7:54 Min. • 25.10.2026

Mercedes-Benz eActros 400 für AVG Köln

Weniger Batterien, dafür mehr Zuladung: Der Mercedes-Benz eActros 400 soll bei der AVG Köln zeigen, wie wirtschaftlich Elektro-Lkw in der Entsorgungslogistik eingesetzt werden können. Drei Fahrzeuge mit mechanischem Nebenantrieb ab Werk stehen für den Transport von Rostasche bereit. Doch warum setzt die AVG auf den kleineren eActros statt auf das Fernverkehrsmodell eActros 600?

Drei eActros 400 für die AVG Köln

Im Mercedes-Benz Werk Wörth werden drei batterieelektrische eActros 400 an die Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft Köln (AVG) übergeben. Das Unternehmen gehört zu den Kölner Stadtwerken und REMONDIS.

Die Fahrzeuge sollen künftig als Kippsattelzüge Rostasche transportieren. Eine technische Besonderheit ist der werksseitig integrierte mechanische Nebenantrieb, kurz mPTO. Er ermöglicht den Antrieb entsprechender Arbeitsfunktionen und erweitert damit die Einsatzmöglichkeiten des Elektro-Lkw.

Für Mercedes-Benz Trucks ist die Übergabe zugleich ein wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit mit REMONDIS. Der Entsorgungskonzern ist seit Jahren an der praktischen Erprobung und Weiterentwicklung elektrischer Nutzfahrzeuge beteiligt.

Warum weniger Batterie mehr Nutzlast bedeutet

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass ein Elektro-Lkw möglichst viele Batterien benötigt. Im Verteiler- und Entsorgungsverkehr kann jedoch genau das Gegenteil sinnvoll sein.

Der eActros 400 basiert auf derselben Plattform wie der eActros 600, verfügt aber nur über zwei Batteriepakete mit jeweils 207 Kilowattstunden. Die gesamte installierte Batteriekapazität beträgt damit 414 kWh. Weniger Batterien bedeuten weniger Eigengewicht. Und das schafft zusätzliche Nutzlastreserven.

Für AVG-Geschäftsführer Karl Georg Boje ist genau das entscheidend. Die Fahrzeuge sollen bei den täglichen Transporten möglichst wirtschaftlich ausgelastet werden. Nach seiner Einschätzung kommt die Nutzlast des eActros 400 deutlich näher an die bisher eingesetzten Diesel-Lkw heran als beim eActros 600.

Kurze Strecken und bis zu 400 kW Ladeleistung

Auch die Einsatzplanung ist auf die Besonderheiten des Elektroantriebs abgestimmt. Die AVG will mit den neuen Fahrzeugen Rostasche nach Erftstadt transportieren. Das bedeutet vergleichsweise kurze Distanzen und möglichst viele Umläufe pro Tag. Für die notwendige Energieversorgung hat das Unternehmen einen eigenen Ladepark mit bis zu 400 kW Ladeleistung errichtet.

Sascha Hähnke von REMONDIS Sustainable Services verweist auf die Möglichkeit, die Fahrzeuge bei Bedarf auch während der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpause zwischenzuladen. Die Kombination aus angepasster Batteriekapazität und hoher Ladeleistung soll dazu beitragen, die Standzeiten gering zu halten. Ob dieses Konzept im täglichen Einsatz die gewünschte Wirtschaftlichkeit erreicht, wird sich in der Praxis zeigen.

REMONDIS entwickelt E-Lkw gemeinsam mit Mercedes-Benz

Dass die neuen eActros 400 so gezielt auf ihren Einsatzzweck abgestimmt sind, ist auch das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit. REMONDIS hat bereits verschiedene Elektro-Lkw von Mercedes-Benz Trucks erprobt. Dazu gehören drei eEconic auf Sylt sowie ein eActros 600, der im Rheinland getestet wurde.

Nach Angaben des Unternehmens tauschen sich Hersteller und Praxispartner regelmäßig aus, um neue Fahrzeugkonzepte weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht nur um technische Daten, sondern vor allem darum, wie sich die Fahrzeuge unter realen Einsatzbedingungen bewähren.

REMONDIS und das Schwesterunternehmen Rhenus einschließlich Contargo verfügen zusammen über mehr als 200 schwere Elektro-Lkw. Die Erfahrungen aus diesen Flotten fließen auch in die Entwicklung neuer Fahrzeuge ein.

Elektro-Lkw: Wirtschaftlichkeit statt Ideologie?

Mercedes-Benz Trucks beobachtet nach eigenen Angaben ein wachsendes Interesse an elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen. Vertriebsleiter Christian Wilz führt dies unter anderem auf die Energieeffizienz der Fahrzeuge und schwankende Dieselpreise zurück. Für immer mehr Unternehmen werde der Elektro-Lkw damit zu einer wirtschaftlichen Alternative.

Allerdings hängt die Rechnung stark vom jeweiligen Einsatzprofil ab. Gerade bei kurzen, planbaren Strecken, hoher Auslastung und eigener Ladeinfrastruktur können sich Vorteile ergeben. Der eActros 400 für die AVG Köln ist ein Beispiel dafür, wie gezielt Fahrzeugtechnik und Transportaufgabe aufeinander abgestimmt werden können.

400 Kilometer Überführungsfahrt im Elektro-Lkw

Nach der Übergabe in Wörth geht es für die drei Fahrzeuge zunächst rund 400 Kilometer nach Korschenbroich. Dort sollen sie mit Stahlhalbrundmulden und den passenden Hydraulikanschlüssen ausgestattet werden.

Bei der Überführungsfahrt sitzt unter anderem REMONDIS-Fuhrparkleiter Stev Engelmann am Steuer. Er berichtet von einer wachsenden Akzeptanz elektrischer Nutzfahrzeuge innerhalb des Unternehmens.

Auch Projektmanagerin Janina Thielmann fährt einen der neuen eActros 400. Obwohl sie einen Lkw-Führerschein besitzt, ist sie nur gelegentlich mit schweren Nutzfahrzeugen unterwegs.

Nach der Fahrt zeigt sie sich vor allem vom ruhigen Fahrverhalten beeindruckt: keine Vibrationen, wenig Geräusche und ein Fahrgefühl, das sie beinahe mit Urlaub vergleicht. Für die AVG beginnt mit den drei eActros 400 nun die entscheidende Phase: der tägliche Einsatz im Entsorgungsverkehr. Erst dort wird sich zeigen, wie gut das Zusammenspiel aus Nutzlast, Ladeinfrastruktur und mechanischem Nebenantrieb tatsächlich funktioniert.

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FAQ: Mercedes-Benz eActros 400 bei der AVG Köln

Wie viele eActros 400 erhält die AVG Köln?

Die AVG Köln übernimmt drei batterieelektrische Mercedes-Benz eActros 400.

Wofür werden die Elektro-Lkw eingesetzt?

Die Fahrzeuge sollen künftig als Kippsattelzüge Rostasche transportieren, unter anderem auf Fahrten nach Erftstadt.

Welche Batteriekapazität hat der eActros 400?

Die Fahrzeuge verfügen über zwei Batteriepakete mit jeweils 207 kWh. Zusammen ergibt das eine installierte Batteriekapazität von 414 kWh.

Warum hat sich die AVG für den eActros 400 entschieden?

Die geringere Batteriekapazität reduziert das Fahrzeuggewicht und ermöglicht mehr Nutzlast. Das ist für die wirtschaftliche Auslastung der Rostaschetransporte wichtig.

Was bedeutet mPTO beim eActros 400?

mPTO bezeichnet einen mechanischen Nebenantrieb. Er ermöglicht den Betrieb entsprechender Arbeitsfunktionen, etwa in Verbindung mit hydraulisch betätigten Aufbauten.

Wie werden die Fahrzeuge geladen?

Die AVG hat einen eigenen Ladepark mit bis zu 400 kW Ladeleistung errichtet. Dadurch sollen bei Bedarf auch kurze Zwischenladevorgänge möglich sein.

Welche Rolle spielt REMONDIS bei der Entwicklung?

REMONDIS arbeitet als Praxis- und Erprobungspartner mit Mercedes-Benz Trucks zusammen. Erfahrungen aus dem Betrieb elektrischer Nutzfahrzeuge fließen in die Weiterentwicklung ein.

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