Blockade in Calais

Verbände laufen Sturm

Foto: ClaraNila/Fotolia

Die Verbindung Großbritannien-Frankreich ist gekappt. Streikende Seeleute haben laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) den Fährhafen in Calais mit brennenden Barrikaden blockiert.

Am Dienstag machten die Seeleute demnach die Zufahrt zum Eurotunnel im französischen Coquelles dicht. Aktuell stünden darum tausende Lkw beiderseits des Ärmelkanals still. In England werden die Lkw laut BGL von den Ordnungsbehörden auf den Standstreifen der Autobahnen geparkt, ohne Verpflegungsmöglichkeiten oder sanitäre Einrichtungen. Besonders chaotisch seien die Zustände auf französischer Seite. Laut dem Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) haben sich in Calais bereits in der Vergangenheit Hüttensiedlungen gebildet, in denen Flüchtlinge auf eine illegale Passage nach England warten. Werde ein Lkw nicht ausreichend bewacht, schlichen sich die Flüchtlinge an Bord. Schon seit Jahren setze man daher Atemluftkontrollen und Röntgenaufnahmen ein, um illegale Einwanderer aufzuspüren.

Prekär für Fahrer und Spediteure: Wer mit Flüchtlingen an Bord erwischt wird, gilt schnell als Schleuser und Menschenschmuggler und muss mit harten Strafen rechnen. Nun, so der VVWL, sei die Situation jedoch eskaliert. Die Hemmungen fielen demnach von den Flüchtlingen ab, sodass sie sich nicht mehr heimlich versteckten, sondern Lkw regelrecht entern. Menschen umzingeln demnach Lkw, brechen Ladetüren und Staukästen auf und werfen zur Not Ladung auf die Straße, falls der Platz im Lkw nicht ausreicht. Wehre sich ein Lkw-Fahrer, werde er massiv bedroht. Anfragen der Verbände bei den französischen Behörden endeten lediglich in Versprechungen. "Die langen Wartezeiten und die unhaltbaren Zustände verursachen bei den betroffenen Transportunternehmen erhebliche zusätzliche Kosten", so der BGL. Diese erreichten existenzbedrohliche Ausmaße. "Die Fahrer dürfen nicht als schwächstes Glied in der Kette dazu missbraucht werden, dass im Europa des 21. Jahrhunderts eine Flüchtlingskrise einfach weiter ignoriert werden kann", so der VVWL. 

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