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VW Amarok Canyon 2,0 TDI: Auf die harte Tour

Lifestyle-Auto oder kerniger Allradler – was ist das Sondermodell VW Amarok Canyon tatsächlich? Wir haben abseits befestigter Straßen die Probe aufs Exempel gemacht.

Dort in Chamonix, wo sonst Skifahrer mit dem Lift hingelangen, wollen wir mit dem Pick-up hin. Aber von wegen schöner Blick auf den nahen Mont Blanc, von ihm ist heute nichts zu sehen. Strömender Regen schränkt die Sicht ein. Das und der tauende Schnee haben das ohnehin unwegsame Gelände noch unzugänglicher gemacht. Das sollte aber für einen gestandenen Allrad-Pick-up wie den Amarok kein Problem sein oder ist das optisch deutlich aufgepeppte Sondermodell Canyon nur ein schnödes Lifestyle-Auto?

Offroad-Modus per Knopfdruck

Also flugs den Motor gestartet. Der 103 kW (140 PS) starke Vierzylinder brummt sonor. Den Gang eingelegt, den Offroad-Modus per Taster am Schalthebel des manuellen Sechsgang-getriebes aktiviert. Das konditioniert ASR und ABS entsprechend des zu erwartenden losen Untergrunds. So blockiert beispielsweise ABS im Offroad-Betrieb zunächst, um aus dem Schotter vor den Rädern einen Keil aufzuschieben, der dann beim Bremsen mithilft. Das soll den Bremsweg auf losem Grund verkürzen.

Aber nun geht’s los. Mühelos zieht der mit einem permanenten Allradantrieb (Kraftverteilung 40 : 60) ausgestattete Amarok im Ersten die Schotterpiste nach oben. Zweiter Gang und Fahrt aufgenommen. Da tauchen die ersten tiefen Furchen im schlammigen Untergrund auf. Doch der Pick-up lässt sich mühelos und erstaunlich präzise auf Kurs halten.

Fahrwerk federt komfortabel auch im Gelände

Dann stürzt er in die ersten tiefen Schlaglöcher. Das Fahrwerk schluckt die Stöße recht komfortabel, die Sitze verleihen dem Fahrer sicheren Halt. Vor dem nächsten Hügel der erste Test des Berganfahr-Assistenten. Tatsächlich: Es ist keine große Kunst, die stecken gebliebene Fuhre wieder vorwärts zu bewegen. Ein Neigungssensor erkennt die Steigung, erst ein ausreichendes Anfahrmoment löst die Bremse. Unkontrolliert Abrutschen kann der Amarok so nicht.

Steil ragt nun die Motorhaube gen Himmel, gleich geht’s das erste Mal bergab. Und wie! Doch der befürchtete heftige Aufprall bleibt aus. Das blinkende Offroad-Licht im Drehzahlmesser signalisiert: Der Amarok hält selbsttätig die Geschwindigkeit. Dazu betätigt der Assistent automatisch die Betriebsbremse. Das funktioniert laut Marc Andresen, Fahrwerksexperte bei VW Nutzfahrzeuge, ab fünf Prozent Steigung beziehungsweise Gefälle und zwischen 2 und 30 km/h sowie im Vorwärts- und Rückwärtsgang.

Mit einem Tritt aufs Gas kann der Fahrer das System überstimmen. Ein leichter Gasstoß und die Geschwindigkeit lässt sich gerade so weit erhöhen, dass man sich noch sicher fühlt. Verschalten ist auch kein Problem. Selbst im Leerlauf  hält der VW das eingestellte Tempo. Damit  ist selbst so unwegsames Gelände wie dieses hier in Megève von Flachland-Tirolern zu bezwingen.

Sondermodell mit schicker Optik

Nach einer knappen halben Stunde ist es vorbei. Der Amarok ist völlig verschlammt, aber ohne Schramme wieder im Tal angekommen. Schade eigentlich. Nicht einmal das Hinterachsdifferenzial (Option: 580 Euro) kam zum Einsatz. Ein Riesenspaß war der Ritt trotzdem, gerade weil der Amarok auch als Canyon nach wie vor ein robuster Allradler ist. Lifestyle sind indes die schick in "Kupferorange" (Copper-­Orange) abgesetzten, "mondgesteinfarbenen" (Moon-Rock) Teillederbezüge, schwarze Schwellerrohre, abgedunkelte Rücklichter, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen (bloß nicht verkratzen), der ­teillackierte Design-Unterfahrschutz und die hochwertige Ausstattung.

Dass die Aussicht hinterm Regenvorhang nur bescheiden war, spielte am Ende keine ­Rolle mehr. Für den Blick auf den Mont Blanc war ohnehin keine Zeit.

Fazit: Eine Motorleistung von 103 kW (140 PS) reicht dem Solofahrzeug für souveräne Fahrleistungen auf- und abseits befestigter Straßen – ein echtes Allradfahrzeug für imagebewusste Inhaber von Gartenbaubetrieben.

Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

Autor

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Thomas Rosenberger

Datum

5. September 2013
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