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Dachser und Memo auf der letzten Meile

Lastenräder rechnen sich nicht nur fürs Image

Dachser, Lastenrad Foto: Dachser

Ob für Logistiker wie Dachser oder Versandhändler wie Memo: Der Einsatz von Lastenrädern auf der letzten Meile bewährt sich.

An das Dachser-Logo auf Lkw sind Logistiker-Augen gewöhnt. Doch in Stuttgart, Tübingen und Freiburg dürfte sich manch einer die Augen reiben: Denn in den baden-württembergischen Städten prangt das Logo immer öfter auch auf Lastenrädern. Seit März 2016 beschäftigt sich der Logistikdienstleister im Rahmen seines Projekts „City Distribution“ mit innovativen und nachhaltigen Geschäftsmodellen zur Innenstadt-Belieferung. „Das Ziel ist unter anderem, die erhöhte Schadstoff- und Lärmbelastung durch den Lieferverkehr zu reduzieren“, erklärt Stefan Hohm, Corporate Director der Dachser-Sparte Corporate Solutions, Research & Development, gegenüber trans aktuell.

E-Cargobikes sind ein Baustein der sogenannten City Distribution-Toolbox, zu der auch der Einsatz von E-Lkw und Hybriden gehört. „Lastenräder ermöglichen zum Beispiel Anlieferungen in der Fußgängerzone und die Fahrer benötigen keinen spezifischen Führerschein, sodass auf diesem Gebiet keine Fahrerknappheit herrscht“, erklärt Hohm. Momentan arbeitet Dachser ausschließlich mit dem Radlogistiker Velocarrier aus Tübingen zusammen. „Das Feedback von Kunden und Öffentlichkeit ist hervorragend.“ Die Kunden zeigen laut Hohm Verständnis für die Spezifika bei der Be- und Entladung der Lastenräder und fragen nach einem verstärkten Einsatz, da die Transporte gut zu den jeweiligen Nachhaltigkeitsstrategien passen. Auch bei den Stadtbewohnern kommen die Pedelecs demnach gut an. „Das wirkt sich insgesamt positiv auf das Image der Logistik aus“, sagt Hohm. Entsprechend plant Dachser, in Karlsruhe, Köln, Ulm und Berlin ebenfalls Lastenräder auf die Straße zu schicken.

Dieselben Güter, die auch sonst transportiert werden

Vor allem die einfache Handhabe überzeugte das Unternehmen aus Kempten im Allgäu vom Konzept Lastenrad. „Wir transportieren per Lastenrad dieselben Güter, die auch sonst im Dachser-Stückgutnetz transportiert werden“, erklärt Hohm. Das Cargobike fasse eine Palette mit 250 Kilogramm Ware.

Beim Öko-Versandhändler Memo aus Greußenheim, der ebenfalls seit zwei Jahren aufs Lastenrad setzt, ist es ähnlich: „Alles, was paketfähig ist, wird per Lastenrad transportiert. Ausgenommen sind somit zum Beispiel Möbel“, erklärt Memo-Logistikvorstand Frank Schmähling. Das Unternehmen arbeitet in Berlin mit dem Lieferdienst Velogista zusammen und hat die Lastenrad-Zustellung kürzlich auf die Städte Frankfurt am Main und Stuttgart ausgeweitet. In Frankfurt liefert „Sachen auf Rädern“ die Ware aus, in Stuttgart – wie bei Dachser – Velocarrier.

„Wir sehen in der Belieferung mit Elektro-Lastenrädern eine praktikable Lösung, um Menschen, Umwelt und Klima zu entlasten“, sagt Schmähling. Im vergangenen Jahr lieferte Memo in Berlin 10.500 Pakete per Lastenrad aus. „Langfristig streben wir diese Zahl auch in anderen Großstädten und Ballungsgebieten an“, sagt Schmähling. Lastenräder wirken laut Memo einigen Problemen auf der letzten Meile entgegen: Durch das Laden mit 100 Prozent Ökostrom fahren sie komplett emissionsfrei, Abgase reduzieren sich komplett, Lärm „drastisch“. Weil die Lastenrad-Fahrer die Busspur und die Fahrradwege nutzen und Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung befahren dürfen, erfolge die Zustellung häufig schneller als auf dem herkömmlichen Weg.

Die Radlogistiker wie Velocarrier stimmen den Zustelltermin direkt mit den Kunden ab. Daher liege die Erstzustellungsquote bei rund 96 Prozent. Bei herkömmlichen Paketdienstleistern betrage sie lediglich rund 86 Prozent. Einen Nachteil von Lastenrädern nennt der Versandhändler, der schwerpunktmäßig Büroartikel ausliefert, dennoch: Die Radlogistik sei „etwas teurer“ als die konventionelle Auslieferung per Paketdienst. „Im Sinne unserer Verantwortung nehmen wir die höheren Kosten jedoch in Kauf und geben diese bisher nicht an unsere Kunden weiter“, erklärt Schmähling.

Bund fördert den gewerblichen Gebrauch

Damit sich wenigstens die Anschaffungskosten für Lastenräder reduzieren, fördert der Bund den Kauf für den gewerblichen Gebrauch. Private Unternehmen, Freiberufler, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser oder Kommunen können beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) einen entsprechenden Antrag stellen. Das Bafa unterstützt die Anschaffung elektrisch angetriebener Lastenfahrräder, Lastenanhänger mit elektrischer Antriebsunterstützung oder eines Gespanns aus Rad und Anhänger – mindestens eine der beiden Komponenten sollte demnach allerdings über einen Elektro- Antrieb verfügen.

Das Mindest-Transportvolumen muss einen Kubikmeter und die Nutzlast mindestens 150 Kilogramm betragen. Elektro-Räder und -Anhänger, die vor allem Personen befördern – wie zum Beispiel Rikschas – fallen nicht unter diese Förderung. Sie gilt auch nicht für E-Lastenräder und -Anhänger, deren Transportfläche als Verkaufsstand genutzt wird, etwa zum Getränkeverkauf. Und auch vor dem 29. November 2017 abgeschlossene Kaufverträge fallen nicht darunter.

Die Fördersätze belaufen sich auf 30 Prozent der Anschaffungskosten, maximal jedoch auf 2.500 Euro pro Lastenrad, Anhänger oder Gespann. Bekommt der Antragsteller den Förderbescheid, muss er das Rad innerhalb von sechs Monaten anschaffen. Leider gilt die sogenannte Kleinserien-Richtlinie erst, wenn das Haushaltsgesetz 2018 bewilligt ist.

Die Richtlinie in Kürze

Wer fördert? Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa)

Für wen gilt es? Private Unternehmen, Freiberufler, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser, Kommunen

Was wird gefördert? Die Anschaffung von E-Schwerlastenfahrrädern und Schwerlastenanhängern mit elektrischer Antriebsunterstützung für den fahrradgebundenen Lastenverkehr; 30 Prozent der Anschaffungskosten, maximal 2.500 Euro pro Lastenrad, Anhänger oder Gespann

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