8:23 Min. • 01.11.2026

IVECO Experience-Tour 2026 durch Europa

Keine IAA Transportation, dafür eine eigene Roadshow durch Europa:

IVECO geht bei der Präsentation seiner Nutzfahrzeuge des Modelljahres 2026 neue Wege. Mehr als 2.000 Gäste, rund 5.000 Kilometer und ein klares Ziel: mehr Nähe zu Kunden und Händlern. eurotransportTV war in Mainz dabei und hat sich nicht nur die neue Markenstrategie angesehen, sondern auch den S-WAY mit Bio-LNG-Antrieb getestet.

IVECO setzt auf Kundennähe statt Messetrubel

Während die IAA Transportation 2024 für IVECO noch selbstverständlich war, entschied sich der Nutzfahrzeughersteller 2026 bewusst gegen eine Teilnahme. Stattdessen ging es mit der IVECO Experience-Tour quer durch Europa. Mehr 2.000 Gäste besuchten die Veranstaltungen, darunter Händler, Kunden, Partner und Mitarbeiter. In Mainz, der zweiten Station der Tour, zeigte IVECO, wie die neue Markenphilosophie "Spirito in Movimento" mit Leben gefüllt werden soll.

Dabei steht nicht allein das Produkt im Mittelpunkt. Vielmehr will sich IVECO als nahbarer und verlässlicher Partner präsentieren. Vorstandschef Christian Sulser sieht gerade darin einen entscheidenden Unterschied zum Wettbewerb: Produkte seien heute vielfach vergleichbar. Umso wichtiger werde die persönliche Erreichbarkeit – vom Vorstand über den Vertrieb bis zum Werkstattmitarbeiter.

Was die Experience-Tour anders macht

Natürlich präsentierte IVECO auch seine aktuellen Baureihen und die Neuerungen des Modelljahres 2026. Doch anders als bei einer klassischen Messe blieb viel Raum für persönliche Gespräche und den direkten Austausch. Händler und Kunden konnten sich über Fahrzeugvarianten, Motorisierungen, Ausstattungen und technische Entwicklungen informieren. Hinzu kamen Einblicke in das internationale Service- und Händlernetz.

IVECO will damit verdeutlichen, dass hinter seinen vernetzten Nutzfahrzeugen eine umfangreiche Support-Infrastruktur steht, die Ausfallzeiten reduzieren und die Verfügbarkeit verbessern soll. Gerade im Nutzfahrzeuggeschäft ist das ein wichtiges Argument. Denn für Transportunternehmen zählt nicht nur der Anschaffungspreis eines Lkw, sondern vor allem, wie zuverlässig er im täglichen Einsatz funktioniert.

Werkstatt der Zukunft: Fehlersuche mit digitaler Technik

Wie sich die Servicearbeit verändern könnte, zeigte IVECO am Beispiel eines Daily. Mithilfe einer digitalen Visualisierung auf einem Tablet lassen sich Bauteile im Fahrzeug lokalisieren und technische Zusammenhänge darstellen. Das soll Werkstattmitarbeitern helfen, Fehler schneller zu finden und Reparaturen gezielter durchzuführen. Gerade bei komplexen elektronischen Systemen und elektrifizierten Fahrzeugen kann diese Unterstützung wertvoll sein.

Stefan Annutsch von der Werner Brüning GmbH sieht darin auch Vorteile für die Ausbildung. Wer noch nicht genau weiß, wie ein bestimmtes Bauteil aussieht oder wo es sitzt, kann sich die Informationen direkt am Fahrzeug anzeigen lassen. Und auch eurotransportTV-Testexperte Julian Hoffmann zeigte sich beeindruckt. Die digitale Unterstützung könnte die Fehlersuche vereinfachen und damit langfristig auch Werkstattaufenthalte verkürzen.

IVECO S-WAY mit Bio-LNG: 500 PS im Praxistest

Ein weiterer Schwerpunkt der Experience-Tour waren die aktuellen Antriebskonzepte. Angesichts hoher Dieselpreise stießen insbesondere die Bio-LNG-Fahrzeuge auf großes Interesse. FERNFAHRER-Redakteur Julian Hoffmann nutzte die Gelegenheit für eine Probefahrt mit dem 500 PS starken IVECO S-WAY LNG.

Sein Eindruck: Der gasbetriebene Lkw hält im Autobahnverkehr problemlos mit. Auch die Geräuschkulisse im Fahrerhaus fällt angenehm aus. Interessant ist zudem der Highway-Pilot des Modelljahres 2026. Das Assistenzsystem unterstützt den Fahrer bei der Spurführung und demonstriert, wie weit sich die Verbindung von Fahrzeugtechnik und Software inzwischen entwickelt hat. Doch der entscheidende Punkt für viele Transportunternehmen dürfte weniger der Fahrkomfort als vielmehr die Wirtschaftlichkeit sein.

Bio-LNG: Spediteur spart 3.500 Euro pro Lkw und Monat

Wie groß das wirtschaftliche Potenzial unter günstigen Bedingungen sein kann, zeigt die Spedition van Mark aus Ostfriesland. Geschäftsführer Rainer van Mark setzt derzeit sieben IVECO S-WAY mit Bio-LNG-Antrieb im Zweischichtbetrieb ein. Dank langfristiger Lieferverträge zahlt das Unternehmen nach eigenen Angaben lediglich 55 Cent pro Kilogramm LNG. Gegenüber vergleichbaren Diesel-Lkw beziffert van Mark seine derzeitige Ersparnis auf rund 3.500 Euro pro Monat und Fahrzeug.

Bei sieben Fahrzeugen entspräche das rechnerisch rund 24.500 Euro im Monat. Allerdings handelt es sich dabei um die individuellen Angaben des Unternehmers und seine vertraglich vereinbarten Kraftstoffpreise. Die Einsparungen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Fuhrparks übertragen. Van Mark zeigt sich auch mit der Zuverlässigkeit der LNG-Technik zufrieden. Nach seiner Einschätzung hat sie inzwischen ein Niveau erreicht, das sich mit modernen Dieselantrieben messen kann.

Auch Diesel bleibt beim S-WAY gefragt

Dass IVECO keineswegs ausschließlich auf alternative Antriebe setzt, zeigt das Beispiel von Spediteur und Content-Creator Keno Veith. Er hat sich gerade zwei neue S-WAY-Sattelzugmaschinen mit Dieselantrieb angeschafft. Ausschlaggebend waren für ihn das Preis-Leistungs-Verhältnis und der Kundenservice.

Auch mit dem Verbrauch ist Veith zufrieden. Seine Fahrzeuge benötigen nach eigenen Angaben im Fernverkehr zwischen 21 und 23 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Damit wird deutlich, dass IVECO bei seiner Modelljahres-Offensive 2026 verschiedene Kundenanforderungen bedienen will. Je nach Einsatzprofil können Diesel, Bio-LNG oder andere Antriebskonzepte die passende Lösung sein.

Kann eine Roadshow die IAA Transportation ersetzen?

Rund 5.000 Kilometer legte die IVECO Experience-Tour durch Europa zurück. Statt auf einen einzigen großen Messeauftritt setzte der Hersteller auf mehrere Veranstaltungen in unterschiedlichen Märkten. Der Vorteil liegt auf der Hand: IVECO kann seine Fahrzeuge ausführlich präsentieren und gleichzeitig persönliche Kontakte pflegen. Die Gäste erhalten mehr Gelegenheit, Fragen zu stellen, Technik auszuprobieren und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen.

Für Julian Hoffmann ist das ein mutiger, aber gelungener Ansatz. Die gut besuchte Veranstaltung in Mainz habe gezeigt, dass sich mit einer solchen Roadshow ein klarer Fokus auf die eigenen Produkte setzen lässt. Ob IVECO damit langfristig erfolgreicher ist als mit einer klassischen Messeteilnahme, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Die Experience-Tour 2026 zeigt, dass sich auch die Vermarktung von Nutzfahrzeugen verändert.

In Kürze: die Key Facts

  • Veranstaltung: IVECO Experience-Tour 2026
  • Konzept: Europaweite Roadshow statt Teilnahme an der IAA Transportation 2026
  • Ziel: Mehr Kundennähe und direkter Austausch mit Händlern, Partnern und Mitarbeitern
  • Teilnehmer: Mehr als 2.000 Gäste europaweit
  • Tourstrecke: Rund 5.000 Kilometer durch Europa
  • Veranstaltungsort im Video: Mainz, zweite Station der Experience-Tour
  • Markenphilosophie: "Spirito in Movimento"
  • Fahrzeug im Praxistest: IVECO S-WAY mit Bio-LNG-Antrieb und 500 PS
  • Neue Technik: Highway-Pilot mit Spurführungsunterstützung im Modelljahr 2026
  • Werkstattinnovation: Tabletgestützte digitale Visualisierung zur Lokalisierung von Bauteilen und Fehlerstellen
  • Praxisbeispiel Bio-LNG: Spedition van Mark betreibt sieben S-WAY mit Bio-LNG im Zweischichtbetrieb
  • Bio-LNG-Kosten: 55 Cent pro Kilogramm durch langfristige Verträge laut Spedition van Mark
  • Genannte Ersparnis: Rund 3.500 Euro pro Fahrzeug und Monat gegenüber Diesel-Lkw laut Spedition van Mark
  • Diesel-Praxisbeispiel: Spediteur Keno Veith berichtet von 21 bis 23 Litern pro 100 Kilometer bei seinen S-WAY
  • IVECO Deutschland: Vorstandsvorsitzender Christian Sulser betont persönliche Erreichbarkeit und Kundenbindung als Wettbewerbsvorteil
Mehr Details