Stahl-Halbmulden im Vergleich 10 Bilder Zoom

Vier Stahl-Halbrundmulden im Vergleich: Einer für Alles

Kippauflieger für wechselnde Einsätze gesucht – lastauto omnibus war in der Kiesgrube und hat Fahrzeugen von Fliegl, Kögel, Meiller und Schmitz Cargobull auf die Kippwelle gefühlt.

Die Finanzierung steht, der Auftraggeber ist gefunden – wenn ein Unternehmer sich in der Baubranche als zuverlässiger Transporteur etablieren will, ist das eine gute Ausgangssituation. Was noch fehlt, sind die geeigneten Fahrzeuge. Je nach Aufgabe ist nicht jeder ­Sattelkippauflieger gleichermaßen geeignet. Wer etwa zu den Auftragnehmern von Stuttgart 21 gehört, der kann sich für eine längere Zeit auf den Transport von Erdaushub spezialisieren und seine Fahrzeuge entsprechend ausstatten.

Wer aber nur auf die Sicht von einem oder zwei Jahren planen kann, der sollte beim Fahrzeugkauf auf Flexibilität Wert legen. Eine möglichst hohe Nutzlast und dennoch maximale Stabilität und Haltbarkeit sind da gefragt. Doch wer bietet die eierlegende Wollmilchsau an? Fliegl, Kögel, Meiller und Schmitz Cargobull (SCB) sind angetreten, um dem imaginären Unternehmer eine Lösung anzubieten.

Klare Vorgaben vor dem Test

Größe und Form der Mulde waren vorgegeben – eine Stahl-Halbrundmulde mit 24 Kubikmeter Volumen sollte es sein. Damit ist das Fahrzeug ausreichend dimensioniert, wobei Erdaushub, Kies oder Sand die Wanne bei dieser Größe nur zu rund drei viertel füllen. "Solche Fahrzeuge sind zu 90 Prozent auf der ­Straße unterwegs und zu zehn Prozent im Gelände", sagt der Vorstandssprecher der Abbruchunternehmer, Johann Ettengruber, der den Test begleitet.

Das Testfahrzeug von Fliegl tritt mit einem Volumen von 25 Kubikmetern an, einem Kubikmeter mehr als die Wettbewerber. Das befindet sich noch in der Toleranz, wirkt sich aber negativ aufs Leergewicht aus. Dennoch liegt es mit 5.680 Kilogramm erstaunlich niedrig. Kögel kommt auf 6.220 Kilogramm und Meiller mit weiteren 120 Kilo auf den höchsten Wert. Nur das Fahrzeug von SCB baut leichter als der Fliegl und ist mit 5.640 Kilo Leergewicht der Nutzlastriese im Feld.

Hohe Nutzlast, wellige Seitenwand

Woran das liegt, ist auf den ersten Blick sichtbar. SCB ist zum Test bei der Münchner Kiesunion mit einem Leichtbaufahrzeug angetreten mit nur vier Millimeter dickem Boden und Wandstärken von 3,2 Millimetern. Das bringt ­einiges an Nutzlast, führt aber schon vor der ersten Beladung zu einer welligen Seitenwand. "Das Fahrzeug ist gut für lange Strecken mit wenigen Kippvorgängen wegen seiner hohen Nutzlast", erklärt Ettengruber.

Das Fahrzeug sei eine gute Wahl für ein vierjähriges Leasing, wobei ­Ettengruber die Grenze der Leichtbauweise mit immer dünneren Wandstärken beim SCB-Kipper erreicht sieht. Weniger Gefahr für Verformungen gibt es hingegen bei den drei Wettbewerbern, die alle auf fünf Millimeter starke Böden setzen und an den Seitenwänden vier Millimeter dickes Stahlblech – in der Regel Hardox 450 – verbauen. Das bietet alltagstaugliche Abriebreserven.

Auch bei der Bauweise ist SCB weniger stabil

Die Qual der Wahl hat der Unternehmer auch bei der Bauweise des Aufbaus. Während bei den Mulden von Fliegl und Meiller Boden und Seitenwände überlappend verschweißt sind, verbindet SCB die Bauteile stumpf auf Stoß, schweißt also Blech an Blech. Letzteres verspricht weniger Haltbarkeit.

Kritisch sieht Ettengruber auch die Verbindung von Seitenwand und Boden beim Kögel-Trailer. Kögel verschraubt die drei Stahlteile miteinander. Das bietet zwar Vorteile beim Austausch von beschädigten Wänden, setzt aber voraus, dass die Mulde kaum verformt ist. Andernfalls sind die Schraublöcher nur noch schwer in Deckung zu bringen. Erfahrungswerte gibt es dazu nur wenige. Kögel hat erst im vergangenen Jahr die Produktion von Kippern wieder aufgenommen.

Fliegl mit eigener Muldenform

Fliegl geht dafür bei der Form der Mulde eigene Wege. Das Unternehmen setzt auf einen tiefer-liegenden Schwerpunkt mithilfe von niedrigen Seitenwänden und einer bauchigeren Muldeform, die der Hersteller als Fassform bezeichnet. So ist der Trailer mit Abstand das niedrigste Fahrzeug im Feld. Zudem setzen die ­Ingenieure am Kippauflieger aerodynamische Konzepte um. Dazu gehören abgeschrägte Kanten an der Stirnwand und am Heck ebenso wie eine zur Stirnwand hin sich verjüngende Muldenbreite.

Nebenbei sorgt diese Muldenform in Kombination mit der Penta-Hydraulik für eine überzeugende Performance beim Abkippen. Nach nur 39 Sekunden ist die Ladung komplett durch die Pendelklappe gerutscht. Leider stellt sich beim Fliegl-Trailer nach dem ersten Abkippen des aufgeladenen Kies heraus, dass die untere Kante der Stirnwand vom Ladungsgewicht stark auf den Rahmen gedrückt wurde. "Das kann im harten Einsatz schnell zu aufgebrochenen Schweißnähten zwischen Stirnwand und Wannenboden führen", sagt Praktiker Ettengruber.

Meiller ist Abladekönig

Schneller als Fliegl lädt nur der Meiller ab. Der Kipper aus München ist an der Abladestelle rund fünf Sekunden früher fertig. Bei Kögel dauert das Abladen fast 20 Sekunden länger. Schlusslicht ist der Leichtbaukipper von Schmitz mit 59 Sekunden, der als Einziger im Testfeld eine Niederdruck-Hydraulik verbaut hat. "Meiller hat die hochwertigste Hydraulik im Feld", erklärt Ettengruber. Wobei die Penta-Hydraulik am Fliegl-Trailer sich auch sehen lassen kann.

Neben der Hydraulik schauen die Tester beim Abkippen auch genau auf die Konstruktion von Kippwelle und Lager. Fliegl, Kögel und SCB setzten Messingbuchsen im Kipplager ein. Die stehen in Sachen Haltbarkeit hinter der Stahl-Stahl-Konstruktion von Meiller an. Drei der vier Testfahrzeuge setzten Kippwellenlager mit einem Durchmesser von 120 Millimetern ein. SCB spart Gewicht und verbaut eine 90-Millimeter-Variante. Ob das auf Dauer hält, beurteilt Etten­gruber kritisch. Eine Welle mit 120 Millimetern schaffe mehr Vertrauen in die Stabilität, sagt er.

Solide Mulde auf solider Basis

Ein stabiles Fahrzeug braucht eine solide Basis. Die stabilste Kippwelle, die beste Hydraulik und die hochwertigste Mulde sind wenig wert, wenn die Rahmenkonstruktion nicht die nötige Steifigkeit bietet. Bei der Ausrichtung der beiden Längsträger geht der Trend generell zu einer nach vorne hin verjüngenden Bauweise. Das spart Gewicht, stellt aber hohe Anforderungen an die Statik. Besondere Erwähnung verdient hier die Meiller-Konstruktion. Alle verwindungsintensiven Punkte am Rahmen sind verstärkt. "Die Schmetterlingsbleche am Rahmen sorgen für eine großflächige Kraftverteilung", erläutert Ettengruber. Und das ist selbst beim Fahren spürbar. Im beladenen Zustand verhält sich der Meiller-Aufbau in Kurven um einiges ruhiger als der Wettbewerb.

Dennoch gelingt es dem Fahrzeug von Fliegl den besten Gesamteindruck beim Fahren zu hinterlassen. Er lässt sich dank einer harmonischen Abstimmung des Fahrwerks und dem niedrigen Schwerpunkt mit und ohne Beladung auf allen Untergründen gut fahren. Während der Meiller bei voller Beladung noch den besten Eindruck macht, liegt er bei der Leerfahrt hinter Fliegl mit SCB gleichauf. Die Fahrzeuge von Meiller und Schmitz sind leer auf schlechten Strecken unruhiger und deutlich hörbar. Das Fahrzeug von Kögel bereitet beim Fahren ohne Beladung am wenigsten Freude aufgrund zahlreicher ­Geräuschherde an Mulde und Anbauteilen.

Wer rollt am weitesten?

Ein günstiger Rollwiderstand spart Sprit – zu den Tests gehört daher auch das Ausrollen aus Tempo 20. Der zurückgelegte Weg gibt Aufschlüsse über die Fahrwiderstände. Der Fliegl-Auflieger kommt bei 112 Metern zum Stehen und schafft so rund zehn Meter weniger als der Wettbewerb. Das lässt auf Potenzial bei der Spureinstellung der Trailerachsen schließen. Auch die Art der Bereifung leistet ihren Beitrag zum Rollwiderstand. Eine weitere Ursache für eine kurze Rollstrecke ist die Achslastverteilung.

Die hinteren Plätze beim Ausrollen belegen die Fahrzeuge, die die Antriebsachse der Zugmaschine am wenigsten beanspruchen – Fliegl und SCB. Bei beiden liegt das Gewicht auf der Antriebsachse mindestens 600 Kilo unter dem von Kögel und Meiller. Da die zweiachsige Zugmaschine einen geringeren Rollwiderstand als der dreiachsige Auflieger hat, sind die Gesamtzüge im Vorteil, die die Achslast der Sattelzugmaschine so weit wie möglich ausnutzen, also nahe an die auf der Antriebsachse erlaubten 11,5 Tonnen herankommen.

Blick in die Mulde

Überschreiten sollten Transporteure die zulässige Achslast nicht, denn das kann teuer werden. Deshalb schadet – beispielsweise nach einer Vollbremsung – ein gelegentlicher Blick in die Mulde nicht. Denn wenn die Ladung nach vorne rutscht, ist die Achslast am Zugfahrzeug schnell zu hoch. Vor dem Blick in die Mulde steht der Aufstieg zum Rand. Bei den Testfahrzeugen von Kögel und Fliegl fällt der dank Bedienstand leicht. Den haben beide Hersteller verbaut, da sie an den Testfahrzeugen die Ladung mit einer konventionellen Rollplane sichern.

Wesentlich heikler ist der Aufstieg bei SCB und bei Meiller. Beide Hersteller setzten beim Test auf ein elektrisches Verdeck. Das spart dem Fahrer Zeit und zwingt ihn seltener an den Rand der Mulde. Aber wenn doch, dann muss er über eine Leiter aufsteigen. Bei Meiller ist eine mobile Leiter praxisuntauglich am Rahmen angebracht und damit jedem Dieb zugänglich. SCB hingegen hat eine Leiter mit der Mulde verschraubt, die Höhe der ersten Stufe aber so gewählt, dass selbst ­große Fahrer ihre liebe Mühe beim Aufstieg haben.

Kabel und Leitungen auf und unter der Mulde

Dennoch ist das elektrische Verdeck – das auch Fliegl und Kögel im Angebot haben – die bessere und vor allem sicherere Wahl, vorausgesetzt, es gibt eine praxisnahe Lösung, um die Ladung zu kontrollieren. Das Schließen auf Knopfdruck ist nicht nur sicherer, sondern bringt knapp zwei Minuten Zeitvorteil gegenüber der Handarbeit – und Zeit ist schließlich Geld.

Viel Geld sparen lässt sich im Transportgewerbe aber, wenn Fahrzeuge rollen und nicht liegen bleiben. Deshalb lohnt sich beim Trailerkauf immer ein Blick unters Fahrzeug. Bei der Installation von Kabeln und Leitungen gibt es durchaus Unterschiede. Auch die Position von manchem sensiblen Bauteil ist gelegentlich unglücklich gewählt. So ist am Meiller-Kipper der Bremszylinder an der BPW-Achse das am niedrigsten verbaute Teil überm Boden. "Diese Achse würde ich nicht kaufen", betont Ettengruber. Er würde auf die trommelgebremste Achse von BPW ausweichen. Wer Scheibenbremsen möchte, könnte in Richtung Offroad-Achsen tendieren, wie sie Fliegl von SAF verbaut.

Wie gut sind die Leitungen geschützt?

Ebenfalls etwas unglücklich gelöst ist die Kabelführung am Kögel-Trailer, etwa die der Luftleitungen zu den Bälgen des Achslifts. Diese sind – wie die Bälge selbst auch – ungeschützt zum Boden hin. Ein Winkelblech, wie es Fliegl an dieser Stelle einsetzt, schafft Abhilfe. Fliegl hat sich bei der Verkabelung und Verrohrung unter Boden viel Aufwand getrieben. SCB und Meiller stehen den Konstrukteuren aus Triptis hier in nichts nach. Kantenschutz, gepolsterte Durchführungen am Rahmen und ein klar erkennbares Konzept bei der Leitungsführung machen bei allen drei einen hochwertigen Eindruck.

Fazit: So schneiden die Kandidaten ab

Das Fazit: Der Fliegl-Trailer hat sich im Test gut präsentiert und vor allem bei den Fahreigenschaften überzeugt. Zudem kommen von den Konstrukteuren aus Triptis einige zukunftsweisende Ideen wie die bauchige und trotzdem aero­dynamische Muldenform. Das Gesamtbild des Fliegl-Kippers hat durch die Druckstellen an Stirnwand und Rahmen aber Schaden genommen, andernfalls hätte der Auflieger durchaus Chancen auf den Testsieg gehabt.

Aus dem Hause Kögel reiste ein Exot zum Test an. Mit dem Boden verschraubte Seiten­wände der Mulde sind einzigartig auf dem Markt. Wie gut sich dieses System bewährt, wird erst die Zukunft zeigen. Dafür kommt der KTL-Korrosionsschutz der Mulde sehr gut an. Wenig glücklich waren die Tester mit den Detaillösungen von Kögel. Dem Hersteller gelingt mit dem Kipper ein achtbarer Neustart in der Baubranche, auch wenn es noch nicht fürs oberste Treppchen reicht.

"Der Meiller-Auflieger ist ein wahrer Alleskönner", sagt Ettengruber. Dem kann die Redaktion nur zustimmen. In Sachen Verarbeitung macht ihm im Testfeld keiner etwas vor. Nachbessern kann Meiller bei der Geräuschkulisse, die seine Anbauteile verursachen. Auch den Einsatz der verbauten BPW-Achsen im Gelände sollte der Hersteller überdenken. Alles in allem überzeugt der Kipper von Meiller aber beim Test. Hochwertige Verarbeitung paart sich mit der nötigen Stabilität. So hat sich der Meiller-Kipper die Kaufempfehlung verdient.

Marktführer SCB ist mit einem Spezialisten zum Test angereist. Der macht eine gute Figur bei Einsätzen im nutzlastintensiven Bereich. Sehr schön gelöst sind Verkabelung und Verrohrung am Fahrzeug. Unschön sind die bereits bei Testbeginn welligen Seitenwände des Trailers, deren Wandstärken einem gelegentlich gröberen Einsatz wohl nicht lange standhalten. So kommt der Leichtbau-Kipper im Wettbewerb der Allrounder am Ende nicht bis ganz nach oben.

Die Vorgaben für die Fahrzeughersteller

Am Anfang jeden Tests steht die Ausschreibung. Dabei gibt die Redaktion den Herstellern vor, wie die Testfahrzeuge ausgestattet sein müssen. Für diesen Test war die entscheidende Maßgabe, dass der Kippauflieger flexibel einsetzbar sein sollte. Hohe Nutzlast für den Transport von Baustoff und Schüttgut sollte sich paaren mit der nötigen Stabilität für gelegentlich gröbere Ladung. Zudem sollte das Fahrzeug Transporten im milden Gelände bei maximaler Auslastung der 24 Kubikmeter großen Stahl-Halbrundmulde standhalten.

Außerdem war eine Pendelklappe gefordert und die Sicherung der Ladung sollte über eine Plane, manuell oder elektrisch betätigt, erfolgen. Weiter stand ein Bedienstand im Lastenheft. Der dreiachsige Kippauflieger sollte sich über ein Smartboard bedienen lassen. Nicht alle Hersteller konnten alle Vorgaben erfüllen, was die Redaktion in der Bewertung berücksichtigt hat.

Der Experte

Der Abbruchunternehmer Johann Ettengruber leitet seit den 80er-Jahren den elterlichen Entsorgungs- und Abbruchbetrieb. Der gelernte Landmaschinenschlosser ist zudem Vorstandssprecher des deutschen Abbruchverbands. Bei der Auswahl seiner Kippfahrzeuge setzt er vor allem auf Haltbarkeit. Am Ende sieht er – wie die Redaktion auch – den Meiller-Kipper auf dem obersten Treppchen.

Portrait

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

1. Oktober 2013
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Monique Müller, Anwältin in den Bereichen Zivilrecht und Familienrecht Monique Müller Anwältin Zivilrecht und Familienrecht
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