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City-Logistik mit dem Lastenrad

Kooperation auf der Letzten Meile

KEP-Dienst Velogista auf der Letzen Meile Foto: Velogista

Der Gründer des Radogistikers Velogista Martin Seißler tüftelt an einem Start-up für die Zusammenarbeit in der KEP-Zustellung.

Derzeit kochen viele Beteiligte auf der letzten Meile ihr eigenes Süppchen. Klima­freundliche Liefersysteme zu entwickeln, ist die Passion von Martin Seißler. 2014 hatte er ­Velogista gegründet, einen Fahrradlieferdienst (aka Radlogistiker) in Berlin, der mittlerweile sehr erfolgreich auf der letzten Meile tätig ist. Die Spezialität von Velogista ist es, Güter aller Art zu bündeln und per Lastenrad mit Elektromotor und großer Ladefläche an Unternehmen im Berliner S-Bahn-Ring auszuliefern, egal, ob es sich um eine komplette Europalette oder um Waren mit bis zu 250 Kilogramm Gesamtgewicht handelt.

Zu viele Parallelstrukturen

Den innerstädtischen Transportverkehr zu revolutionieren, hat sich Seißler auf die Fahne geschrieben. Mit Velogista gelingt ihm das bislang nur zum Teil. Um noch mehr zu bewirken, ist der ehemalige Finanzmanager nun bei Beam, einer Firma, die Start-ups bei der Konzeptfindung unterstützt und die ­Seedphase finanziert – also den ersten Abschnitt im Lebenszyklus des ­Unternehmens. Beam agiert im Auftrag der Beumer Group, die für große KEP-Dienste Paketverteilzentren baut. „Ich entwickle ein Start-up, das die Kooperationsbarrieren zwischen allen Playern der letzten Meile einreißen soll“, erläutert Seißler. Dafür hat er seine Funktion als Geschäftsführer bei Velogista aufgegeben, bleibt aber Gesellschafter.

Seiner Ansicht nach gibt es zu viele nicht effizient funktionierende Parallelstrukturen, die sehr viel Manpower brauchen. Seißlers Ansatz ist es, Mitarbeiterstunden effizienter einzusetzen, ohne dass dadurch Arbeitsplätze wegfallen. „Man fragt sich ja ohnehin, wo die vielen Fahrer herkommen sollen, die den wachsenden KEP-Markt noch zuverlässig beackern können“, sagt er. Die Zahl der Sendungen steigt und steigt. Sie werden immer kleiner und schneller beziehungsweise punktgenauer. Mit dem derzeitigen Konzept der Verteilzentren und einer einzigen Tour in die Innenstadt könne keiner mehr punktgenau landen.

„Die Citylogistik muss verändert werden, vieles muss Hand in Hand passieren“, betont er. Nur dann lassen sich die Kunden auch weiterhin zufriedenstellen. Als Erstes will Seißler ein Austauschportal einrichten, das klar regelt, welche Dienstleistung wie vergütet wird, damit die Beteiligten nicht jedes Mal neu verhandeln müssen. „Es muss festgelegt sein, wer wann haftet und wie jeder Einzelne beweisen kann, dass er eine Sendung zu einem bestimmten Zeitpunkt in ordnungsgemäßem Zustand an den Nächsten übergeben hat“, fügt er hinzu.

Alle Akteure einbeziehen

Seißler will herausarbeiten, welche Lösungen es bereits gibt und wie sie sich als Komponenten in ein größeres Ganzes einbinden lassen, um die Kosten auf der letzten Meile zu senken. Von Anfang an will er alle Akteure der letzten Meile einbeziehen. „Denn ohne ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr Feedback kann ich ja gar nicht wissen, ob mein Konzept funktionieren kann“, erläutert er. Dazu gehören Terminalbetreiber, Händler und E-Commerce-Anbieter ebenso wie die großen Paketdienste und kleinere Player wie beispielsweise Velogista oder andere Liefer- und Kurierdienste.

„Will jemand nicht mitmachen, werden Übergabestellen eingerichtet, wo wir etwa ein neues Label auf einer Sendung aufbringen, falls es nicht möglich sein wird, ein Label zu generieren, dass alle nutzen“, sagt Seißler. Ziel sei es, an verschiedenen Stellen die Effizienz zu verbessern. Voraussetzung ist, allen Beteiligten eine gute Datenqualität zur Verfügung stellen zu können. Es soll zunächst ein min­imal funktionsfähiges Produkt (MVP) entstehen, das in einer Modellstadt mit fünf, sechs Partnern startet. Sie sollen die ersten Ideen ausprobieren und für sich Vorteile generieren. Seißler: „Sind dann praktische, technische oder rechtliche Schwierigkeiten bekannt, werden wir weiter optimieren.“

Und Seißler schlägt auch leicht den Bogen zurück zur Radlogistik: Es werde mehr Mikrohubs geben, und damit werde sie zunehmend in den Fokus rücken. „Je näher man an die Empfänger ranrückt, desto mehr lassen sich die spezifischen Vorteile des Rades nutzen wie Führerscheinfreiheit oder die Möglichkeit, andere Wege zu nehmen“, ist Seißler überzeugt. In drei bis fünf Monaten will der Logistiker das fertige Konzept der Geschäftsleitung präsentieren. „Kann ich sie überzeugen, gründe ich ein Unternehmen, das mit etwas Kapital ausgestattet wird, damit ich ein Modellgebiet etablieren kann.“

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