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Automobilclub will Abschaffung von Dieselprivileg

Österreich: Brenner ächzt unter Zahl der Lkw

Lkw auf dem Brenner Foto: Thomas Küppers

2019 sind dreimal so viele schwere Lkw über den Brenner in Österreich gefahren wie über alle Schweizer Alpenpässe. Der Verkehrsclub Österreich fordert daher unter anderem eine EU-weite Lkw-Mindestmaut.

Nach Angaben des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) habe eine Analyse von aktuellen Daten des Schweizer Bundesamts für Verkehr gezeigt, dass seit dem Jahr 2010 die Zahl der Lkw über die Schweizer Alpenpässe um ein Viertel zurückgegangen, die Zahl der Lkw-Fahrten über den österreichischen Brenner aber im gleichen Zeitraum um ein Drittel zugenommen habe.

Ursache: Route über den Brenner ist billiger

Allein 2019 seien damit über den Brenner bereits dreimal so viele Lasten- und Sattelzüge wie über alle Schweizer Alpenpässe zusammen gefahren. Als Grund dafür nennt der VCÖ die Tatsache, dass die Route über den Brenner billiger als über die Schweiz ist. Der Automobilclub fordert daher eine Lkw-Mindestmaut in der EU und die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel.

„Der Schweiz ist gelungen, was sich die Anrainer entlang von Österreichs Transitrouten seit vielen Jahren wünschen: Die Zahl der Lkw-Fahrten hat deutlich abgenommen“, sagt VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Der Schweiz sei es durch politische Maßnahmen gelungen, die Zahl der Lkw um rund ein Viertel zu reduzieren, während über den Brenner die Belastung um ein Drittel stieg.

Erhebliche Veränderungen zum Jahr 2010

Im Jahr 2010 wurden an den Schweizer Pässe noch 1,07 Millionen Transit-Lkw gezählt, über den Brenner 1,85 Millionen. Die Zahl der Lkw über die Schweizer Alpenpässe im Jahr 2019 sei um 41.000 auf 808.000 zurückgegangen, weitere 90.000 waren kleinere Lastwagen über 3,5 Tonnen. Zum Vergleich: Über den Brenner fuhren im Vorjahr 2,4 Millionen Lkw und damit 47.000 mehr als im Jahr 2018.

Zwar sei infolge der Covid-19-Pandemie auch in Österreich im ersten Halbjahr der Lkw-Verkehr zurückgegangen. Aber der VCÖ befürchtet, dass wie bei der Finanzkrise vor zehn Jahren die Rückgänge des Lkw-Verkehrs ohne strukturelle Änderungen nur kurzfristig sind. Umso wichtiger sei es, dass sowohl Österreich als auch die EU Maßnahmen setzen, damit nachhaltig die Belastungen durch den Lkw-Verkehr reduziert werden, sagt Schwendinger.

Keine Steuerbegünstigungen, höhere Mautgebühren

Österreich könne durch die Abschaffung der Steuerbegünstigung auf Diesel und eine Reduktion der Toleranzgrenze beim Überschreiten von Tempolimits dazu beitragen, die Transitbelastung reduzieren. Auf der EU-Seite fordert der VCÖ-Experte statt der bestehenden Höchstmaut eine Lkw-Mindestmaut, die so wie in der Schweiz auch die durch Abgase und Lärm verursachten Schäden inkludieren soll. Denn eine niedrige Lkw-Maut in Italien und Deutschland führe auch zu mehr Transit-Lkw in Österreich. Auch die Reduktion qualvoller Lebendtiertransporte durch Europa ist auf EU-Ebene voranzutreiben, betont der VCÖ. Zudem sollten sektorale Fahrverbote in der EU erleichtert werden.

Mehr Güter auf die Schiene

„Wenn Güter auf der Schiene transportiert werden können, ist der freie Warenverkehr gewährleistet. Darüber hinaus braucht es einen Paradigmenwechsel. Die Gesundheit der Bevölkerung und das Erreichen der Klimaziele müssen Vorrang vor dem Prinzip des freien Warenverkehrs bekommen“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest.

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Jan Bergrath Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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