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Citylogistik

Projekt Smile in Hamburg

KEP-Dienst liefert Paket an Privatempfängerin ab Foto: PER KASCH

Bitte lächeln: Mit dem Projekt Smile will die Hansestadt als Modellregion durchstarten – für bessere Luft und mehr Verkehrsfluss.

Hamburg will mit dem Projekt Smart last Mile Logistics (Smile) dafür sorgen, dass die Lebensqualität in der Elbmetropole erhalten bleibt. Die Stadt will sich damit für bessere Luft, weniger Lärm und mehr Verkehrsfluss einsetzen. Ziel ist es, zu einer europäischen Modellregion für nachhaltige und belastungssenkende Transporte zu werden.

Parkhaus als Mikro-Hub

Doch wie soll das vonstattengehen? Es bedarf neuer und effizienter Konzepte. "Wir wollen Smile in die urbane Mobilität und Logistik einbauen – also mit dem Projekt intelligente Verkehrssysteme vernetzen. Bislang wurde das immer getrennt gedacht", erläutert Hans Stapelfeldt, Manager der Logistik-Initiative Hamburg (LIHH) für Intelligent Transport Systems (ITS). Die Erkenntnis: Mit einem Gesamtkonzept für die Stadt ist es nicht getan. Das heißt, Privatwirtschaft und öffentliche Hand wollen unter Federführung der LIHH gemeinsam entwickelte Leuchtturm-Projekte implementieren, über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren erproben und abschließend bewerten.

Dazu gehört etwa das Mikro-Hub-Konzept, das der Paketdienst UPS 2015 in der Innenstadt von Hamburg gestartet hat. Es ist in Deutschland der erste große und erfolgreiche Test eines Logistikkonzepts mit Lastenfahrrädern in der Paketzustellung. Es gilt heute schon als wegweisend für andere deutsche Städte, aber auch international. In den USA ist es beispielsweise als "Hamburger Modell" bekannt. In Hamburg diskutieren die beteiligten Partner derzeit, wie sich das Mikro-Hub-Konzept ausweiten lässt. Angedacht ist, Parkhäuser oder sonstige Immobilien zu nutzen, weil ausgeschlossen ist, dass jeder Paketdienst seinen eigenen Container irgendwo in der Stadt abstellt.

2017 haben die Verantwortlichen der LIHH die Ideen für Smile erarbeitet, die 2018 konzeptionell festgeschrieben werden sollen. "2019 werden wir sie umsetzen, erst dann wird so richtig etwas zu sehen sein", erläutert Werner Gliem, LIHH-Clustermanager und Sprecher der Geschäftsführung. Ansatz dabei ist, eine Vielfalt von Lösungen auf die Struktur der Stadt und ihre Stadtteile anzupassen. Denn Neubaugebiete weisen andere Spezifika auf als ältere, gewachsene Stadtteile.

Verantwortliche Bezirke überzeugen

Wo neu gebaut wird, können von vornherein Mikro-Hubs oder Paketkästen eingeplant werden. "In Hamburg ist das das Quartier Neue Mitte Altona – hier wollen wir natürlich unsere Ideen einbringen", ergänzt Stapelfeldt. Bei Bestand ließen sich leerstehende Gebäude oder Räume umwidmen. Hier gilt es, die verantwortlichen Bezirke davon zu überzeugen, neue Mikro-Hubs einzurichten.

Im Rahmen von Smile ist zudem vorgesehen, alternative Zustellpunkte einzurichten, um wiederholte Zustellungen zu vermeiden. Paketdienste sollen möglichst alle Sendungen beim ersten Zustellversuch liefern können. So kann beispielsweise ein flächendeckendes Netz von Paketboxen, das die KEP-Dienste kooperativ nutzen – auch in Wohngebieten oder beim Einzelhandel –, eingesetzt oder Annahmestellen in Unternehmen eingerichtet werden. Es gilt, gemeinsam mit den Hamburger Bürgern herauszufinden, wo sich weitere Abholpunkte praktischerweise befinden sollen – also in U- und S-Bahnhöfen, zentralen Bushaltestellen oder in Universitäten. Möglich ist auch die Zustellung in den Kofferraum von Privatfahrzeugen – hier sind VW, BMW oder Volvo Vorreiter.

Smile will sich dafür einsetzen, dass noch mehr Lieferdienste auf alternative Antriebe umstellen. Paketdienste sind hier bereits weit: Sie setzen zunehmend Elektrofahrzeuge und Lastenfahrräder ein – bis Ende 2019 wollen sie in der Hansestadt vollständig emissionsfrei zustellen. In dem Bereich der größeren Fahrzeuge sind alter­na­tive Antriebe bislang rar oder noch nicht verfügbar.

Bestehende Infrastruktur intelligenter nutzen

Vorstellbar ist aber, künftig den großen stationären Handel und Restaurants mit LNG/CNG-angetriebenen Lkw zu beliefern – auch nachts, da sie keinen Lärm erzeugen. "Die bestehende Infrastruktur kann auch intelligenter genutzt werden", sagt Stapelfeldt. So ließen sich etwa Transportboxen oder Rollcontainer zu Paketshops in S-Bahn-Stationen befördern oder Busse als Sammel­trans­por­ter für Retouren einsetzen. Mit Fleet-Schiffen könnten aus City-Hubs in Hafengebieten Restaurants beliefert oder Müll entsorgt werden.

Die KEP-Dienste selbst testen bereits Paketroboter oder Drohnen. Vorstellbar ist außerdem, Rohrpostsysteme zu bauen – insbesondere in den neuen Quartieren der Stadt. Bei allen Aktionen geht es darum, die Beteiligten noch besser miteinander zu vernetzen, die Bezirke für Pilotprojekte zu gewinnen und weitere dienstleisterübergreifende Mikro-Hubs zu designen. "Smile ist ein agiles Projekt, das wir stetig weiterentwickeln", betont Gliem. Zwar hat es längst eine breite Basis und Akzeptanz bei allen Partnern sowie das Go vom Bürgermeister und Senat bekommen. "Uns fehlen jetzt noch die gemeinsamen Projekte mutiger Unternehmen, Bürger und Quartiere, die das Ganze mit Leben füllen", ergänzt Stapelfeldt.

Deshalb haben sich die Akteure der LIHH im ersten Quartal dieses Jahres mit einer Art Road­show auf den Weg in die Bezirke und Quartiere gemacht, um zu erörtern, welche Konzepte sich in den verschiedenen Stadtteilen am besten realisieren lassen. Der Informationsbedarf ist laut den Experten groß. "Viele haben sich darüber noch gar keine Gedanken gemacht, weil sie den Bedarf nicht sehen", sagt Gliem.

"Es ist jetzt unsere Aufgabe, alle wachzurütteln und mit unseren Lösungen aufzuwarten", fügt LIHH-Manager Stapelfeldt hinzu. Ziel ist es, in den kommenden ein, zwei Jahren weitere sogenannte Reallabors aufzubauen und verschiedene Systeme auszuprobieren. Die könnten dann langfristig – wo sinnvoll – in der ganzen Stadt zu ihrem Einsatz kommen.

Last-Mile-Logistics Hamburg

  • Eine von der Hamburg School of Business Administration (HSBA) durchgeführte Studie untersucht das Modellvorhaben des UPS-Mikro-Hub-Konzepts.
  • Die Idee, innerstädtische Zwischenlager zu erproben, geht auf ein Pilotprojekt des Paketdienstes UPS im Jahr 2012 zurück.
  • Dabei werden Depot-Container morgens per Lkw an ihren Abstellort gebracht, die Boten verteilen von dort aus die Pakete zu Fuß und mit Lastenfahrrädern.
  • Das Hamburger UPS-Projekt ist in Deutschland der erste große und erfolgreiche Test eines Logistikkonzepts mit Lastenfahrrädern in der Paketzustellung.
  • Das Modell war als temporäre Lösung konzipiert, daher wird empfohlen, zügig in den Prozess der Suche neuer Standorte für potenzielle Mikrodepots einzutreten.
  • Mögliche Optionen bilden hier unter anderem Flächen in Parkhäusern, Haltestellen des Nahverkehrs oder im Bereich der Wasserstraßen.
  • Zudem sollen neutrale Zustell- oder Abhollösungen gefördert, innovative Verwahrlösungen integriert sowie der bestehende Ordnungsrahmen gestrafft werden.
  • Erfolgversprechende Maßnahmen gilt es in Modell-Quartieren wie der "Neuen Mitte Altona" oder dem Entwicklungsgebiet Schleusengraben in Bergedorf zu erproben.

Hanse Globe geht an Hermes

  • Hermes Germany erhält für sein Projekt "Urban Blue" den Hanse Globe 2018.
  • Das Ziel ist, bis 2025 in allen 80 deutschen Großstädten Pakete und Sendungen emissionsfrei zuzustellen.
  • Im Fokus steht, die Verkehrsdichte sowie die Emission von Schadstoffen und Lärm nachhaltig zu reduzieren und so die Lebensqualität in urbanen Räumen zu erhalten.
  • Dazu setzt der Logistikdienstleister vor allem auf elektrisch angetriebene Transporter und Cargobikes.
  • Bis 2020 will Hermes bis zu 1.500 Elektrofahrzeuge bundesweit einsetzen.
  • Bereits im November hat die Pilotphase begonnen, in der ab sofort rund 50 E-Fahrzeuge getestet werden.
  • Im Zuge dessen ist auch ein Ausbau des Hermes Paketshop-Netzwerks und die Schaffung neuer Mikrodepot-Lösungen geplant.
  • Bereits 2016 wurde zudem die Zustellung mithilfe von teilautonomen Lieferrobotern getestet.
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