BGL-Umfrage

Keine Wertschätzung für Fahrer

Foto: BGL
Meinung

Mehr als 4.000 Fahrerinnen und Fahrer haben an der Online-Umfrage des BGL teilgenommen. Die mangelnde Wertschätzung der Menschen am Steuer von Lkw ist einmal mehr einer der zentralen Gründe, weswegen der Beruf immer unbeliebter wird.

Zum Schluss wollten sie es noch einmal selber wissen: Am 20. Juni trafen sich der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier, Jens Pawlowski, Berliner Repräsentant des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), zusammen mit dem Geschäftsführenden Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT), Sebastian Lechner, auf dem  Autohof Wernberg an der A 93. Nach dem Ausflug auf die Raststätte Frechen war es das zweite Treffen, bei dem sich auch Bundestagabgeordnete an der BGL-Umfrage beteiligt haben.

4.022 Fahrerinnen und Fahrer haben teilgenommen

Besonders erfreut ist der BGL über die hohe Beteiligung von 4.022 Fahrerinnen und Fahrern – Stand 21. Juni. Nun werten die Mitarbeiter des BGL die vielen Antworten aus. Für den Branchenverband war es vorrangig, herauszufinden, wie sich die Fahrerinnen und Fahrer zum Thema Freizeit am Wochenende positionieren. Nach der ersten Abstimmung des Europäischen Parlaments über den aus seiner Sicht nicht tragbaren Vorschlag des eigenen Verkehrsausschuss (TRAN) zum Mobilitätspaket will der BGL die Zeit bis zum 4. Juli nutzen, um auch die Ansicht der Fahrer einzubringen. Deren wichtigste Aussagen: vier Prozent halten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für unmöglich, 36 Prozent bewerten sie als kaum möglich, 50 Prozent als eingeschränkt möglich und nur zehn Prozent haben damit keine Probleme.

Sind die Lenk- und Ruhezeiten flexibel genug?

Einige Vorschläge von EU-Kommission und die Vorschläge des TRAN sowie mehrere Hundert in der Folgezeit eingebrachte Änderungsvorschläge wollen unter anderem die bisherige Taktung der reduzierten und regelmäßigen Wochenruhezeit aufweichen, Gewerkschafter, Politiker und Verbände aus Westeuropa halten das zum Teil für eine Katastrophe. Die zweite zentrale Frage des BGL lautete daher: "Halten Sie die bestehenden Regelungen zu Lenk- und Ruhezeiten für ausreichend flexibel? Und finden Sie diese Regel für sich persönlich praktikabel?" 50 Prozent der Fahrer beantworteten sie mit Nein, 40 Prozent mit Ja, zehn Prozent wussten es selber nicht so genau. Ich schätze, dass die deutschen Fahrer, die vom Problem des sogenannten wochenlangen Nomadentums auf westeuropäischen Autobahnen nicht wirklich betroffen sind, mit der Wochenruhezeit selber keine großen Probleme haben, eher aber mit den starren Vorgaben zu den täglichen Lenk- und Ruhezeiten, die im Zuge von Staus und Zeitfenstertaktung immer mehr zu einer Belastung werden, was sich auch an den zuletzt verfügbaren Kontrollzahlen des BAG erkennen lässt.

Detaillierte Auswertung der Fahrerbefragung folgt 

Eine detaillierte Auswertung der Umfrage mit einer Einschätzung durch den BGL wird spätestens in FERNFAHRER 9/2018 folgen. Bis dahin sind einzelne Kommentare hervorzuheben, die das Selbstbild der Fahrerinnen und Fahrer sehr gut wiedergeben: "Das Leben findet nur innerhalb von 45 Stunden statt. In diese Zeit auch noch eine Familie unterzubringen beziehungsweise aufzubauen, ist mehr als nur ein Kraftakt."

"Durch die festgelegten Ruhezeiten kommt es hin und wieder vor, dass ich wenige Kilometer vor meinem Wohnort eine Zwangspause einlegen muss und so erst am Samstag nach Hause kommen kann, da ich sonst meine Lenkzeit überschreite. Das schränkt die wenige Zeit mit meiner Familie nochmals ein."

"Bei Problemen in der Abfertigung beim Kunden und vor allem durch ständige Verzögerungen im Verkehr wären begrenzte Ausweitungen der Tageslenkzeiten bei streng geregelten kurzfristigen Ausgleich flexibler."

"Vor allem die Verkehrssituation führt immer wieder dazu, dass Lenkzeiten zu Staustandzeiten werden. Um eine Heimkehr oder die Anfahrt zum gewünschten Rastplatz öfter zu ermöglichen, ist mehr Flexibilität dringend notwendig."

"Paletten sollten nicht getauscht werden. Wir geben gute ab und bekommen Schrott zurück."

"Palettentausch gehört abgeschafft. Ich wünsche mir mehr BAG-Kontrollen an den Be- und Entladestellen sowie Strafen für Betriebe bei zu langen Wartezeiten."

"Auf den Strecken gibt es zu wenig benutzbare Toiletten. Teilweise herrscht sogar ein Verbot der Toilettenbenutzung für Fahrer beim Kunden."

"Dreckige Parkplätze, für die auch noch Geld verlangt wird, sind ein Ärgernis. Autohöfe sollten ihre Monopolstellung nicht missbrauchen dürfen. Hier ist leider alles überteuert. Mehr Sicherheit an öffentlichen Parkplätzen wäre auch sehr wünschenswert."

Logistiker, hört die Signale

Eins steht schon jetzt fest: Alle Beteiligten an den vielfältigen Logistikketten sollten sich klar sein, dass sich vor allem der Umgang mit den Fahrern auf allen Ebenen schnell ändern muss, wenn sich der Mangel an motivierten und qualifizierten Berufskraftfahren nicht noch weiter verschärfen soll. Auf die Frage "Haben Sie den Eindruck, dass dem Beruf des Kraftfahrers eine angemessene Wertschätzung entgegengebracht wird?" gaben etwa 94 Prozent der Befragten an, nie oder selten eine angemessene Wertschätzung für ihren Beruf zu erfahren. Damit ist eine angemessene Anerkennung für ihren Beruf und die geleistete Arbeit der mit Abstand größte Wunsch der Befragten.