Bei 200 Kilo ist Schluss

Dachser dämpft Erwartungen beim Lastenrad

Foto: Dachser

Der Lastenradanteil im Stückgutnetzwerk wird 0,5 Prozent der Tonnage nicht überschreiten – so die Prognose von Dachser-Chef Bernhard Simon.

Dachser-Chef Bernhard Simon warnt vor zu großen Hoffnungen im Zusammenhang mit Elektro-Lastenrädern. „Man darf den Lastenradanteil im Netzwerk nicht überbewerten“, betont er im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell. „Er wird nicht mehr als 0,5 Prozent der Gesamttonnage ausmachen.“

Sinnvoll ist der Einsatz des Lastenrads seiner Ansicht nach in Kommunen, die mit erheblicher Luftverschmutzung tun kämpfen haben. „In diesen sensiblen Gebieten können elektrisch unterstützte Lastenräder, in der entsprechenden Frequenz eingesetzt, eine bedeutsame Rolle spielen, indem sie Kleinsendungen, aber auch palettierte Ware bis 200 Kilogramm befördern“, erläutert Simon.

Dachser betreibt in Stuttgart ein emissionsfreies Liefergebiet

In Stuttgart beispielsweise ist das Lastenrad Teil des Distributionskonzepts von Dachser. Das Unternehmen hat dort ein vier Quadratkilometer großes emissionsfreies Liefergebiet eingerichtet. Auf andere Städte lässt sich dieses Konzept – ein Zusammenspiel von Elektro-Lkw, Micro-Hub und Lastenrad – aber nur bedingt übertragen. „Die Bedingungen in den belasteten Städten sind nie völlig identisch, weshalb wir unser Konzept immer den Gegebenheiten vor Ort anpassen“ sagt Bernhard Simon. „Dachser hat dazu eine Toolbox entwickelt – also einen Koffer, der für jede Stadt das passende Werkzeug bereithält.“ Die Unterschiede beginnen demnach bei den Verordnungen und gehen bis zur Geo- und Topografie. Zu prüfen seien darüber hinaus zahlreiche Logistik- und Infrastruktur-­Gegebenheiten.

Wirtschaftlichkeit des Lastenrads gilt es zu prüfen

Auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit dämpft Simon die Erwartungen. „Wirtschaftlich ist das Ganze nur dann, wenn man vorher sehr genau die Verkehrsgebiete analysiert, sich die Stopphäufigkeit sowie die Empfänger- und Warenstruktur anschaut und berücksichtigt, dass bei Paletten mit 200 Kilogramm Schluss ist“, berichtet er.

Sinnvoll für Dachser sei wie in anderen Bereichen auch die Zusammenarbeit mit Partnern – im Fall von Stuttgart mit dem Anbieter Velocarrier. Der Lastenradeinsatz benötige entsprechende Expertise. „Das macht man nicht im Nebenjob“, betont Dachser-CEO Simon. „Es gibt spezialisierte Unternehmen, die durch Bündelung von Verkehren eine hohe Frequenz erzielen und auch über den benötigten Fahrerpool verfügen“, erläutert er. Daher setze Dachser in diesem Bereich auf Kooperation.

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