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Antwort auf den Fachkräftemangel

Transco qualifiziert Führungskräfte

Foto: Matthias Rathmann

Der Logistikdienstleister Transco startet eine Qualifizierungs-Offensive. Ziel ist es, die Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden.

In Zeiten des Fachkräftemangels braucht es – wie der Name sagt – Fachkräfte. Es braucht aber auch qualifizierte Führungskräfte, die die Mitarbeiter fördern. Denn auch die beste Ausbildung bringt nichts, wenn die Mitarbeiter ihre Stärken nicht einsetzen können. Das gilt für Speditionskaufleute – ob sie nun in der Abfertigung, der Disposition oder im Vertrieb tätig sind – ebenso wie für Fahrer und Lagermitarbeiter oder für Akademiker, etwa Absolventen von Logistik-Studiengängen.

Die fachliche Kompetenz ist das eine. Das andere ist ein Rahmen, der Raum zur Entfaltung lässt. Auch dort sind Führungskräfte gefragt. Denn Konflikte oder Konkurrenzdenken ersticken die Motivation der Mitarbeiter und hemmen ihre Kreativität. Mit der nötigen Empathie und Erfahrung erkennen Führungskräfte auch solche Situationen und wissen, wo sie ansetzen müssen, um den Teamgeist zu (re)aktivieren und damit die Leistung zu erhöhen.

Transco analysiert mit 180-Grad-Fragebögen die Führungsqualifikationen

Qualifizierte Führungskräfte sind also Gold wert. Hier setzt auch die Weiterbildungs-Offensive des Logistikdienstleisters Transco aus Singen an. Mit einem 180-Grad-Feedbackbogen analysiert das Unternehmen in Kooperation mit der Lobraco Akademie aus Dernbach im Westerwald derzeit die Führungsqualifikationen der ersten und zweiten Management-Ebene.

„Um uns weiterhin erfolgreich entwickeln zu können, benötigen wir hoch qualifiziertes Personal“, erklärt Geschäftsführer Christian Bücheler im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell. Nicht nur der Fachkräftemangel schlage zu, auch die Nähe zur Schweiz mit einem deutlich höheren Lohnniveau wirkt sich auf Unternehmen im deutschen Grenzgebiet ungünstig aus. „Nur über die Bezahlung können wir die Mitarbeiter nicht halten, es braucht Add-ons“, sagt Bücheler. Unter die Rubrik Add-on fallen etwa kostenlos angebotene Äpfel oder Getränke wie Wasser oder Kaffee. Darunter fallen auch kostenfreie Sportkurse oder die Nutzung eines Fitnessraums, der in der Zentrale in Singen gerade geplant und eingerichtet wird. Ferner erleichtert Transco seinen Mitarbeitern seit Neuestem die Nutzung von Fahrrädern und E-Bikes und übernimmt dabei Versicherung und Inspektionen.

Christian Bücheler: Unsere Mitarbeiter sind nur so gut, wie sie geführt werden

Doch zurück zur Qualifizierung: Auch sie wirkt sich motivierend auf die Mitarbeiter aus und trägt zur Bindung an das Unternehmen bei. Denn wer gefördert wird, sieht das in der Regel als Wertschätzung an und fühlt sich wohl. Dass der Fokus im ersten Schritt auf den Führungskräften liegt, hat seinen Grund. „Dahinter steht die Erkenntnis, dass unsere Mitarbeiter nur so gut sind, wie sie geführt werden“, erläutert Christian Bücheler, der selbst an der Erhebung teilnimmt.

Die Führungskräfte bewerten sich zum einen selbst, zum anderen werden sie durch ihre zugeordneten Mitarbeiter und durch ihren Vorgesetzten beurteilt. Die Beurteilung erfolgt anonym. Aus diesem Abgleich leiten sich mögliche Weiterbildungsmaßnahmen ab. Innerhalb des vielseitigen Feedbackbogens klopft Transco ab, wie es zum Beispiel um Entscheidungs-, und Kommunikationsqualitäten der Führungskräfte bestellt ist oder wie sie Konflikte meistern, Mitarbeiter motivieren oder sich durchsetzen können.

Transco-Chef Bücheler: Wir stellen ein erhebliches Budget zur Verfügung

Nach der Auswertung wird der Schulungsbedarf ermittelt. „Hier ergibt sich ein weites Feld an Themen – seien es Kurse zur Information und Kommunikation, zum Entscheidungsverhalten, zur Teambildung oder zum Lösen von Konflikten“, sagt Tania Mel Alvarez, Prokuristin und verantwortlich für Personalthemen. Die Schulungsangebote sollen dann nächstes Jahr in Anspruch genommen werden. Transco plant für diesen Bereich bedeutende Investitionen. „Wir werden ein erhebliches Budget zur Verfügung stellen“, kündigt Bücheler an, ohne eine genaue Summe zu nennen.

Der Unterschied zum bisherigen Schulungskonzept besteht darin, dass Transco nun noch gezielter und individueller qualifizieren will. Die bisherigen Weiterbildungsthemen wie Business English, Rhetorik oder Präsentationstechniken werden auch weiterhin angeboten.

Foto: Matthias Rathmann
Sicher unterwegs: Transco hat einen Fuhrparkkoordinator als Ansprechpartner für die Fahrer eingestellt, dadurch haben sich die Schäden reduziert.

Quasi immer am Ball bei der Qualifizierung ist das Unternehmen bei den Azubis. Sie wechseln alle sechs Monate die Abteilung. Die jeweiligen Rotationsphasen sind genau strukturiert: Für jede Abteilung wurden Lernziele definiert und es finden regelmäßige Azubi-Gespräche statt, in welchen der Lernfortschritt besprochen wird. Die Azubis des dritten Lehrjahres können zum Ende ihrer Ausbildung nach Interesse und Neigung einen Wunsch äußern, in welcher Abteilung sie übernommen werden möchten. „Wir versuchen, sofern es uns möglich ist, diesem Wunsch nachzukommen“, sagt Personalreferentin Miriam Schnell. Zurzeit prüft sie, ob das Unternehmen interessierten und geeigneten Azubis ab dem zweiten Lehrjahr einen ausbildungsbegleitenden Bachelor-Studiengang in Kooperation mit dem Steinbeis-Zentrum in Stockach anbieten kann, der im September startet.

Dass das Personalthema für Firmenchef Bücheler derzeit an erster Stelle steht, zeigt sich auch an Miriam Schnell, die seit November bei Transco ist und sich hauptverantwortlich um die Personalentwicklung kümmert. Kurz vorher hatte Bücheler eine weitere wichtige Personalentscheidung getroffen und einen Fuhrparkkoordinator eingestellt. „Seine Aufgabe ist es im Wesentlichen, sich der Fahrer und ihrer Themen anzunehmen“, sagt Geschäftsführer Bücheler. Die ersten Erfolge hätten sich bereits nach wenigen Monaten eingestellt: Die Schäden seien zurückgegangen, die Fluktuation lasse nach und die Zufriedenheit der Fahrer sei gestiegen. Denn angesichts der Schwierigkeiten, Fahrer zu finden, sei es umso wichtiger, sie ans Unternehmen zu binden. Auch das ist ein wichtiger Schritt in Zeiten des Fachkräftemangels.

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