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Konjunkturabschwung

Weniger Aufträge bei Trailerherstellern

Foto: lassedesignen - stock.adobe.com

Die Konjunktur in der Transport- und Logistikbranche kühlt sich ab. Dies spüren auch die Trailerhersteller anhand von Auftragsrückgängen.

Wie sehr kühlt sich die Konjunktur ab? Die Nachrichten der vergangenen Wochen deuten auf einen Abschwung hin. Einige DAX-Konzerne haben Stellenstreichungen angekündigt oder teilweise Einstellungsstopps. Diesem Trend kann sich auch die Transport- und Logistikbranche nicht entziehen. „Aktuell ist ein deutlicher Rückgang in nahezu allen Branchen zu verzeichnen“, erklärt dazu Stefan Brucker, Geschäftsführer der Spedition Brucker aus Aalen. Um gegenzusteuern, erweitert Brucker die ­Kapazitäten in einigen Neugeschäften. Etwas anderes gefällt ihm indes nicht. „Wegen der reduzierten Volumina senken Wettbewerber die Preise in bestimmten Bereichen. Dies ist bei steigenden Löhnen nicht mehr nachvollziehbar“, betont der Geschäftsführer gegenüber trans aktuell.

„Zyklischer Markt für Trailer“

Eine abflauende Konjunktur registrieren auch die Trailerhersteller, etwa Krone. Im Werk Werlte ist seit dem 1. Juli 2019 Kurzarbeit angesagt. Der Grund sind rückläufige Aufträge. Zuvor bauten die Mitarbeiter bereits ihre Überstunden ab. Krone geht von einer kurzfristigen Auftragsdelle im Bereich der Planensattel aus. Als Ursache sieht das Unternehmen unter anderem den Brexit, den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie den Einbruch des russischen Gebrauchtfahrzeugmarkts aufgrund hoher Einfuhrzölle.Im Geschäftsjahr 2017/2018 hatte der Trailerhersteller noch einen Rekordumsatz vermeldet. Derzeit sind in Werlte etwa 1.400 Mitarbeiter beschäftigt. In der Krone-Gruppe arbeiten aktuell rund 4.900 Beschäftigte weltweit. Auch Wettbewerber Schmitz Cargobull registriert eine Konjunkturabkühlung. Auf Anfrage von trans aktuell teilt das Unternehmen mit, das Wachstum verlangsame sich seit dem vierten Quartal 2018. Dies zeige sich in einem rückläufigen Auftragseingang. „Verglichen mit den Vormonaten stellen wir eine Beruhigung der Nachfrage fest und ein Einpendeln auf einem deutlich niedrigeren Niveau. „Nach Angaben von Schmitz Cargobull belief sich der gesamte europäische Trailermarkt im Jahr 2018 auf 230.000 zugelas­sene ­Fahrzeuge.

Für 2019 schätzt Schmitz Cargobull das Markt­volumen auf rund 200.000 Fahrzeuge. „Der typischerweise extrem zyklische Markt für Trailer kann auch noch deutlicher abrutschen“, gibt das Unternehmen allerdings zu bedenken. Gewisse zyklische konjunkturelle Schwankungen kann Schmitz Cargobull in der Produktion mit Leiharbeitern ausgleichen. Dieses Modell erlaube ein „Mit­atmen“ in der Fertigung, das dem Auftragseingang entspreche. „Wir verlängern Verträge über Zeit­arbeitnehmerfirmen nicht, wenn die Auslastung zurückgeht und ohne Sonderschichten produziert werden kann“, erklärt das Unternehmen jedoch.Wie steht es um Kurzarbeit? „Wir halten Kurzarbeit in der Stammbelegschaft aktuell für ­unnötig“, sagt Schmitz ­Cargobull. Allerdings, so der Trailerhersteller: „Wir beobachten die Konjunktur- und Marktentwicklung sehr genau. Wenn die Auftragslage es erfordert, würden wir in Abstimmung mit dem Betriebsrat das Instrumentarium Kurz­arbeit einsetzen, um Kündigungen zu vermeiden.Bei Kögel in Bayern stellen die Verantwortlichen ebenfalls ein verändertes Marktumfeld fest. Kurzarbeit ist aktuell jedoch nicht geplant.

. Foto: DSLV
„Abwarten, ob die Abkühlung länger anhält." Axel Plaß, Präsident des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV)

Binnennachfrage nach wie vor hoch

Und auch am Personal spart Kögel nicht. „Weiterhin besetzen wir alle nötigen offenen Stellen“, erklärt das Unternehmen gegenüber trans aktuell. Doch auch Kögel verzeichnet, verglichen mit dem Rekordjahr 2018, einen Auftragsrückgang. Dies versucht das Unternehmen so weit wie möglich über neue Märkte zu kompensieren, die es in den vergangenen Jahren auf- und ausgebaut hat, zum Beispiel Muldenkipper und Tieflader. „Die Konjunktur im Baubereich ist aktuell noch deutlich besser“, so das Unternehmen. Außerdem sieht Kögel noch weitere Kompensationschancen im Vertrieb von Kühlern, Boxaufliegern sowie im intermodalen Bereich. Unabhängig davon tätigt Kögel sämtliche Investitionen für 2019 wie geplant. Außerdem rechnet das Unternehmen mit einer Besserung und Erholung der Konjunkturlage im zweiten Halbjahr.Mit einem Blick fürs Ganze beobachtet Axel Plaß, Präsident des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) und geschäftsführender Gesellschafter der Zippel-Group, die Entwicklung. „Es bleibt abzuwarten, ob die Abkühlung tatsächlich länger anhält“, erklärt er gegenüber trans aktuell. Zudem sei der Personalbedarf in der Logistik derzeit nicht rückläufig. Er gibt allerdings eines zu bedenken: „Vor allem in der See- und Luftfracht sind wirtschaftliche Auseinandersetzungen zwischen den Staaten spürbar. Dies führt wiederum zu Zöllen und Einschränkungen des Freihandels.“

Jedoch sei die Binnennachfrage in Europa nach wie vor hoch. Daher könnten die Mengenrückgänge im internationalen Handel noch kompensiert werden, so Plaß. Bei der Zippel-Group mit Hauptsitz in Hamburg hätten sich nach einem kurzen Tief im März die Transportvolumina im maritimen Kombinierten Verkehr sowie im Hinterlandverkehr per Lkw wieder auf dem hohen Vorjahresniveau stabilisiert, sagt Plaß. Zudem plant die Spedition im Vergleich zu den Vorjahren sogar mit erhöhten Investitionen in den Fuhrpark, insbesondere in Zugmaschinen mit alternativen Antrieben. „Aber auch beim Personal stehen die Zeichen eher auf Wachstum“, berichtet Plaß, der optimistisch in die Zukunft blickt.

Download Diagramm konjunkturell bedingte Kurzarbeit (PDF, 3,24 MByte) Kostenlos
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
transaktuell 14-15 Titel
trans aktuell 14-15 / 2019
19. Juli 2019
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