Alkohol am Lkw

Messerstecherei im Suff eskaliert

Foto: Jan Bergrath

Ein Streit am Samstagabend unter alkoholisierten ukrainischen Lkw-Fahrern auf einem saarländischen Autobahnparkplatz an der A 6 ist eskaliert. Ein Fahrer wird schwer verletzt, der mutmaßliche Angreifer kommt in U-Haft.

Wie die Pressestelle des Landespolizeipräsidiums Saarland heute auf Rückfrage bestätigt, hat es am vergangenen Samstagabend auf dem Rastplatz „An der Goldenen Bremm“ der A 6 nahe der saarländischen Grenze zu Frankreich eine Messerstecherei unter ukrainischen Lkw-Fahrern gegeben. Vier waren in bereits alkoholisiertem Zustand in Streit geraten, ein fünfter kam dazu und wollte schlichten. Er wurde angegriffen und schwer verletzt. Nun liegen beide Fahrer im Krankenhaus, der mutmaßliche Angreifer soll nach der Entlassung und nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in U-Haft überführt werden. Der Vorwurf lautet auf versuchten Totschlag.

Es ist bereits der fünfte bekannt gewordene heftige Streit unter betrunkenen osteuropäischen Lkw-Fahrern an einem Wochenende auf einem deutschen Rastplatz binnen zwei Jahren. Vier endeten tödlich. Bereits im Januar 2018 hatte es auf einem Rastplatz nahe Homburg/Saar ebenfalls an der A 6 einen Mord an einem ukrainischen Lkw-Fahrer in seinem in Polen zugelassenen Lkw gegeben. Der ist allerdings bis heute nicht aufgeklärt, da der mutmaßliche Mörder den Parkplatz mit seinem Lkw bereits nach Ende des Sonntagsfahrverbotes verlassen hatte und die zuständige Kriminalpolizei seinerzeit nicht auf die Mautdaten zurückgreifen konnte.

Das Maß ist voll

Das Maß ist voll“ hieß Ende November 2018 ein Blogbeitrag nach einem weiteren Mordversuch unter betrunkenen osteuropäischen Lkw-Fahrern auf der Inntalautobahn. Mit präventiven Alkoholkontrollen am Sonntagabend versucht die Autobahnpolizei der meisten Bundesländer mittlerweile, die Gefahr einzudämmen. Doch immer wieder fallen in letzter Zeit besonders Lkw-Fahrer aus der Ukraine mit extrem hohen Alkoholwerten am Wochenende als Gefahr für den Straßengefahr auf, zuletzt am vergangenen Samstagabend auf der B 4 in Norddeutschland.

Viele Gewohnheitstrinker aus Osteuropa

Ein Grund liegt auf der Hand: da es durch den Fahrermangel in Europa mittlerweile eine Westwanderung osteuropäischer Fahrer unter anderem Richtung Deutschland gibt, greifen vor allem polnische und litauische Flotten gezielt auf Fahrer aus der Ukraine und Weißrussland zurück. Viele dieser Fahrer sind dann bis zu zwei Monate am Stück unterwegs und verbringen damit nahezu jedes Wochenende auf einem Rastplatz. Nach wie vor erschreckend ist der tödliche Unfall auf der A 61 aus dem Dezember 2017, bei dem eine junge Polizistin ums Leben kam. Es sieht bis heute nicht danach aus, dass das Urteil gegen den ukrainischen Fahrer eine abschreckende Wirkung hatte.

„Gründe sind nicht nur die Langeweile und die lange Trennung vor der Familie“, warnt Dieter Schäfer, Direktor der Verkehrspolizei Mannheim, dessen Team der Autobahnpolizei seit vergangenem Jahr diese Kontrollen regelmäßig einmal im Monat durchführen lässt. „Seit September 2018 haben wir mehr als 2.500 osteuropäische Lkw-Fahrer am Sonntag kontrolliert. Etwa zwei Prozent dieser Fahrer hatten extrem hohe Atemalkoholkonzentrationen bis über vier Promille. Wer solche hohen Werte vorweist, ist alkoholkrank und nicht geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, schon gar nicht von Lkw mit 40 Tonnen. Bei deutschen Berufskraftfahrern können wir ab 1,6 Promille und mehr eine Meldung an die Führerscheinstelle vorlegen, was regelmäßig zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) führt. Nichtdeutsche Fahrer müssen wir beim Fahren ertappen. Bei zwei Prozent ist das die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Es ist äußerst schwierig, diese große Gefahr effizient abzuwehren.“

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