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Toyota Proace 2.0 D 4D 5 Bilder Zoom
Foto: Karl-Heinz Augustin

Toyota Proace 2.0 D 4D

Kleine Überraschung

Der Hiace ist tot, es lebe der Proace. Ob es den Japanern gelungen ist, dem Transporter auf Basis des Fiat Scudo eine eigene Note zu verleihen, zeigt die erste Nagelprobe.

Es sind wohl keine Überraschungen zu erwarten – so lauteten die Vermutungen in der Branche, schon als Toyota den Proace im vergangenen Jahr präsentiert hat. Der Transporter war auf den ersten Blick deutlich als Fiat Scudo zu erkennen. Er trat im selben Gewand wie Peugeot Expert, Citroën Jumpy und das italienische Vorbild auf. Allein das Markenzeichen auf der Motorhaube weist den Proace als Toyota aus – Badge Engineering also. Ansonsten gab‘s am bekannten Blechkleid keine Änderungen.

Toyota zeigt sich erst im Innenraum

So viel zu den Äußerlichkeiten. Doch gilt das genauso für sein Innenleben oder ist es zumindest dort gelungen, dem Proace ein Quäntchen eigene Identität zu verleihen? Genau dort finden sich tatsächlich Unterschiede. Denn Toyota bietet den Kastenwagen, der zum ersten Test mit langem Radstand und niedrigem Dach vorfuhr, mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe an. Auf genau diese Spezifikation der Karosse ist der Kunde festgelegt, wenn er sich gegen den Handschalter entscheidet.

Doch damit nicht genug. Er wählt mit Bestellung des Automaten auch die Motorisierung aus. Das Getriebe ist nur in Kombination mit dem großen Motor zu haben, der ebenfalls dem 
Scudo-Programm entliehen ist. Satte 163 PS 
(120 kW) leistet das rund zwei Liter große Aggregat. Dabei liegen maximal 340 Newtonmeter an der Kurbelwelle an. Das bedeutet guten Vortrieb in allen Fahrsituationen, auch bei maximaler Zuladung von 890 Kilogramm.

Automatik bietet auch manuellen Modus

Wer das Schalten nicht der Automatik überlassen will, kann den Proace mit handgerissenem Sechs-Gang-Getriebe ordern. Die Automatik macht ihre Sache auch unter hoher Last gut. Ohne größere Zugkraftunterbrechungen geht das Getriebe spielend durch die sechs Stufen. Lediglich bei einem sensiblen Gasfuß wünscht sich der Fahrer schnellere Wechsel in höhere Gänge. Das würde den Verbrauch schnell um ein paar Prozent senken.
Wer dieses Problem erkannt hat, kann im Sinne des Spritsparens auf manuelle Gangwahl wechseln. Dazu bewegt der Fahrer den Automatik-Wählhebel von der Fahrstellung aus über einen Widerstand hinweg nach links. Dann lassen sich die Gänge nach Bedarf vorwählen.

Auf der Testrunde verbraucht der Proace mit manuellem Gangwechsel beim Beschleunigen 8,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Im reinen Automatikbetrieb liegt er rund einen Liter darüber. Beide Werte sind bei voller Zuladung gerade so akzeptabel. Im Zeitalter von 3,5-Tonnern, die sich mit weniger als sieben Litern bewegen lassen, ist aber noch Luft nach unten.

Da die Testrunde unter anderem über Serpentinenstraßen im Schwarzwald führt, muss der Proace auch seine fahrdynamischen Qualitäten unter Beweis stellen. Hier kann er seine Herkunft nicht leugnen. Wie beim Scudo empfehlen sich keine stärkeren Beschleunigungsmanöver in Kurven. Andernfalls schiebt die Vorderachse aus der Kehre. Dagegen kann auch die serienmäßig verbaute Stabilitätskontrolle VSC im ersten Moment wenig unternehmen.

Bequeme Sitze ohne Seitenhalt

Abgesehen von den kleinen Schwierigkeiten bei der Fahrdynamik ist der Proace ein verlässlicher Kollege im Arbeitsalltag. Das Gestühl ist auch auf langen Touren bequem, allerdings müssen Fahrer und Beifahrer auf Seitenführung nahezu komplett verzichten.
Die Fahrgastzelle offeriert zudem reichlich Raum für den täglichen Bedarf. Für unsortiertes Archivieren bietet eine riesige Ablage auf 
der Beifahrerseite beinahe unbegrenzten Raum. Sollte der wider Erwarten doch einmal eng werden, finden sich über Kopf weitere Ablagemöglichkeiten.

Ebenso praxistauglich wie die Kabine ist der Laderaum. Der Abstand zwischen den Radkästen reicht für eine Europalette quer. Bei einer Länge von knapp 2,6 Metern finden so drei genormte Ladungsträger Platz. Allerdings sollten zwischen den Paletten und dem Boden Antirutschmatten liegen. Sonst könnte sich die Ladung beim überschaubaren Reibwert des Untergrunds neu anordnen.

Toyota liegt preislich leicht unter dem Fiat

Der Toyota Proace verfügt also über alle Vorteile des Fiat Scudo für den Arbeitsalltag und schafft mit dem Automatikgetriebe noch ein wenig eigene Markenidentität. Gegen die Schwächen des Basisfahrzeugs hat Toyota allerdings nichts unternommen. So hätten die Japaner beim Kurvenverhalten und der Seitenführung der Sitze durchaus nachlegen können. Vielleicht gelingt das ab 2016. Nach ersten eigenen Bekundungen will Toyota dann feste am Nachfolger des sogenannten Eurovans mitentwickeln.

Flottenbetreiber, die mit spitzem Bleistift rechnen, dürfen sich aber heute schon freuen. Mit einem Nettopreis von 28.790 Euro in der Ausstattungsvariante Life inklusive Klimaanlage, Tempomat, Berganfahrassistent und Traktionskontrolle TTS liegt der Toyota sieben Prozent unter dem italienischen Bruder. Das ist dann zumindest noch eine kleine Überraschung.

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20. März 2014
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