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Angriff aus dem Internet

Drogenkartelle greifen Häfen an

Lkw und Pkw auf einer Autobahn Foto: Alev Atas/ETM

Verbrechersyndikate greifen offenbar erfolgreich europäische Reedereien und Häfen aus dem Internet an, um Drogen und andere illegale Güter zu transportieren.

Das Problem wird nicht publik gemacht, denn es geht nicht nur um Drogen sondern auch um den guten Ruf der Beteiligten und um Computersysteme, die denen der Kriminellen offenbar hoffnungslos unterlegen sind, berichtet die Sicherheitsvereinigung Transported Asset Protection Association (TAPA). Internetkriminalität sei ein in der Seeschifffahrt insgesamt ein zunehmendes Problem.
 
"Die Hafengesellschaften haben sich als unfähig erwiesen, Bugs zu identifizieren, die bereits vor Monaten oder Jahren in die Systeme eingeschleust wurden, um sie dann zu aktivieren", schreibt Tapa in einem Bericht der neuesten Ausgabe seiner Mitgliederinformationen. Während beispielsweise die italienische Mafia ´Ndrangheta früher darauf gesetzt habe, Hafenbeamte zu bestechen oder ihr Personal in Docks und Häfen zu platzieren, hätten sich die kriminellen Aktivitäten längst ins Internet verlagert.
 
 
Kokain über Rotterdam, Antwerpen oder Hamburg
 
Spionagesoftware mache es möglich, die Machenschaften auf viel höherem Niveau zu organisieren, gleichzeitig sei die Gefahr einer Entdeckung wesentlich geringer. In den größten europäischen Häfen Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und Valencia kämen so Container an, in denen sich - versteckt unter legaler Ladung - teilweise mehrere hundert Kilogramm Kokain befänden. Frische Lebensmittel seien besonders gefährdet, da die Drogenhändler darauf spekulierten, dass der Zoll verderbliche Waren nicht so aufwendig durchsuche.
 
Dabei werden auch kulturelle Verbindungen genutzt. Kriminelle Netzwerke aus Lateinamerika und dem Portugiesisch sprechenden Afrika hätten sich beispielsweise auf Container mit Ziel Spanien oder Portugal spezialisiert, illegale Waren aus Guadeloupe oder Martinique würden nach Frankreich geschickt. Und deren Wege werden dem Bericht zufolge zunehmend über das Internet komplett verfolgt und überwacht.
 
 
Spionagesoftware macht illegale Transport möglich
 
Bei großen Drogentransporten, die die Polizei 2013 in Antwerpen aufgedeckt hat, waren die entsprechenden Eingriffe in die Computersysteme des Hafens den Untersuchungen zufolge bereits 2011 gemacht worden. Niederländische Drogenhändler hatten sich mit Hilfe von Hackern in die Computer von zwei Terminals eingeloggt. Damit konnten sie die Entladung ausgewählter Container genau planen. Lkw fuhren dann die illegale Ware - zumeist Kokain - ungestört davon. Aufgeflogen ist das Ganze erst, als ein Lkw-Fahrer versehentlich eine Kokain-Ladung auf sein Fahrzeug lud und dann mit Sturmgewehren angegriffen wurde.
 
Mit Spionagesoftware würden auch  Screenshots gemacht, Transaktionen aufgezeichnet und Dokumente heruntergeladen, die man später nutzen könne um Reedereien zu erpressen oder sie an die Konkurrenz zu verkaufen, so der Bericht. Eine weitere große Gefahr für Europas Häfen sei Schadsoftware (malware). Damit hätten 2014 Hacker aus China tragbare Inventar-Scanner infiziert, die von Logistikunternehmen in der ganzen Welt genutzt werden.
 
 
Internet der Dinge ist ein großes Risiko
 
Ausspioniert wurden sieben Unternehmen, davon sechs aus der Schifffahrtsbranche. Gesammelt wurden Logistikdaten wie Herkunft, Ziel, Wert und Inhalt der Lieferung sowie Finanz- und Kundendaten, auch der Verkauf und die Personalplanung waren betroffen. Jegliche Information, die die Schadsoftware sammeln konnte, sei an einen Server nach China zurückgeschickt worden. "Dieser Vorfall zeigt die großen Risiken, die damit verbunden sind, wenn Unternehmen sich zunehmend auf das Internet der Dinge verlassen, auf Scanner, Sensoren, Anwendungen oder Sicherheitssysteme, die mit Online-Netzwerken verbunden sind."
 
Zwar seien mit der Vernetzung auch große Vorteile für die Seefahrt verbunden. Die Industrie habe das Internet der Dinge aber langsamer umgesetzt als Schiene und Straße und verfüge deshalb nicht über ausreichend geschultes Personal. Auch werde die Software nur sporadisch aktualisiert, was die Unternehmen angreifbar mache.
 
 
Ransomware zunehmendes Risiko
 
Auch Ransomware, die ausgewählte Daten verschlüsselt und nur nach Zahlung eines Geldbetrages wieder frei gebe, sei ein zunehmendes Problem. Anonyme Berichte ließen darauf schließen, dass Werften, Reeder, Straßentransporteure und Häfen bereits alle davon betroffen gewesen seien. Hiermit könne man die kompletten Navigationssysteme außer Gefecht setzen, mit allen Konsequenzen: Ohne GPS könnte ein Schiff auf Grund laufen. Die Versuchung für Unternehmen sei groß, die Erpresser zu bezahlen, um größeren Schaden zu vermeiden.
 
Um das Risiko durch Internetkriminalität zu Verringern sieht Tapa einen Ansatz: die bessere Ausbildung des Personals. Häufig werde Schadsoftware unabsichtlich heruntergeladen, durch den Link einer Phishing-E-Mail oder einen infizierten USB-Stick. Wichtig sei es auch zu wissen, dass es Stoßzeiten für Angriffe aus dem Internet gebe. Dazu gehören Feiertage und das Ende des Steuerjahres. Und im Falle eines Angriffs sollte es zumindest einen Notfallplan geben.
 

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