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CEO Ewald Raben baut eigenes Netzwerk aus

Solo-Tour geglückt

Die neue Deutschlandzentrale in Mannheim ist offiziell eingeweiht und Ewald Raben hat weitere Pläne, das Netzwerk der Raben Gruppe in der Bundesrepublick zu erweitern.

Das neue Bürogebäude der deutschen Landesgesellschaft von Raben liegt direkt am Mannheimer Rheinufer. Ewald Raben, CEO der Gruppe, muss sich von seinem Schreibtisch aus nur umdrehen, um die gemächliche Fahrt der Binnenschiffe den Rhein hinauf zu verfolgen. Ob er dafür allzu viel Zeit hat, ist fraglich. Seit Mai führt er nach dem Weggang von Daniel Rösch zusätzlich die Geschäfte von Raben Trans European Germany.

32 Standorte umfasst das deutsche Netzwerk inzwischen – 29 eigene Stückgutniederlassungen und 3 Logistikstandorte sowie rund 10 Partnerstandorte. „Um solch ein Netzwerk aufzubauen und zu betreiben, braucht man auch die entsprechende Philosophie – ein solches Netzwerk ist mehr als nur ein Konglomerat von Niederlassungen“, sagt Raben zu den Managementvoraussetzungen. Erst im Jahr 2005 hatte der niederländische Unternehmer den Schritt auf den deutschen Markt gewagt. „50 Prozent aller unserer internationalen Sendungen gingen nach oder kamen von Deutschland“, erläutert Raben. Deutschland mit seinen 80 Millionen Konsumenten löse künftig Polen als den bislang wichtigsten Markt der Raben-Gruppe ab. Der Aufbau eines eigenen nationalen Netzes sei deswegen eine vordringliche Aufgabe gewesen, sagt Raben gegenüber trans aktuell.

80 bis 100 Millionen Euro investiert

Rund 80 bis 100 Millionen Euro hat der Unternehmer nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren in den Aufkauf von Firmen, Anlagen und Gebäuden investiert, um ein eigenes deutsches Stückgutnetzwerk aufzubauen. Die Bilanz nach den ersten sechs Monaten? „2017 waren wir noch in sieben Kooperationen Mitglied“, sagt Raben, „und bereits im ersten Halbjahr 2018 haben wir ganz allein die Qualität der Zustellung für unsere Kunden um acht Prozent gesteigert.“ Und er fügt hinzu, dass er mit der Zahl aber bei Weitem noch nicht zufrieden sei.

„Der Stückgutmarkt wird langfristig zwischen wenigen Anbietern aufgeteilt“, sagt Raben, wobei er Anbieter mit eigenem Netz klar im Vorteil sieht. „Eine Kooperation ist immer nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette“, sagt er. Eine starke Fluktuation und instabile Leistungen kennzeichneten die derzeitige Kooperationssituation. Zudem sei es schwierig, im Rahmen einer Kooperation wesentliche Innovationsschritte zu machen, etwa im Hinblick auf die Vorhersage einer erwarteten Anlieferzeit.

3.600 EDI-Verbindungen gewechselt

Die Solo-Tour hat dem Unternehmen Raben aber auch einiges abverlangt. Sechs Standorte mussten sich komplett neu in das Raben-Netzwerk integrieren, 3.600 EDI-Verbindungen mussten gewechselt, 20 Prozent der Postleitzahlen neu geroutet und 774 Linienverbindungen geändert werden. „Aber alles ist sauber gelaufen, es gab keinen Bruch“, sagt Ewald Raben.

Der Ausbau des eigenen Netzwerks ist weiterhin Thema Nummer eins. Bis 2020 soll es insgesamt 32 eigene Stückgutstandorte geben. Depot Nummer 30 ist das Unternehmen TGL Transport Logistik aus Schüttorf in Niedersachsen, das Raben vom Firmenverbund The Greenline Nellen & Quack erworben hat.

Personalsituation überall prekär

Daneben steht Raben aber auch vor weiteren Herausforderungen wie dem Fahrermangel. „Teilweise haben wir das Problem über das Gehalt der Fahrer gelöst, die damit einen Anreiz haben, bei uns zu bleiben“, sagt Raben. Dass die Personalsituation so prekär ist, sieht er auch als Folge des geringen Gehalts der Fahrer in der Vergangenheit. „In Holland ist der Verdienst eines Lkw-Fahrers traditionell sehr viel höher. Würden wir in Deutschland alle den Lohn erhöhen, hätten wir auch mehr Fahrer.“ Auch in Polen und Tschechien sei das Personalproblem „ein Albtraum“. In der Ukraine gebe es bereits annähernd ähnliche Probleme.

Gegensteuern könnte man dem Kapazitätsproblem laut Ewald Raben etwa mit dem verstärkten Einsatz des Lang-Lkw – mehr Ladung in weniger Fahrzeugen, sodass auch weniger Fahrer benötigt würden. Bevor das Unternehmen Raben sich hier engagiere, müssten allerdings die politischen Rahmenbedingungen geändert werden, Streckenbegrenzungen sowie das Verbot des Transports von Gefahrgut aufgehoben werden und die Fahrt auch über EU-Grenzen hinweg möglich sein. Bis dahin werde Raben sein Transportequipment anderweitig umstellen. „Mehr City-Liner, also kleine und wendige Kurzsattel“, um etwaige Fahrverbote für Diesel-Lkw in den deutschen Großstädten zu umgehen.

Digitalisierung betrifft ganze Gruppe

Das Thema Digitalisierung hingegen greift über die ganze Gruppe. Über eine zentrale EDI-Lösung sind laut dem CEO einheitliche Statuscodes über alle Landesgesellschaften hinweg möglich, die Kommunikationsplattform myraben.com ermögliche zudem ein internationales Reporting. In Polen hat der Logistikdienstleister ein Pilotprojekt für einen papierlosen Straßentransport gestartet, und in den Niederlanden, Ungarn und Rumänien laufen Tests für ein ETA-System, das über die Zustellung innerhalb eines Zeitrahmens von zwei Stunden informiert und das zum 1. Januar 2019 ausgerollt werden soll.

Aber auch politisch ist Raben aktiv und will erreichen, dass die EU-Vorschrift zur Verbringung der wöchentlichen Ruhezeit wieder liberalisiert wird. Zusammen mit einem Großspediteur aus Ungarn sei er deswegen schon zweimal in Brüssel vorstellig geworden.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
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