Daimler Buses Jahresbilanz

Elektrischer Kavalierstart

Foto: Daimler

Plus bei Absatz und Umsatz, eine nur leicht zurückgegangene Rendite und ein gelungener Einstieg in die Elektromobilität: 2018 war ein gutes Jahr für Daimler Buses. Wenn es nach dem neuen Chef Till Oberwörder geht, soll es so auch 2019 bleiben.

Der neue Daimler-Buses Chef Till Oberwörder hat Grund zu Freude: Daimler Buses hat im Jahr 2018 beim Absatz deutlich zugelegt und weltweit 30.900 Busse und Fahrgestelle verkauft, was insgesamt acht Prozent Steigerung bedeutet. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Komplettbussen, die sich langsam erholende brasilianische Wirtschaft sowie das Wachstum bei Stadtbussen für Indien haben hierbei maßgeblich zum guten Absatzerfolg beigetragen. Die Bus-Sparte von Daimler konnte damit die "uneingeschränkte Marktführerschaft" in ihren wichtigsten Kernmärkten EU30 (Europäische Union, Schweiz, Norwegen), Brasilien, Argentinien, Türkei und Mexiko behaupten, wobei die Märkte Argentinien und Türkei jedoch "dramatisch rückläufig waren". Die Umsatzrendite betrug aufgrund eines geänderten Produktmixes sowie eines inflationsbedingten Kostenanstiegs nur noch 5,9 Prozent (Vorjahr: 6,2 Prozent) und lag damit laut Hersteller "auf Ziel-Niveau". Auch das Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) sank leicht um 16 Millionen Euro.

Ausgehend von "weiterhin günstigen Marktbedingungen" rechnet Daimler Buses für das Jahr 2019 mit einer "deutlichen Absatzsteigerung". Insbesondere in Europa und in Indien erwartet die Bus-Sparte eine positive Absatzentwicklung. Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Geschäftsfeld eine Umsatzrendite im "Zielkorridor" von 5 bis 7 Prozent an. "Negativ dürfte sich allerdings die Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten niederschlagen", so Oberwörder.

Globale Präsenz und neue Märkte

Als Marktführer in seinen wichtigen Kernmärkten baue Daimler Buses konsequent das klassische Produktportfolio weiter aus und stärke damit das bisherige Kerngeschäft. Oberwörder erläutert: "Mit passgenauen und an lokalen Bedürfnissen ausgerichteten Produkten, einem effizienten Produktionsnetzwerk und einem kundennahen Vertrieb und Service erschließt Daimler Buses weiterhin Wachstumschancen in vielversprechenden Märkten wie Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten, Südostasien und Indien."

Dabei profitiere die Bus-Sparte von den seit 2015 in diesen Regionen eingerichteten, kundennahen Regional-Centern. Im Jahr 2018 habe Daimler Buses seinen Absatz in den Wachstumsregionen um rund 37 Prozent auf fast 7.000 Einheiten steigern können. Mit der Marke BharatBenz will Daimler von seinem Werk in Chennai (Indien) aus weitere Marktanteile in Indien gewinnen und gleichzeitig das Werk noch stärker als Export-Hub nutzen. Ein effizienter Produktionsverbund sorge dafür, dass die Bus-Sparte flexibel entscheiden könne, ob neue Exportmärkte aus Indien, Brasilien oder Europa bedient werden. 2019 werde man so 600 Citaro nach Saudi-Arabien, 500 Chassis nach Nigeria und 50 Conecto nach Marokko liefern.

Erfolgreicher Markteintritt des eCitaro

Mit dem vollelektrischen Mercedes eCitaro bietet Daimler Buses seit dem vergangenen Jahr einen lokal emissionsfreien Stadtbus für den ÖPNV in Städten und Ballungsgebieten an – erstmalig seit der Einstellung der Brennstoffzellenbus-Kleinserie im Jahr 2013. "Die Produktion des batterieelektrisch angetriebenen eCitaro läuft auf Serienniveau, das Bus-Werk in Mannheim ist lieferfähig", betont Oberwörder. Die ersten batterieelektrisch angetriebenen Serienmodelle des eCitaro als Solowagen sind seit einigen Wochen im öffentlichen Verkehr in Hamburg und Heidelberg regulär im Einsatz. Weitere Elektrobusse folgen in Deutschland in den kommenden Wochen, so zum Beispiel 15 Busse für Berlin. Auch aus den europäischen Nachbarländern liegen erste Aufträge vor, so etwa aus Südostschweden.

Auf die immer noch laute Kritik von Presse und Öffentlichkeit über den späten Start des Busbauers in die Elektromobilität sagt Oberwörder: "Insgesamt werden Elektrobusse von den Verkehrsbetrieben heute noch nicht flächendeckend nachgefragt. Dies kann damit zusammenhängen, dass die Umstellung eines konventionellen Bus-Fuhrparks auf den E-Antrieb und die notwendige Infrastruktur sehr viel aufwändiger sind als geplant. Die Nachfrage nimmt zwar schrittweise zu, wir könnten aber noch mehr liefern". Derzeit befülle man die Produktionssysteme für den Herbst 2019. Auf eine weitere Kritik ist der Konzern sehr schnell eingegangen: Um die geringe "systemrelevante Reichweite" mit Heizung oder Klimatisierung auf 170 Kilometer zu erhöhen (bisher 110 bis 150 Kilometer) sind statt der bisher maximal lieferbaren 10 Batteriemodule nun auch 12 Module bestellbar, die dann eine Gesamtkapazität von 293 kWh aufweisen. Hierzu liegen bereits Bestellungen von Kunden vor.

Parallel zu den Auslieferungen in Deutschland fahren mehrere eCitaro in wenigen Tagen nun auch schon zu Standorten und Vertragspartnern von Daimler Buses in Luxemburg, Italien, Frankreich und Polen. Dort sollen sie die ÖPNV-Verantwortlichen vor Ort auf deren eigenen Verkehrslinien von ihren Qualitäten und der Praxistauglichkeit überzeugen.

Brennstoffzelle als Range Extender ab 2022

"Da die Entwicklung der Batterietechnik schnell voranschreitet, ist beim eCitaro eine Umstellung auf die künftige Batterietechnik bereits konzeptionell vorgesehen", erläutert Oberwörder die bisher für den Konzern höchst ungewöhnliche elektrische Kommunikationsstrategie. Ab 2020 erfolge der optionale Einsatz künftiger Festkörperbatterien (LPM oder Lithium-Polymer-Chemie), die besonders langlebig aber nicht schnellladefähig sein sollen. Etwas zeitversetzt, und somit später als bisher angekündigt, folgt die nächste Generation der schnellladefähigen NMC-Lithium-Ionen Batterien des hessischen Zulieferers Akasol, die eine bis zu 30 Prozent höhere Kapazität bieten sollen. Darüber hinaus wird die Reichweite des eCitaro ab 2022 nochmals durch einen Range-Extender in Form einer kleinen Brennstoffzelle zur Stromerzeugung gesteigert, mit der dann eine Reichweite von rund 400 Kilometer erreicht werden soll. Schon 2019 gebe es auf Kundenwunsch Modelle zum Schnellladen via Pantograf, und im 2. Quartal 2020 – zeitgleich mit dem Gelenkbus – auch eine invertierte Version des Schnellladers.

Über den Stadtbusbereich hinaus reicht der laut Oberwörder "unbändige Gestaltungswille" der Daimler-Mannschaft jedoch immer noch nicht hinaus: "Mit Blick auf die Langstrecke sind wir ebenso klar: Hier sehen wir auf absehbare Zeit noch keinen elektrischen Antrieb, sondern weiterhin hocheffiziente Diesel-Aggregate," wiederholt der Manager das Credo der deutschen Busindustrie.

Strategische Zusammenarbeit mit IVU

Neben der systematischen Zusammenarbeit mit anderen Daimler-Geschäftsfeldern setzt Daimler Buses künftig verstärkt auf eine strategische Zusammenarbeit mit Partnern. Neue Sichtweisen und zusätzliches Know-how zu Technologien und Services sollen so generiert werden. Solche Kooperationen erlauben es außerdem, dass die Bus-Sparte ihre Produkte noch stärker auf die Bedarfe von neuen Märkten und Kunden abstimmt und Innovationen schneller auf den Markt gebracht werden.

Zu diesen Kooperationen zählt die schon auf der IAA kommunizierte mit dem US-Busbauer Proterra ebenso wie die neu geschlossene mit dem Softwarespezialisten IVU, mit dem man gemeinsam Softwarelösungen für Betriebsleitsysteme von Betreibern entwickelt. Zu diesem Zweck beteiligt sich Daimler an dem Unternehmen mit rund 5 Prozent des Kapitals.

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