Batteriehersteller Akasol legt Bilanz vor

Hessischer Global Player

Foto: Akasol

Der Darmstädter Batteriehersteller Akasol AG hat nach seinem Börsengang im Juni 2018 in Frankfurt erstmals Bilanzzahlen vorgelegt.

Den Umsatz von 21,6 Mio. in 2018 will das Unternehmen, das ein Orderbuch von 1,5 Mrd. Euro vorweisen kann, kurzfristig auf 60 Mio. Euro steigern. Mittlerweise müsse man sogar Großaufträge ablehnen, so CEO Sven Schulz, dessen Familienfirma noch Mehrheitseigner der expandierenden Firma ist. Die Reichweite der bisher verkauften Batteriekapazität in Bus-Kilometer gibt Akasol mit rund 16 Mio. Kilometer, oder 400 Mal um die Erde an.

Die Umsatzsteigerung, die Finanzvorstand (CFO) Carsten Bovenschen in der eleganten Frankfurter Villa Kennedy vorstellen konnte, betrug gegenüber 2017 stolze 49,1 Prozent. Der um die Kosten für den Börsengang (ca. 6 Mio. Euro, davon 2,7 Mio. Euro als Kosten absetzbar) bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) konnte auf 1,7 Mio. Euro gesteigert werden, was eine ebenfalls bereinigte Rendite von 8,1 Prozent bedeuten würde. Die Cash Position ist durch den Zufluss von rund 100 Mio. Euro auf 21,9 Mio. gewachsen, was aber noch keinen positiven Cash-Flow bedeutet, der mit 10 Mio. im Minus liegt und dies auch noch eine Weile tun werde, so der Finanzchef. Diese Mittel verwende man nicht, „um Schulden abzubauen oder den Abzug von Cash zu realisieren, sondern um Wachstum zu finanzieren“, so CEO Schulz. „Wir sind mit diesen Mitteln extrem sorgsam unterwegs,“ ergänzt sein CFO, der zuvor rund 45 Analysten Rede und Antwort stand. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs 2018 von 91 auf 154, seit der Jahreswende sind schon wieder so viele hinzugekommen, dass man derzeit die 200er Marke überschritten habe. Nach eigenen Angaben sei man nach Umsatz „der größte europäische Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien für Nutzfahrzeuge“.

US-Standort vor der Entscheidung

Dabei wurden rund 80 Prozent des Umsatzes im Ausland und nur unter 20 Prozent im Inland gemacht. Auf den Zukunftsmarkt USA, wo man in Kurzem den Standort der angekündigten Produktion verkünden will, fahre man bereits sechs Prozent des Umsatzes ein. Hier hofft man auf eine Förderung des Bundeslandes, das den Zuschlag erhalten wird, und hat so den geplanten Invest bereits von 30 Mio. auf 10 bis 20 Mio. zurückgenommen.

Der Börsengang hat das Unternehmen, das 1990 als studentischer Verein zur Entwicklung eines Solar-Rennmobils gegründet wurde, den Eigenkapitalanteil des Unternehmens auf 88,4 Prozent katapultiert, laut Bovenschen eine „relativ komfortable Eigenkapitalquote“. Trotzdem sind nur rund 40 Prozent der Aktien in Streubesitz, hier wünsche man sich langfristig mehr. Der Entwicklung des Aktienkurses, der laut CEO Schulz „in keiner Weise die gute Performance des Unternehmens abbilde“ und zudem sehr überrascht habe, hatte sich bis Ende Februar vom Ausgabekurs von 50 Euro auf bis zu 30 Euro verringert, dann jedoch eine deutliche Kehrwende eingelegt und sei auf über 40 Euro gestiegen, alleine am Tag der Bilanzzahlen zeitweise um rund fünf Prozent.

Erste Großprojekte sind auf der Spur

Die Aufträge von Großkunden wie Daimler Buses und Volvo, für die man Trucks und Busse mit Batterien beliefert, seien alle im Plan nach der Aussage von Schulz. „Das kann nicht jeder Lieferant von sich sagen, aber wir haben unseren Beitrag geleistet,“ sagt er. Daimler hat 2018 die Produktion seines elektrischen Stadtbusses eCitaro mit den NMC-Batterien der ersten Generation begonnen und wird 2020 schon auf die 2. Generation wechseln, die rund 30 Prozent mehr Energie speichern kann. Volvo hat erst vor Kurzem einen Großauftrag für Busse und Lkw bis 2023 platziert, hier kommen direkt die Module der 2. Generation zum Einsatz. Anders als Daimler ist Volvo allerdings mit der Kommunikation der Herkunft der Batterien sehr zurückhaltend.

Auch die dritte Generation mit Rundzellen steht schon in den Startlöchern und soll bei Akasol selbst bereits 2021 zur Verfügung stehen, ein Einbaudatum bei einem Hersteller gibt es aber noch nicht. Prototypen-Projekte laufen zudem mit Iveco, MAN und dem asiatischen Hersteller Hyundai, die eine erste Charge von 50 Batterien zur Ergänzung ihrer Brennstoffzellentrucks geordert haben.

Pilotprojekt für Schnellladestationen für Pkw

Ein weiteres spannendes Projekt für einen deutschen Pkw-Hersteller mit „sehr hoher Dynamik“, so Schulz, seien netzunabhängige Schnelladestationen mit Batterien für den öffentlichen Raum, an denen jeweils bis zu vier Pkw intelligent geladen werden können (2x100 kW, 2x11 kW Ladeleistung). „Hier geht es allerdings um so große Stückzahlen, dass wir aufpassen müssen, dies umsatzseitig stemmen zu können,“ zeigt sich Schulz demütig als Chef eines doch relativ kleinen Unternehmens. „Wenn das Thema zu hektisch wird, müssen wir überlegen, ob wir das wirklich machen können. Wir haben vor dieser Dynamik einen sehr großen Respekt.“ Der ebenfalls eifrig geführten Diskussion um einen deutschen Batteriecluster erteilt er zudem eine Absage. Zwar sei eine Zellfertigung „schon aus logistischen Gründen notwendig“, aber ob dies nun ein deutscher oder ein anderer Hersteller sei, spiele nur eine untergeordnete Rolle.

Mit Akasol-Batterien schon 400 Mal um die Erde

Auch die Pläne für die neue Zentrale in Darmstadt seien voll im Plan: Mitte 2020 will man auf dem rund 22.000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen US-Kelley-Barracks die neue Firmen-Zentrale sowie eine weitere Fertigungslinie errichten. Derweil wird die Kapazität in Langen von derzeit 100 Batteriesystemen pro Woche auf 150-170 im Drei-Schicht-Betrieb ausgebaut. „Insgesamt werden wir bis 2020 dann eine Kapazität von 800 MWh Batteriekapazität produzieren können, das ist also fast schon eine hessische Gigafactory,“ schwärmt Sven Schulz in Anspielung auf die Pläne von Tesla mit Panasonic. Der Zellhersteller ist derzeit einer der wenigen, mit denen die umtriebigen Hessen nicht kooperieren. Immerhin könne man mit der bisher schon gelieferten Batterie-Kapazität von rund 3.000 Systemen 400 Mal die Erde im Stadtbus umrunden. Und das bei eher konservativ bemessenen 1,5 kWh pro Kilometer!

Ein aktuelles Interview mit Sven Schulz zur IAA 2018 finden Sie hier.

Den vollständigen Geschäftsbericht der Akasol AG finden Sie hier.

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