Anreize für alternative Antriebe

Daimler fordert CO2-basierte Maut

Foto: Matthias Rathmann

Daimler Trucks-Vorstandschef Martin Daum fordert deutliche Anreize für alternative Antriebe. Beim Thema LNG engagiert sich Daimler nicht.

Der Fahrzeugbauer Daimler wird als möglichen Beitrag zum Klimaschutz keinen LNG-Lkw auf den Markt bringen. „Das ist eine Verschwendung von Mitteln, die wir lieber in den Elektro- und Brennstoffzellenantrieb stecken“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Daimler Trucks, Martin Daum, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Stuttgart auf Nachfrage der Fachzeitschrift trans aktuell. Beim Antrieb mit Flüssigerdgas sehe er erhebliche Nachteile bei der Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Den Beitrag zum Klimaschutz hält Daum für sehr gering. „Wir haben nur einen Bruchteil weniger CO2 als beim Diesel“, sagte er.

Elektro und Wasserstoff ergänzen sich für Daimler

Was die Frage Elektro- und Wasserstoffantrieb angeht, sieht Daum kein Gegeneinander der Technologien, beide Antriebsarten seien komplementär. „Beides sind E-Fahrzeuge“, betonte er. Auch der Fahreindruck sei identisch, sagte er mit Blick auf die Vision F-Cell und den eCanter der Daimler-Tochter Fuso. Daum geht davon aus, dass langfristig beide Antriebe ihre Berechtigung in den Flotten haben werden. „Je länger die Strecke und höher das Gewicht, desto eher empfiehlt sich die Brennstoffzelle“, sagte er. Auf kürzeren Strecken und bei niedrigeren Gewichten sei der Elektro-Lkw die erste Wahl.

Keine Angst vor Nikola und Hyundai

Wie sich Daimler genau beim Thema Brennstoffzelle positionieren will, ließ Daum offen. Mit der Aussage „Wir werden 2020 im Bereich Brennstoffzelle Wichtiges vorstellen“, weckte er jedoch hohe Erwartungen. Die Fertigung eines Brennstoffzellen-Actros schloss er auf Nachfrage nicht aus, wohl aber die Produktion einer Serie innerhalb der nächsten drei Jahre. Dass zwei neue Akteure Hyundai und Nikola ebenfalls mit Brennstoffzellen-Lkw in Europa Fuß fassen wollen, sieht Daum eher gelassen. „Der Newcomer-Wettbewerb stimuliert uns nicht. Was uns stimuliert, sind unsere Kunden und ihre Bedürfnisse“, erklärte Daum.

Dem Daimler Trucks-Chef zufolge hat die Branche gar keine andere Wahl, als aufgrund der CO2-Vorgaben der EU auf alternative Antriebe umzustellen. Die EU strebt eine Minderung des CO2-Ausstoßes bei schweren Lkw um 15 Prozent bis 2025 und um weitere 15 Prozent bis 2030 an. „Dieses Ziel ist mit dem Diesel-Lkw nicht erreichbar“, bekräftigte Daum. Alle Potenziale seien irgendwann einmal ausgereizt. Man könne die Physik eben nicht besiegen. Und da für 2050 gar ein emissionsfreier Güterverkehr angestrebt werde, müsse Daimler bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von zehn Jahren pro Lkw perspektivisch von 2040 an nur noch CO2-freie Fahrzeuge verkaufen.

Dies stellt Hersteller und Kunden jedoch vor erhebliche Herausforderungen. Dabei gehe es nicht nur um die notwendigen Fahrzeuge. „Wir benötigen auch eine Infrastruktur an Ladestationen und Wasserstoff-Tankstellen, die viele Milliarden Euro kosten wird“, sagte Martin Daum. Nicht zu vergessen: Der Betrieb eines CO2-freien Lkw in Cent pro Kilometer sei teurer als der eines Diesel-Lkw.

Daum: Höhe der Maut an CO2-Ausstoß koppeln

„Wir müssen diese Differenz ausgleichen“, forderte der Manager an die Adresse der Politik. Er schlägt vor, die Höhe der Maut komplett vom CO2-Ausstoß abhängig zu machen. „In Europa beispielsweise wäre es dringend geboten, lokal emissionsfreie Lkw bei der Maut signifikant besserzustellen als herkömmliche Lkw“, schrieb Daum dieser Tage in einem Gastbeitrag fürs Handelsblatt. „Für gasbetriebene Lkw, die im Fahrbetrieb eben nicht CO2-neutral sind, sollte dieser Anreiz nicht gelten – erst recht, wenn wir die Dekarbonisierung wirklich ernsthaft beschleunigen wollen.“

Daimler erprobt automatisiertes Fahren der Stufe 4

Kurzfristig eher kein Thema für Europa ist bei Daimler der Einsatz von autonom fahrenden Lkw. Die erprobt der Hersteller seit Monaten intensiv in den USA. Dort gebe es lange, relativ freie Strecken mit einem einheitlichen Rechtsraum – und nicht alle paar Hundert Kilometer eine Landesgrenze, nach der wieder andere Vorgaben gelten. Nachdem Daimler im März vorigen Jahres das Unternehmen Torc Robotics aus Virginia erworben hatte, erprobt Daimler mit Fahrzeugen von Freightliner seitdem das hochautomatisierte Fahren auf Stufe 4. Dabei übernimmt das Fahrzeug bestimmte Aufgaben selbstständig, der Fahrer muss nicht mehr jederzeit eingreifen können.

Vorstandschef Daum bezeichnet das autonome Fahren als „die Revolution im Langstreckentransport“. Daimler werde das Ganze noch weiter und intensiv testen, auch um mögliche Schwächen oder Fehler zu erkennen und um darauf zu reagieren. „Wenn die Technik dann in den USA funktioniert, ist sie ohne vertretbaren Aufwand auch auf andere Märkte ausweitbar.“ Eine Lösung für den städtischen Verkehr sei das autonome Fahren aufgrund der Komplexität, der vielen anderen motorisierten Verkehrsteilnehmer sowie von Radfahrern und Fußgängern in absehbarer Zeit jedoch nicht.

Daimler Trucks auf Kostenbremse

Auch die Truck-Sparte von Daimler wird als Reaktion auf die rückläufige Nachfrage einen erheblichen Sparbeitrag leisten. In Europa sollen die Kosten durch Effizienzverbesserungen bis Ende 2022 um rund 550 Millionen Euro reduziert werden. „Es sind hunderte kleiner Maßnahmen, um konsequent besser zu werden“, sagte Vorstandschef Martin Daum und nannte als Beispiele das Modernisieren von Werken, ein Verbessern der Abläufe dort oder den Abbau von Bürokratie. „Wir brauchen weniger Leute, die etwas koordinieren und mehr Leute, die etwas tun.“ Rund 300 Millionen Euro sollen durch Einsparungen bei den Personalkosten realisiert werden, weitere 250 Millionen Euro durch eine Senkung der variablen Kosten.

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