Präsentation Renault Trucks T 440 neuer Motor Common-Rail 7 Bilder Zoom

Renault Trucks T: Flaggschiff mit Common-Rail-Motor ausgerüstet

Renault Trucks hat das Flaggschiff T mit überarbeiteten Motoren und dem GPS-unterstützten Optivision-Tempomaten aufgefrischt.

Es ist das gewöhnungsbedürftige Design des T, mit dem Renault vor drei Jahren manchen Kunden aufgeschreckt hat. Dabei müssten sie es doch gewöhnt sein. Konformismus war noch nie die Sache der Franzosen – angepasst, das sind die anderen. Inzwischen hat sich das markante Gesicht des T etabliert und lockert das Straßenbild auf. Nun beginnen die Franzosen mit der Detailarbeit. So haben sie jetzt das Eigengewicht des Fahrzeugs optimiert. Ein Dachspoiler ohne stählernes Verstellgestänge, das macht 24 Kilogramm weniger. Leichtere Tank- und Federungsaufhängungen sowie abgespeckte Vorder- und Hinterachse tragen weiter dazu bei, die Nutzlast zu steigern. Renault spricht je nach Modell von insgesamt 90 Kilo (Standard-Zugmaschine) bis zu 144 Kilo (Tank-Silo) an Einsparungen.

Ihr Scherflein zur Diät tragen auch die neuen 11- und 13-Liter-Motoren bei, die ab sofort unter dem T-Haus zum Einsatz kommen. Ebenso wie bei der Konzernverwandtschaft Volvo Trucks wurde nach dem 11-Liter nun auch der 13-Liter-Sechszylinder auf Common-Rail-Einspritzung umgestellt. Zum einen, um weiteres Spritsparpotenzial in Höhe von insgesamt zwei Prozent zu erschließen, zum anderen, um die ab Jahresende geltende Euro-6C-Norm darzustellen.

Hörbar gesenktes Geräuschniveau

Der 13-Liter-Sechszylinder arbeitet nun mit 2.000 bar Einspritzdruck. Als 440er bietet er einen weitgehend konstanten Leistungsverlauf von 1.400 bis 1.800 Touren und das Drehmomentmaximum von 900 bis 1.400/min. Die Abgasrückführung wird ebenso wie bei Volvo nur bei Kaltlaufphasen eingesetzt, um die Abgastemperatur zu erhöhen. Eine siebte Einspritzdüse im Abgaskanal verwendet Renault, um im Bedarfsfall die Abgasreinigung zusätzlich anzupassen. Bei der ersten Testrunde mit dem neuen Triebwerk fällt auf, dass das Geräuschniveau hörbar gesenkt wurde. Der T 440 hängt zudem sämig am Gas und bereitet auf den Autobahnen rund um Lyon Fahrfreude. Dazu trägt ebenso die wichtigste Neuheit im Modelljahr 2016 bei. Lange mussten die Kunden warten, nun bekommen sie endlich den GPS-Tempomaten Optivision serviert.

Wie alle wichtigen Bauteile am Renault-Antriebsstrang ist auch der Tempomat eine Adaption der Komponente aus dem Volvo FH, bei dem das System unter I-See firmiert und nach einem eher holprigen Start heute gut funktioniert. Das Debüt wurde getrübt, weil der GPS-Tempomat von Volvo im Gegensatz zu anderen Systemen nicht auf Onboard-GPS-Daten, sondern auf "erfahrene" Streckendaten zurückgreift, die inzwischen in großer Menge in der Daten-Cloud lagern. Renault Trucks hat diese Technologie übernommen und darauf seine nicht ganz selbsterklärende Philosophie aufgesetzt. Beim Franzosen kann man über einen etwas umständlichen Tasten-Dreisprung von Drehregler und Einstellwalze am Lenkrad zwischen drei Fahrprogrammen wählen, deren Hysteresen fest gesetzt sind.

Umgang mit Optivision und Optiroll erfordert Übung

Das Einstellen von Unter- und Überschwinger zur am Tempomaten gesetzten Geschwindigkeit fällt also flach. Aus den drei fix gesetzten Tempomanagement-Angeboten stellt sich das mittlere mit einem Marschtempo von 85 km/h als probateste Einstellung heraus. Die beiden weiteren Programme ergeben ein Marschtempo von 82 km/h beziehungsweise 90 km/h. Auf den langgezogenen Autobahnsteigungen Richtung Grenoble muss das System beweisen, dass es einem guten Fahrer ebenbürtig ist. Optivision wählt den Weg des hohen Anfahrtempos, um die Steigung möglichst schaltunterbrechungsfrei zu bewältigen. Die Strategie ist deutlich Tempo-orientiert. Damit dürfte man aber nicht immer am wirtschaftlichsten unterwegs sein.

Kurz vor dem Gipfel der Steigung scheint der 40-Tonner dafür am Verhungern. Der Mix zwischen sehr schnellem Einfahren und sehr langsamem Klettern ist gewöhnungsbedürftig. Nach ein paar Stunden Fahrzeit erkennt man zunehmend die "Denkweise" von Optivision, wünscht sich aber immer noch etwas mehr individuelle Einstellmöglichkeiten. Als solider Mitspieler im Spritsparbemühen des Renault T zeigt sich der Getriebefreilauf Optiroll. Er schaltet sich in hügeligen Ebene zuverlässig zu und lässt den Lastzug möglichst lange rollen, bis der Sechszylinder wieder einkuppelt. Der Einsatz in schwerer Topografie fällt dem Freilauf schwerer. Kurz: Der Umgang mit Optivision und Optiroll ist nicht trivial, sondern erfordert Übung. Insgesamt mutet die Technologie also ebenso eigenwillig an wie das Design des Fahrzeugs.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 12/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

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Oliver Willms

Datum

30. November 2016
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