Daimler Buses-CEO im Interview

Rapide Entwicklung der Batterietechnologie

Foto: Daimler AG

Till Oberwörder über seine ersten Tage als Chef von Daimler Buses, die Unternehmensstrategie in Bezug auf die Batterietechnologie und alternative Antriebe im Reisebus.

Herr Oberwörder, wie fühlen Sie sich nach rund 150 Tagen als neuer Leiter von Daimler Buses?

Oberwörder: Es macht sehr viel Spaß, mit einem so hochmotivierten und jungen Team zu arbeiten. Außerdem gefällt mir die Geschwindigkeit, mit der man Dinge angehen kann. Das ist aus meiner Sicht ein Busspezifikum. Das liegt nicht nur an unseren kleineren Teams. Durch das unternehmerische Gen vieler Kollegen entwickelt sich sehr schnell eine gewisse „Can do"-Atmosphäre, in der Dinge mit viel Umsetzungsstärke selbst in die Hand genommen und angegangen werden. Auch die globale Kooperation mit den Vertriebs-Regionen in der ganzen Welt ist hervorragend.

Sind Sie auch mit den letzten Ergebnissen auf der Vertriebsseite zufrieden?

Oberwörder: Ja, durchaus. Beim Absatz liegen wir im ersten Halbjahr drei Prozent im Plus, auch mit dem Auftragseingang sind wir zufrieden. Dabei sind wir vor allem beim Absatz von Chassis sehr stark im ersten Halbjahr, unser Mix der Gattungen hat sich also etwas verschoben. Insgesamt haben wir eine sehr stabile Situation, obwohl man sicher sehen muss, wie sich die Märkte weiterentwickeln.

Kaufen die Städte jetzt noch schnell vermehrt Euro 6-Diesel oder worin ist der Boom begründet?

Oberwörder: Aus meiner Sicht liegt das daran, dass die Städte nicht nur die Emissions-Regularien erfüllen, sondern auch aus Lärmschutzgründen die Flottenerneuerung vorantreiben. Natürlich wird das jetzt immer deutlicher in Richtung Elektro gehen. Im Jahr 2030 sehen wir bereits rund 70 Prozent elektrifizierte Fahrzeuge, wie Sie wissen. Auch die Nachfrage nach unserem Citaro hybrid steigt kontinuierlich. In dieser Übergangsphase sehen wir eine eng getaktete, aber durchaus ruhige Schrittfolge als sehr wichtig an. Dies zeigt auch unsere Elektrostrategie, da jetzt einige Kommunen Ausstiegsdaten für den Diesel kommuniziert haben. Wir beschäftigen uns ja schon seit über 25 Jahren mit alternativen Antrieben und haben immer intensiv daran gearbeitet. Aber der Weg zur emissionsfreien Mobilität besteht nicht aus kleinen Projekten mit einzelnen Fahrzeugen, sondern aus der Produktion und dem Verkauf von Serienmodellen mit einer kompletten Beratung dazu. Das wird heute von den Kunden viel besser verstanden. Immerhin stehen sie vor ähnlichen Herausforderungen bei dem Thema, das ja auch wirtschaftlich funktionieren muss. Das darf man bei allen technischen Errungenschaften nicht vergessen.

Das betrifft ja vor allem die Batterietechnologie, was haben wir da zu erwarten von Mercedes-Benz? Und wie kann der Kunde damit umgehen?

Oberwörder: Ja, die Entwicklung der Batterietechnologie stellt sich so rapide und schnell dar, dass wir bewusst sehr früh kommuniziert haben, welche Technologie wir wann auf den Markt bringen wollen. Der Grund dafür ist, dass wir wissen, wie hoch die Investitionen bei den Kunden sein werden und diese müssen natürlich planbar sein. Die Kompatibilität vieler Schritte in der Batterieentwicklung ist durchaus gegeben, das halte ich für eine sehr elegante Lösung, die Sie mit dem „Plug-and-Play"-Ansatz vergleichen können. Das ist ein wenig so wie beim Hausbau: nicht immer setzt man gleich auf die finale Ausbaustufe, sondern plant mehrere Anbauten, die dann natürlich passgenau sein müssen. Das Feedback der Kunden auf die erste Batteriegeneration, für die wir ja bewusst über eine „systemrelevante Reichweite" von rund 150 Kilometern sprechen, ist sehr positiv, zumal damit schon rund 30 Prozent der Linien bedient werden können. Der Ansatz ist aus unserer Sicht vernünftig, da man heute noch nicht genau wissen kann, welche Entwicklung die Batterietechnologie in den nächsten Jahren in Sachen Kapazität aber auch Kosten nehmen wird.

Wann denken Sie an alternative Antriebe im Reisebus? Hier scheint sich wenig bis nichts zu tun derzeit.

Oberwörder: Ich verstehe Ihre Frage nach den nächsten Technologieschritten sehr gut. Aber die Wirtschaftlichkeit ist ein wesentlicher Faktor, den man beachten muss, ebenso muss man sicher auch über Maßnahmen wie das Shutteling von Hubs außerhalb der Stadt mit elektrischen Stadtbussen nachdenken. Zweitens schauen wir uns alle Technologien weiterhin an, und die Indikation, die unsere für 2022 angekündigte Brennstoffzelle als Rangeextender für längere Strecken hat, wird uns helfen, zu verstehen, ob eine Brennstoffzelle auch für dieses Thema eine alternative Lösung sein kann. Wichtig ist, dass man die technologische und wirtschaftliche Bewertung dieser Schritte nicht ignoriert und dann zur richtigen Zeit auch auf den Markt kommt.

Wann wird man das volldigitale Cockpit des Actros im Bus sehen können?

Oberwörder: Im Blick auf eine langfristige Entwicklung ist es wichtig, den Schritt in die Digitalisierung zu gehen, da sich die Aufgaben des Fahrers durch die Digitalisierung ständig erweitern. Nehmen Sie als Beispiel nur die Remote-App, die es dem Fahrer erleichtert, seine Abfahrtskontrolle durchzuführen und zu dokumentieren. Den Weg werden wir weiter gehen. Wann das neue Cockpit aber im Bus kommt, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen.

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