Daimler Elektrobus erobert Deutschland

Mercedes eCitaro in der Auslieferung

Foto: Daimler AG

Nun geht es Schlag auf Schlag in Sachen E-Bus-Auslieferungen: In der zweiten Januarwoche hat die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) als zweiter Kunde nach Hamburg drei Mercedes eCitaro in Betrieb genommen. Auch bei der Berliner BVG dreht ein erster Testwagen seine Runden vor der geplanten Auslieferung im Februar. Der politische Druck auf die Städte ist spürbar.

Die eCitaro für die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv), die in Mannheim und Heidelberg verkehren, werden in beiden Städten eine tägliche Laufleistung von 200 Kilometer und mehr pro Fahrzeug zurücklegen. Die maximale, systemrelevante Reichweite beträgt laut Hersteller rund 250 Kilometer. Um dies zu erreichen werden hessische Akasol Lithium-Ionen-Batterien mit NMC-Technik der ersten Generation und einer Gesamtleistung von 243 kWh die Stromversorgung übernehmen.

Das Batteriekonzept ist modular aufgebaut und unterteilt sich im ersten Schritt in zehn Module mit jeweils etwa 25 kWh. Neben sechs Batteriemodulen auf dem Fahrzeugdach, die je nach Ausstattung noch optimal "getrimmt", also örtlich angepasst werden können, nehmen vier Batteriemodule im Motorturm im Heck die Position der bisherigen Antriebskombination aus Verbrennungsmotor und Getriebe ein.

Zwischenladung im Depot erhöht Reichweite auf über 200 Kilometer

Mit seiner Ladetechnik passt sich der eCitaro den individuellen Gegebenheiten der rnv an. Vorgabe ist das Erreichen einer Laufleistung von 200 km und mehr je Fahrzeug, was allerdings nur durch einen schnellen Ladevorgang als Zwischenladungen in den Betriebspausen erreicht werden kann. In diesen Betriebspausen kommt an den Standorten Heidelberg und Mannheim jeweils ein weiterer eCitaro zum Einsatz, ansonsten wären die Anforderungen nicht leistbar. Es entspricht den Erfahrungen vieler Verkehrsbetriebe, die bereits Elektrobusse einsetzen, dass die bisherige Dieselflotte nicht in exakt gleicher Stückzahl durch Elektrobusse ersetzt werden kann.

Die Ladung erfolgt über Combo-2-Stecker. Der neue Standard ISO 15118 bietet dabei erweiterte Funktionen, die zum Beispiel die automatische Authentifikation von Fahrzeugen ohne gesonderte Ladekarte ermöglichen. Mit Hilfe der erweiterten Datenübertragung wurde von Mercedes Benz eine Funktion entwickelt, mit der die automatische Steuerung der Vorkonditionierung (Heizen des Busses vor dem Start im Depot) über den Ladestecker realisiert wird. Zusätzliche Kabel oder Leitungen für Druckluft, Niederspannung oder Kommunikation entfallen damit. Das neu entwickelte Ladegerät hat eine Leistung von bis zu 150 kW und wird mit dem eCitaro an die rnv geliefert. Damit ist aus Sicht des Herstellers die unkomplizierteste, schnellste und günstigste Variante der Stromversorgung gewährleistet. Daimler wird zu einem späteren Zeitpunkt jedoch auch Pantografen anbieten, um die Streckenladung zu realisieren.

Auch nach der Beschaffung der Busse und Ladesäulen begleitet Mercedes-Benz die rnv: Zusammen mit dem Energiemanagement-Spezialisten "The Mobility House" aus München entwickelt und implementiert Mercedes-Benz ein maßgeschneidertes Lademanagement-System. Dabei werden die Ladevorgänge so optimiert, dass sowohl die Anschlussleistung der Ladegeräte als auch die Anforderungen der Fahrzeugbatterie berücksichtigt werden. Dies ist vor allem im Hinblick auf eine zukünftige Erweiterung der elektrischen Flotte notwendig.

Gesamtpaket für den Busbetrieb geschnürt

Die Bedeutung der ersten Elektrobusse für den Daimler-Standort Mannheim erläutert Till Oberwörder, Leiter Daimler Buses, so: "Der eCitaro definiert den herkömmlich angetriebenen Omnibusverkehr neu und ist für uns Sinnbild eines zukunftsorientierten öffentlichen Nahverkehrs. Dabei ist uns ein ganzheitlicher Ansatz wichtig. Wir haben deshalb ein Gesamtpaket aus Fahrzeug, Lademanagement und Beratung geschnürt, mit dem wir den Verkehrsbetrieb bei der Elektrifizierung seines Busverkehrs unterstützen." Martin in der Beek vom Verkehrsunternehmen rnv sieht die Elektrifizierung des Omnibusverkehrs als klares Unternehmensziel: "Elektromobilität ist für uns der Inbegriff einer modernen, umweltfreundlichen und zukunftsfähigen Antriebstechnologie. Unsere Stadt¬bahnen bedienen den Nahverkehr seit über 100 Jahren elektrisch. Jetzt gilt es, das Gleiche für den Bus zu gestalten. Der eCitaro wird unserem Omnibusverkehr ein völlig neues Gesicht geben und im Verkehrsgebiet der rnv sprichwörtlich für bessere Luft sorgen."

Dr. Peter Kurz (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Mannheim und Prof. Dr. Eckart Würzner (parteilos), Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, loben das weitsichtige Engagement der rnv in Richtung "grünem Stadtverkehr". Dr. Peter Kurz: "Der ÖPNV in Mannheim steht für ein ganzheitliches Konzept aus Bus und Bahn. Jetzt auch den Bus zu elektrifizieren ist ein wichtiger Meilenstein für eine saubere Stadt und wird den Nahverkehr deutlich attraktiver machen."

Prof. Dr. Eckart Würzner: "Wir sind froh, dass die eCitaro nun da sind. In Heidelberg kann damit ab Ende Januar die erste E-Buslinie der Region - unsere Altstadt-Linie - in Betrieb gehen. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einem emissionsfreien Nahverkehr und einer klimafreundlichen Stadt. Wir hoffen, dass die Produktion dieser Busse nun richtig ins Rollen kommt."

In beiden Städten drohen zwar bisher keine Diesel-Fahrverbote, aber Mannheim – wie auch Herrenberg und Reutlingen – war im Februar vom Bund zur "Modellstadt" im Südwesten erklärt worden, in denen Maßnahmen zur Luftreinhaltung getestet werden sollen. Bundesweit gehören dazu noch Essen und Bonn.

Erste improvisierte Probefahrt bei der BVG

Auch die Berliner BVG nutzte die Gelegenheit eines ersten kurzen Tests eines eCitaro für eine improvisierte und wohl mehr politisch initiierte Vorstellung der für 2019 erwarteten 15 Mercedes-Elektrobusse, die von 15 Solaris ergänzt werden. Der Stückpreis soll laut BVG rechnerisch bei rund 600.000 Euro liegen, Daimler selbst hat bei der Vorstellung des Busses nur blumig von "Faktor 2 bis 2,5 Aufschlag" zum Dieselbus gesprochen, was sich auf 450.000 bis 550.000 Euro belaufen würde. BVG Vorstandsvorsitzende Dr. Siegrid Nikutta und die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther absolvierten mit dem Bereichsleiter Omnibus Torsten Mareck am Steuer sowie geladenen Gästen eine Runde durch die Stadt.

Die BVG will bis 2021 rund 120 Elektrobusse beschaffen, dazu noch 15 Gelenkbusse. Die von ADL georderten Doppeldecker sollen vorerst noch mit reinem Dieselantrieb laufen und sehr wahrscheinlich nicht auf dem üblichen ADL-Triebstrang basieren. Nikutta gab der regionalen Presse gleich mit auf den Weg, sie träume davon, über 200 Elektrobusse in Berlin zum Laufen zu bringen, dies werde aber gerade noch im Aufsichtsrat gesprochen. Bis 2030 will die BVG den emissionsfreien Busverkehr realisieren. Ebenso wie bei den Hamburger Hochbahn-Fahrzeugen scheint es Daimler mit dem neuen, vom Future Bus abgeleiteten Design gelungen zu sein, dem Stern seinen angestammten Platz der Bugmaske bei der BVG zu erhalten und nicht dem Unternehmenslogo zu opfern. Doch auch hierzu wird sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen sein in der Hochspannungswelt der Elektrobusse.

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