Bus-Blog zur Bus2Bus

Berliner Start-up

Foto: Thorsten Wagner
Meinung

Die zweite Bus2Bus Kongressmesse ist vorbei – Zeit, eine ehrliche Bilanz zu ziehen. Besucherzahlen hin oder her: Braucht Deutschland eine kleine Busmesse und wäre die nicht besser dran, wenn sie weniger verbandslastig wäre? Immerhin, nur jede dritte Messe schafft in Deutschland eine zweite Auflage.

Der musste ja kommen! Andreas Scheuer, aktuell immer wieder umstrittener Verkehrsminister, verbindet mit dem Thema Bus vor allem seine Flegeljahre in der Schule, in denen er zu den "coolen Jungs in der letzten Reihe im Schulbus" gehörte. Er wollte kein Besserwisser sein, der dem Fahrer im nahenden Rentenalter erzählt, wie er seinen Job ohne hilfreiche elektronische Assistenten noch besser macht. "Ich hatte immer ein Grundvertrauen in den Busfahrer," flachste der Minister, der seit langem zu den verlässlichsten Unterstützern des bdo zählt, bei der Eröffnungsrede in Halle 25 der Berliner Messe, nachdem ihm Verbandspräsident Karl Hülsmann gehörig die Leviten gelesen hatte.

Von den "leidvollen Erfahrungen" der letzten PBefG-Novelle über staatliche Drangsalierung der Eigenwirtschaftlichkeit "schlimmer als im Sozialismus" bis hin zum vorliegenden europäischen "Mobility Package", in dem wieder einmal der Bus bei Entscheidungen zum Transportwesen hinten herunterzufallen drohte, die vor allem auf den Lkw und dessen Lenker zugeschnitten sind. Letztere Gesetzes-Kuh ist erstmal vom spätwinterlichen Eis, das Parlament hat das Papier nebst mannigfacher Änderungsanträge an das Direktorat TREN zurückverwiesen, um den Kuddelmuddel anständig und sachgerecht zu entwirren. Im schlimmsten Fall (oder ist es der beste?) muss sich nach dem 29. Juni ein neu gewähltes EU-Parlament mit dem Konvolut befassen.

Scheuers Bühne als Busfan

Scheuer zeigte sich leicht genervt ob des verbandstypisch aufgeblasenen Wunschkatalogs und verweist auf das sich schnell schließende Zeitfenster in Brüssel. Bei der nächsten Bus2Bus gäbe es dann sicher genug Gründe, ihn und sein Ministerium auch einmal etwas zu loben, hoffe er. Schließlich investiere man neun Milliarden Euro alleine in den ÖPNV, fördere die Nachrüstung von rund 7.000 Bussen mit modernen SCR-Katalysatoren und habe schon 19 von 50 Anträgen zur Förderung von 700 Elektrobussen bewilligt. "Am Geld soll es nicht liegen!"

Sein wohlfeiles Bekenntnis zum Bus als einen "Garant für den Klimaschutz" sollte aber nicht verhindern, dass eine Woche später die Arbeitsgruppe des Ministeriums zum Thema krachend scheiterte. Natürlich musste auch der Erfolg der Fernlinien oder besser gesagt, DER quasimonopolistischen deutschen Fernlinie Flixbus mit traumhaften Steigerungen im Fahrgastaufkommen selbstlobende Erwähnung finden, gepaart mit einem gebetsmühlenartigen und artig beklatschtem Bekenntnis gegen eine Busmaut ("Wird es mit mir nicht geben!").

Dass auch diese Freigabe der Fernlinien 2013 ein eher mauer Kompromiss war, an dessen vereinzelten Bausteinen der erzwungenen Barrierefreiheit vor allem die Busunternehmen bis heute knabbern und den Mobilitätseingeschränkten nur bedingt etwas bringen (man denke an den versteckten, aber richtigen Disclaimer von Flixbus auf der Website, dass der Fahrer Rollstühle ohne die entsprechende DIN-Norm ablehnen muss!), haben die meisten Anwesenden schon längst wieder vergessen oder geflissentlich verdrängt.

Kampagnen müssen klotzen, nicht kleckern

Und bei der Mitgliederversammlung des bdo, zu der sich rund 600 Teilnehmer angemeldet hatten, backte man eher kleine Brötchen und beschloss eine Budgetaufstockung mit der "unter anderem Maßnahmen für die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit durch den Mittelstand angestoßen werden sollen." Ziel sei es, "zentral gesteuert durch den bdo" neue Vorlagen für Werbemittel zu erstellen, die allen Mitgliedsunternehmen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Klingt eher unspannend.

Warum nicht eher eine großangelegte Kampagne fahren, die klar die Vorteile und Herausforderungen des Berufs Busfahrer/-in herausstellt? Es muss ja nicht gerade eine Scheuer-Kampagne mit leichtbekleideten und durchtrainierten Models aller drei Geschlechter sein. Freundlich lächelnde Menschen, die ihresgleichen gerne von A nach B befördern und dabei noch Spaß am Beförderungsmittel haben, sollten durchaus reichen – und damit das ständige, voreilige Gerede von autonomen Bussen endlich in die nötigen Schranken verweisen.

Kleine Messe mit digitalisiertem Anspruch

Außer verbandlicher Spesen also nichts gewesen? Wer sich an den ersten beiden Tagen in der sehr überschaubaren Messehalle 25 umsah (die neue Halle nebenan war noch nicht fertig, sie liegt eben auch in Berlin), der konnte selten über Überfüllung klagen. Am dritten Tag, der neu eingerichtet wurde und auch für 2021 wieder angekündigt ist, konnten die Veranstalter froh sein, dass wenigstens die meisten Beiträge des Future Forums nicht der gähnenden Leere preisgegeben wurden. Diese entspann sich jedoch in einem schier unerträglichen Beitrag eines jugendlichen Berliner Pop-Philosophen nebst ungeeignetem Podium zum Thema Ethik der Mobilität. Aber der Ehrenrettung halber: Es waren durchaus auch sehr gewinnbringende fachliche Vorträge zu hören. Wenn man sie denn sorgfältig auswählte.

Viel zu sehen war von den vorab schon Berlin-typisch gehypten jungen Start-ups außer dem inszenierten Pitching im Future Forum ohnehin nicht zu sehen. Man sollte nochmal überdenken, ob der sehr moderne und sicher zeitgemäße Ansatz nicht besser zu vermitteln wäre – zum Beispiel mit einem Ridehaling für die Messe, deren Erreichbarkeit so manchen Besucher vor kleine bis mittlere Herausforderungen stellte (wie so manche Eigenart der Organisation und des Caterings). Am Ende präsentierte sich die zweite Bus2Bus als eine sehr konventionelle und sehr kleine Messe, die viele Hersteller und Zulieferer mit mehr oder weniger Engagement befeuert haben – hervorzuheben sind VDL und MAN als Förderer der ersten Stunde. Ob sich Daimler mit seinem weniger als beherzten Stand einen Gefallen getan hat, sei dahin gestellt. Nichts zu zeigen wäre da vielleicht besser gewesen!

Fusion mit der Elekbu nochmal überdenken

Überhaupt sollten die Verbände bdo und VDV mal über ihren eigenen interessengeleiteten Schatten springen und nochmal über eine Berliner Fusion der beiden Kongress-Messen Bus2Bus und Elekbu nachdenken. Bisher schieben die Verantwortlichen noch die unterschiedlichen politischen Orientierungen vor. So weit liegen die Themen und Anliegen aber doch gar nicht auseinander! Sicher, die Politik wird immer etwas im Wege stehen und die Struktur der beiden Verbände ist in vielerlei Hinsicht grundverschieden. Aber hey! Lieber eine erfolgreiche und volle Messe mit ordentlichem medialen Widerhall (und damit ist nicht die gutgeölte Marketingmaschine im Vorgang der Messe gemeint) und fruchtbaren Diskussionen als zwei mittelgroße Events, auf denen sich die Verbände vor allem selbst bespiegeln.

Immerhin gaben sich die belgischen Macher der Busworld, Mieke und Luc Glorieux die Ehre und besuchten das ferne Berlin. Angst werden sie nicht wirklich bekommen haben. Die Vorbereitungen für Brüssel liefen "hervorragend", man zeigte sich tiefenentspannt. Die nächste Ausgabe der Busworld könnte noch deutlicher zur bedeutendsten Busmesse der Welt werden.

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