Deutsche See und Bezold testen Streetscooter

Work XL erstmals auf der IAA

Foto: Deutsche See

Praxistest geglückt: Der Fischlieferant Deutsche See und die Spedition Bezold berichten von ihren Erfahrungen mit Streetscooter, die einen speziellen Aufbau haben.

Schon seit vielen Jahren suchte der Fischlieferant Deutsche See nach alternativen Fahrzeugantrieben. Nun scheint das Unternehmen mit dem Streetscooter Modell Work, das einen extra angefertigten Kühlkofferaufbau besitzt, eine Lösung für die Zukunft gefunden zu haben. „Der Streetscooter mit seiner Kombination aus komplett emissionsfreiem Antrieb und modernster Kühllogistik ist eine sinnvolle Ergänzung unseres Fuhrparks aus modernen, konventionell angetriebenen Fahrzeugen“, erklärt Martin Engelking, Direktor Service und Personal bei Deutsche See, gegenüber trans aktuell.

Ein Jahr lang prüfte Deutsche See den Streetscooter auf Herz und Nieren. Ganzen Wolfsbarsch, Filet, Meeresfrüchte, Frischfisch oder Tiefgekühltes galt es, unbeschadet zu den Kunden in der Kölner Innenstadt zu transportieren. „Dabei beliefern wir idealerweise jeweils zwölf bis 18 Kunden mit bis zu 650 Kilogramm Ware pro Tour“, erklärt Engelking. Die 30 bis 45 Kilometer lange Fahrtstrecke meisterte der Streetscooter demnach ohne eine Zwischenladung der Batterie problemlos. „Überhaupt verlief der gesamte Test reibungslos“, sagt Engelking.

Die Daten der vergangenen Monate evaluiert das Unternehmen mit Sitz in Bremerhaven nun gemeinsam mit Streetscooter, schon während des Pilotprojekts fand ein „permanenter Austausch“ statt. Auch aufgrund der positiven Resonanz der Kunden und Mitarbeiter wollen die beiden Unternehmen gemeinsam an weiteren Projekten arbeiten.

Pluspunkt hohe Nutzlast

Nach Abschluss der Testphase soll der Streetscooter an weiteren Standorten zum Einsatz kommen. Die Deutsche See-Mitarbeiter loben laut Engelking an dem Elektro-Transporter vor allem das Fahrverhalten und die Nutzlast von 650 Kilogramm. „Die Nutzlast ist für uns wichtig, denn nicht nur der frische Fisch wiegt einiges, sondern auch unsere Mehrwegkisten und das Eis, unter dem der Fisch liegt“, sagt Engelking. Die Ladekantenhöhe und die drei Türen des Kühlkoffers seien so konzipiert, dass die Mitarbeiter die Ware von allen Seiten erreichen können.

Auf eine einfachere Handhabe beim Be- und Entladen legte auch die Spedition Bezold aus Eckental bei Nürnberg Wert. Der spezielle Aufbau ihres Streetscooter Work L besitzt Portaltüren, die die Beladung per Gabelstapler ermöglichen. Bezold schaffte sich den Streetscooter gemeinsam mit der Siemenssparte Building Technologies (BT) an, die ein Lager in Nürnberg betreibt. Daher fährt der Streetscooter laut Bezold-Geschäftsführer Stefan Utschig ausschließlich für Siemens BT.

Bezold-Fahrer sind geteilter Meinung

Das Besondere an dem Fahrzeug, das im Nürnberger Stadtverkehr Produkte für die Gebäudetechnik wie Brandschutzmelder transportiert: der spezielle Aufbau aus dem Hause Humbaur, mit dem Paul Nutzfahrzeuge aus Vilshofen an der Donau den Streetscooter umgerüstet hat. Dieser erlaubt rund 800 Kilogramm Zuladung und verfügt über Möglichkeiten zum Festzurren der Ware sowie die besagte Portaltür.

Die Bezold-Fahrer sind laut Utschig geteilter Meinung, was den Streetscooter-Einsatz angeht. „Den Ansatz, emissionsarm unterwegs zu sein, unterstützen sie“, berichtet der Geschäftsführer im Gespräch mit trans aktuell. „Die tägliche Tourenplanung durch die begrenzte Reichweite und den damit verbundenen Batterie-Ladezeiten ist aber noch gewöhnungsbedürftig.“ Dabei hat sich die Reichweite laut Utschig von 80 Kilometer auf 120 Kilometer erhöht. Der Streetscooter habe sich zwar als zuverlässiges Fahrzeug bewährt, lasse sich jedoch nicht mit einem herkömmlichen Diesel vergleichen. Ob die Spedition weitere Fahrzeuge anschaffe, hänge von der Nachfrage der regionalen Kunden ab. „Wir prüfen derzeit mit weiteren Unternehmen, ob ein Streetscooter in deren Logistikprozesse eingesetzt werden kann.“

Einen Streetscooter mit größerer Reichweite könnte es schon bald geben: Die Post-Tochter plant eine Kleinserie des Modells Work L mit Brennstoffzellenantrieb. „Reine E-Fahrzeuge dominieren künftig die Kurz- und Mittelstrecke. Neue Antriebe halten Einzug auf der Langstrecke“, erklärte Achim Jüchter, Leiter Range Extender Systems bei Streetscooter, beim trans aktuell-Symposium zu alternativen Antrieben (siehe trans aktuell 14/2018). Die Brennstoffzelle ermögliche eine Reichweite von rund 540 Kilometern, die die ebenfalls verbaute Batterie um etwa 80 Kilometer Reichweite ergänzt. Bis 2020 produziert Streetscooter laut Jüchter eine dreistellige Stückzahl an Streetscootern mit Brennstoffzelle.

Nächster Coup: Modell Work XL

Die Deutsche Post DHL will den Streetscooter Work L H2 im Betrieb des Bereichs DHL Express einsetzen. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs betrage 120 km/h. Damit qualifiziert es sich auch für die Autobahn, was für DHL Express-Fahrten wichtig ist. Das Basismodell – der Streetscooter Work L – besitzt ein Ladevolumen von acht Kubikmetern und kann eine Tonne zuladen. „Wir wollen den Anstoß für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland geben“, sagte Jüchter. Außerdem wolle das Unternehmen dabei helfen, eine Zulieferindustrie für Brennstoffzellenfahrzeuge zu etablieren. Der nächste Coup soll neben den Brennstoffzellen-Fahrzeugen das Modell Work XL werden.

Die Vorproduktion des Elektro-Lkw startete bereits. Auf der IAA (Halle 13, Stand C73) stellt Streetscooter daher neben den bekannten Modellen Work und Work L auch den Work XL vor, der das Fahrgestell des Ford Transit nutzt. Ob sich auch dieser Streetscooter in der Praxis bewährt, wird sich zeigen. Es sieht aber ganz danach aus.

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