinstellungsmerkmal von Elsen

„Digitalisieren nur, wo es Sinn macht“, gab Elsen-CEO Thomas Klein als Parole aus. Wo es Sinn macht, das bewerten die Verantwortlichen in dem Logistikunternehmen erst einmal in einer Risiko-Potenzial-Analyse entlang der Prozesskette. Dieses Logifactoring – diesen Begriff hat sich Elsen schützen lassen – sei ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens, erklärte Klein. Der Logistikdienstleister beschäftigt etwa 2.000 Mitarbeiter, setzte voriges Jahr 95 Millionen Euro um und feiert dieses Jahr seinen 150. Geburtstag. Herzstück von Elsen sei die Beratungsorganisation, erklärte Klein – was die hohe Expertise bei Lean Management und Digitalisierung erklärt.

Die Motivation, sich auf diese Themen einzulassen, waren der Kostendruck auf der einen Seite und der Qualitätsanspruch auf der anderen. „Eigentlich ein Widerspruch in sich“, sagte Klein. Doch werden die Prozesse schlanker und die Effizienz höher, sinken die Schnittstellen und Fehlerquellen. Das erhöht die Qualität und senkt die Kosten – bei näherem Hinschauen also doch kein Widerspruch.

An erster Stelle steht bei Elsen also immer der Prozess. Die Verantwortlichen nehmen den Standardprozess unter die Lupe, bewerten ihn mit unterschiedlichen Methoden und Lean Management-Werkzeugen und entwickeln dabei den idealtypischen Prozess – den Prozess von morgen. Dabei kommt vor allem die Komplexität auf den Prüfstand. „Nehmen wir zwei Prozessschritte raus, wird alles effizienter und die Prozess-Durchlaufzeit kürzer“, erläuterte der Elsen-Chef. Erst wenn der Prozess wirklich schlank ist – Experten sprechen von einem verschwendungsfreien Prozess –, prüfen die Elsen-Mitarbeiter, ob und wie er digitalisiert werden kann.

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Wie sich Dispositionsprozesse im Fuhrpark verbessern lassen, machte Klein am Beispiel seines Unternehmens und dem Transport-Management-System Winsped deutlich. Elsen verfügt über eine deutsche und eine polnische Organisation. Beide Einheiten hatten eigene Datenbanken und keine Informationen über die jeweils anderen Flottenanteile beziehungsweise Frachtführer. Das Ergebnis einer Prozessverbesserung: Das Elsen-Team entwickelte eine neue Datenbank und führte die beiden Strukturen zusammen. Für die Disponenten war das ein Quantensprung: Nun können sie alle Fahrzeuge lokalisieren und Aufträge nach Postleitzahlen, Datum und weiteren Kriterien – etwa Komplett- oder Teilladung – selektieren. Die Volumen lassen sich bündeln und Rundläufe bilden, die nicht nur den Disponenten, sondern auch dem Controlling deutlich mehr Spaß machen. Und das nächste Projekt hat Elsen-CEO Klein auch schon im Blick: ein Preiskalkulator für den Spotmarkt.

Die Preise sind auch für Jörg Lux, Professor für Logistik und Operations Management an der Hochschule Koblenz, eine Triebfeder, um sich mit Lean Management zu beschäftigen. Denn: Der Logistikaufwand steigt beträchtlich, auch infolge sinkender Losgrößen und explodierender Paketzahlen. Doch das Dilemma der Transport- und Logistikunternehmen: „Bei einem gleichzeitigen Preisverfall am Markt können sie Ihre Preise nicht ohne Weiteres erhöhen“, sagte Lux und legt Spediteuren daher ebenfalls ans Herz, sich mit schlanken Prozessen und Lean Management zur Fehlervermeidung auseinanderzusetzen.

Lux: Verschwendung rausnehmen, dann digitalisieren

Die klare Empfehlung auch von ihm: „Erst Verschwendung aus den Prozessen rausnehmen, dann digitalisieren.“ Prof. Lux hält es auch für fragwürdig, mit hohen Investitionen in neue Technik auf Veränderungen zu reagieren. „Bilden Sie lieber Ihre Leute in Lean aus – machen Sie es sich so einfach wie möglich“, rät er.

efeu-Campus als Testfeld für urbane Güterlogistik

Das fällt vielen Unternehmern offenbar aber gar nicht so leicht, wie Thomas Anderer, Geschäftsführer des efeu-Campus Bruchsal, immer wieder feststellen muss. „Viele wollen digitalisieren, denken aber noch immer in Leitz-Ordnern“, sagte er. Wer in diesen Denkstrukturen verhaftet bleibe, laufe Gefahr, aus dem Markt gedrängt zu werden.Die Projektverantwortlichen des efeu-Campus sind vor dieser Gefahr gefeit. Sie beschäftigen sich nicht mit Leitz-Ordnern, sondern mit Apps, 5G-Netzen, Zustellrobotern und Flugtaxis. In Bruchsal stellt eine Arge aus sechs Partnern an einem von der EU geförderten Leuchtturmprojekt auf einem realen Testfeld die urbane Güterlogistik von morgen dar – das erste Testfeld seiner Art in Deutschland, wie Anderer sagte.

Allein durch die Art des Projekts muss er eine gewisse Komplexität beziehungsweise Verschwendung wohl in Kauf nehmen. „Wenn wir uns nur mit der Gegenwart beschäftigten, wären unsere Prozesse lean, aber unser Geschäftsmodell nicht zukunftsfähig“, sagte er.

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