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50 Jahre Hupac

Datenzugang und Investitionen sichern die Zukunft

hupac, terminal, jubiläum, kv, kombinierter verkehr Foto: Gabriele Putzu

Der Schweizer Kombi-Operateur Hupac feiert 50. Geburtstag und sieht sich auf dem Weg in die digitale Zukunft. Autonomes Fahren, Platooning oder intelligentes Flottenmanagement seien die Treiber.

Die Geschichte des Schweizer Kombi-Operateurs Hupac ist eine Erfolgsgeschichte. Zum 50. Jubiläum hat das Unternehmen aber nicht nur ein sehr gutes Geschäftsergebnis vorgelegt. Es wurde auch Kritik geübt. An Verkehrspolitikern und ihren Prioritäten, an den Bahnen und fehlender Offenheit und Koordination, an mangelnder Innovationsfreude. Hupac sieht sich auf dem Weg in die digitale Zukunft und will sich auf eine Entwicklung vorbereiten, die seiner Einschätzung zufolge die Logistik radikal verändern wird.

Treiber ist dabei auch die Straße, denn automatisiertes Fahren, Platooning, intelligentes Flottenmanagement oder verbrauchsarme Motoren werden dort in den kommenden zehn Jahren Produktivitätsgewinne in Höhe von 25 bis 30 Prozent erzielen, meint Hupac-Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bertschi. Digitalisierung mache die Verfügbarkeit von Daten erforderlich, und Hupac verfolgt einen Open-Data-Ansatz für alle Partner eines Zuglaufs.

Mehr Offenheit von der Bahnseite gefordert

Doch dazu sind nicht alle Bahnen bereit. "Wir verlangen viel mehr Offenheit von der Bahnseite", sagte Hupac-Chef Bernhard Kunz. "Transportdaten sind genauso wichtig wie der Transport an sich." Ein funktionaler, offener Datenaustausch sei die Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit mit den Traktionspartnern. Die Kunden wollten wissen, wo und wann ihre Ware ankommt. Wer hier künftig nicht mitspiele, werde nicht mehr vorrangig behandelt.

Peter Marshall, Direktor Supply Chain bei Dow Chemicals, unterstrich in einer Diskussionsrunde, dass ein Austausch von Daten für den Sektor unerlässlich sei. Besseres Tracking und Tracing sei das wichtigste Bedürfnis der Kunden, stimmte der Vorstandschef von DB Cargo, Dr. Jürgen Wilder, zu. Ein offener Austausch sei aber nur für bestimmte Daten erforderlich und müsse kontrolliert erfolgen, sagte er bei einer Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Hupac in Luzern.

Unzureichende Zusammenarbeit der Bahnen über Grenzen hinweg verhindert derzeit noch, dass der Gotthard-Basistunnel die in ihn gesetzten Erwartungen voll erfüllen kann. Zwar läuft der Verkehr grundsätzlich reibungslos – aber mit dem gleichen Fahrplan wie vor der Eröffnung des Jahrhundertbauwerks. Die Fahrzeiten im internationalen Verkehr haben sich nicht verkürzt: "90 Prozent des möglichen Zeitgewinns verpufft durch Warten", sagte Bertschi.

Verknüpfung der Netze der verschiedenen Bahnen dauert länger als gedacht

Die Verknüpfung der Netze der verschiedenen Bahnen dauert länger als gedacht und wird weitere Zeit in Anspruch nehmen. "Jeder hat die Komplexität unterschätzt", erläuterte der Verwaltungsratspräsident. Es werde eine politische Initiative gebraucht, und die Bahnchefs müssten sich einigen. Eine international koordinierte Trassenplanung auf dem Güterverkehrskorridor aus den Benelux-Staaten über die Schweiz Richtung Italien könnte die Produktivität deutlich verbessern. "Ich bin überzeugt, dass der intermodale Verkehr der Verkehr der Zukunft auf längeren Distanzen ist", sagte Bertschi.

Er sei sowohl dem reinen Straßentransport als auch dem konventionellen Bahnverkehr bezüglich Effizienz und Nachhaltigkeit überlegen. Entscheidend werde sein, die vielen Hemmnisse der weiterhin nationalstaatlich geprägten Eisenbahnen zu überwinden.
2016 haben erstmals seit 20 Jahren weniger als eine Million Lkw die Schweizer Alpen gequert. "Zu diesem positiven Ergebnis hat Hupac mit einem Verkehrswachstum von 19,4 Prozent maßgeblich beigetragen", heißt es.

Weitere Effizienzsteigerungen lässt sich das Unternehmen einiges kosten. So wurden seit 2016 mehr als 700 neue Bahnwagen bestellt, ferner schafft Hupac acht Mehrsystemloks an, die für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und die Niederlande tauglich sind. Wenn sie ab Mai 2018 ausgeliefert werden, fahren sie unter der Regie der Bahnpartner, werden aber ausschließlich für Hupac-Verkehre eingesetzt.

Mit Erleichterung wird man in der Schweiz aufgenommen haben, dass sich die deutsche Bundesregierung nun doch zum vorrangigen Ausbau von Überholgleisen bekennt, denn 740 Meter lange Züge sind ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzepts. Trotzdem steht dem Kombinierten Verkehr durch die Schweiz eine schwierige Durststrecke bevor. Vier Jahre andauernde Bauarbeiten auf der Gotthard-Achse mit einer zeitweisen Sperrung der Luino-Strecke werden die Kapazitäten deutlich sinken lassen. Angesichts der „ungewöhnlich hohen Trassenpreise“ wird die Schweizer Regierung aufgefordert, ihre Politik zu überdenken. "Sonst könnten Verkehre in Richtung Straße zurückwandern".

50 Jahre Hupac

  • Der Schweizer Kombi-Operateur wurde 1967 in Chiasso gegründet
  • Das Aktienkapital der rund 100 Aktionäre wird zu 72 Prozent von Logistik- und Transportunternehmen und zu 28 Prozent von Bahnen gehalten
  • Damit soll Marktnähe und Unabhängigkeit von den Bahnen gewährleistet werden
  • Das Unternehmen verfügt über rund 5.500 Wagenmodule und bündelt als unabhängiger Kombi-Operateur Sendungen zu ganzen Zügen
  • Das Geschäftsjahr 2016 wurde mit einem Rekordvolumen von 737.000 Sendungen abgeschlossen
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