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Alternative Zustellmethoden

In Stuttgart emissionsfrei zustellen

Foto: Fraunhofer IAO

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO hat auf Initiative der Stadt in Stuttgart das Pilotprojekt „Log Spaze“ für alternative Zustellmethoden auf die Beine gestellt

Die Wissenschaftler sollten im Rahmen des Projektes alternative und konventionelle Ansätze vergleichen und herausfinden, inwiefern sie Logistikanforderungen erfüllen und gleichzeitig einen wirtschaftlichen und stadträumlichen Nutzen bringen. „Log Spaze wird jetzt offiziell abgeschlossen“, sagt Lars Mauch, Projektleiter Urban Delivery Systems, Forschungsbereich Stadtsystemgestaltung am Fraunhofer-IAO in Stuttgart. Der Abschlussbericht dient nun aber als Zwischenbericht, denn das Projekt wird als Log Spaze II mit offenem Ende weiterlaufen.

Fahrverbote forcieren Einsatz von Lastenrädern

Leider hatten wir während der Laufzeit mit mehreren Verzögerungen zu kämpfen“, fügt Mauch hinzu. So verspürten die KEP-Dienstleister vor zwei Jahren noch nicht den Druck, etwas umzusetzen. „Das hat sich erst im vergangenen halben Jahr mit den angekündigten Fahrverboten ex­trem geändert“, sagt Mauch. Auch waren nicht immer genügend Lastenräder und Wechselbrücken verfügbar. Inzwischen haben sich die KEP-Dienstleister des Themas angenommen und wirken bei der Entwicklung von praxistauglichen Lastenrädern mit. „Und sie merken, dass man damit auch betriebswirtschaftlich zustellen kann“, sagt Mauch. Das führt dazu, dass deren Einsatz intensiviert wird. Die Produktion sei gesteigert worden, sodass Lastenräder nun auch flächendeckend verfügbar sind.

Insgesamt wurden im Stuttgarter Stadtgebiet vier Mikrohub-Standorte eingerichtet, an denen UPS und DHL die Pakete umschlagen und nachladen. Die Feinverteilung, also die Zustellung zum Empfänger, erfolgte von dort zu Fuß mit Sackkarren oder mit elektrischen Lastenrädern. DHL setzt bei der Mikrohub-Zustellung seine Cubicycles ein. Das sind mit Klein-Containern ausgestattete Lastenräder. Die Boxen werden im nahe gelegenen DHL-Depot für die Zustellung befüllt und die Akkus der Räder dort geladen. Pro Lastenrad werden zwei Touren gefahren, das heißt, der Zusteller wechselt seine Box einmal zwischendurch im Mikrohub aus.

Fahrer nehmen Akkus mit

UPS wollte die Zustellung mit Lastenrädern ebenso starten. Allerdings konnte dem Paketdienst in der Innenstadt zunächst kein Platz zum Abstellen und Laden der Lastenräder zur Verfügung gestellt werden. „Wir haben jetzt zwar ein Parkhaus gefunden, wo UPS seine Räder über Nacht abstellen kann, hier ist aber der Brandschutz nicht gewährleistet“, erläutert Mauch. Die Fahrer nehmen daher die Akkus abends mit und lassen sie im Depot laden. Das leere Lastenrad verbleibt dann bis zum nächsten Morgen im Parkhaus.

Im Anschlussprojekt Log Spaze II sollen die bisherigen Aktionen ausgeweitet werden. „Wir schauen den kompletten Zustellprozess an, um betriebswirtschaftliche Aussagen treffen zu können oder Handlungsempfehlungen für Städte abzuleiten“, erläutert der Projektleiter. Das Team um Mauch will in Kürze in der Stuttgarter Innenstadt ein Quartier definieren, wo die KEP-Dienstleister später komplett emissionsfrei zustellen sollen. „Wir werden die verkehrlichen Auswirkungen, die Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern und die Zustellperformance evaluieren“, erläutert der Wissenschaftler. Das Fraunhofer-IAO will damit herausfinden, wie sich der großflächige Einsatz von Lastenrädern auf den normalen Verkehr auswirkt und wie man ihn künftig besser planen kann, also ihn beispielsweise außerhalb der Hauptverkehrszeiten zu verlagern.

Stadt stellt flexible Hubstandorte bereit

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart funktioniere sehr gut, das Thema der alternativen Zustellung, Logistik und Mikrohubs sei dort hoch angesiedelt. Das Tiefbauamt habe einen zusätzlichen Standort zugewiesen, obwohl die Flächenkonkurrenzen in der Stadt sehr hoch seien. „Wir wollen zudem flexible Hubstandorte einrichten“, sagt Mauch. So wird jetzt schon von einigen Standorten nur vormittags zugestellt, nachmittags könnte man das Mikrohub einem anderen Anbieter zur Verfügung stellen oder alternativ als Parkplatz nutzen. „Die Stadt kann natürlich solche Flächen nicht anbieter­exklusiv zur Verfügung stellen, weil alles diskriminierungsfrei geschehen muss.“

Log Spaze ist im November 2017 mit den ersten Lastenrädern gestartet. Dass diese wirtschaftlich arbeiten und auf Kundenseite gut ankommen, hat sich schnell gezeigt. Fahrer geben gute Rückmeldung von Empfängern. Die Leute reagieren positiv, drehen sich danach um. Mauch: „Selbst Passanten wollen Selfies mit den Zustellern samt Lastenrädern machen.“ Die Priorisierung von E-Fahrzeugen sei allerdings nach rechtlicher Auffassung momentan nicht möglich.

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Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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