Renault Kangoo ZE 7 Bilder Zoom

Ökotransporter Renault Kangoo Z. E.: Elektroauto im Dauertest

Kann man mit begrenzter Reichweite leben? Wie praxistauglich ist ein E-Auto? Ein Jahr und rund 9.000 Kilometer mit dem Renault Kangoo Z. E. liefern erstaunliche Ergebnisse.

Als der blaue Renault Kangoo Z. E. seinen Dienst als Dauertestwagen in der Redaktion antrat, war das Interesse der Kollegen groß. Wie weit kommt man? Wie kann man ihn laden? Wie funktioniert er bei Kälte? Und vor allem: Wie fährt er? Zumindest der letzte Punkt ist schnell abgehakt. 60 PS und 20 Sekunden von 0 auf 100 km/h hören sich zwar nicht nach einem Dynamikwunder an, genügen aber im Alltag völlig.Denn E-Autos bringen volle Leistung und Drehmoment aus dem Stand heraus. Entsprechend munter geht’s mit dem Franzosen vorwärts. Das reizt zum häufigen Kickdown. Doch, und das war die zweite Erkenntnis des Dauertests, zu wild sollte man es nicht treiben. Sonst kann man der Nadel der Ladeanzeige förmlich zuschauen, wie sie sich gegen null bewegt.

Extreme Temperaturen, Fahren mit Heizung oder Klimaanlage nagen ebenso an der Reichweite wie der unkontrollierte Umgang mit dem Strompedal. 170 Kilometer soll der Stromer laut Renault mit einer vollen Batterie schaffen. Unsere Realität liegt deutlich darunter. Trotzdem, und das ist die dritte Erkenntnis, blieb niemand mit dem Auto liegen.

Verlässliche Reichweitenanzeige, aber nur 143 erreichte Kilometer

Auf die Reichweitenanzeige kann man sich verlassen, zumal sie immer wieder nachkorrigiert. Kurz bevor dann gar nichts mehr geht, schaltet der Kangoo Z. E. ins Notprogramm, kämpft sich mit stark verringerter Leistung über die letzten Kilometer an die nächste Steckdose. Wie weit man mit dem Elektro-Kangoo kommen kann, zeigte eine Versuchsfahrt über genau 143 Kilometer. Die geplante Tour ging vom Verlagsgebäude in Stuttgart-Vaihingen aus auf die Schwäbische Alb. Bei zehn Grad Celsius und einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h (Land- und Schnellstraße) gibt Renault die Reichweite nur noch mit 80 Kilometern an. Unserer Landausflug lief unter leicht abgewandelten Vorzeichen: Land-/Schnellstraße bei ­einer Höchstgeschwindigkeit von lediglich Tempo 80, die Außentemperatur lag aber bei 13 Grad.

Vor dem Start interessierte uns noch das Gewicht, mit dem wir unterwegs waren. Es ging auf die Waage. Leer und ohne Fahrer wog der Kangoo Z. E. 1.446 Kilogramm. Das zulässige Gesamtgewicht liegt laut Fahrzeugschein bei 2.126 Kilogramm. Bleibt eine Nutzlast von 680 Kilo. Fahrer und Beifahrer, leichtes Gepäck sowie ein Hund samt Transportbox ergaben eine Zuladung von insgesamt 192 Kilogramm, also etwas mehr als 28 Prozent der möglichen Gesamtnutzlast.

Lieferwagen kämpft sich auf die Albhochfläche

Durch den Ortsverkehr rollte der Z. E. von Kreuzung zu Ampel, die Bremse blieb, so weit möglich, unbetätigt. Dann ging es auf die Schnellstraße. Der Gasfuß "fror" bei Tempo 80 ein. Selbst nach einer Distanz von 20 Kilometern zeigte sich die Stromverbrauchsanzeige im linken Instrument noch erstaunlich nachsichtig.

Auf dem leicht hügeligen Abschnitt bis zum Albaufstieg hinter Bad Urach war es dann aber langsam aus mit der Genügsamkeit. Obwohl der Z. E. immer wieder auf den leicht abschüssigen Strecken fast ohne Stromverbrauch lief, bewegte sich der Zeiger der Verbrauchsanzeige  stramm Richtung 75 Prozent Ladung. Bis sich der Lieferwagen auf die Albhochfläche gekämpft hatte, war die Stromreserve unter 60 Prozent geschmolzen. Auf der anschließend kontinuierlich abfallenden Strecke ins Lautertal reduzierte sich der Verbrauch aber wieder. Am Ziel angekommen, lag die Anzeige schließlich nur noch unwesentlich über 50 Prozent Restenergie. Auf der Rückfahrt zeigte sich dann, dass sich der Z. E. nur einen winzigen Teil der zuvor in den Aufstieg investierten Energiemenge zurückholen konnte. Als wir in das Verlagsgelände einbogen, reichte der Zeiger bis tief in den roten Reservebereich. Zeit für einen Stopp an der Steckdose!

Das Laden klappt völlig unkompliziert

Geladen wird der Kangoo Z. E. über ein Standardkabel mit Typ-2-Stecker. Da aber nicht jeder der testfahrenden Kollegen eine passende Wallbox in der Garage hat, war unser Kangoo hauptsächlich aufs öffentliche Ladenetz angewiesen. Was an sich kein Problem ist, insbesondere nicht in Stuttgart, Sitz von lastauto omnibus. Stuttgart gehört zu den Modellregionen im Schaufenster Elektromobilität. E-Autos parken kostenlos und EnBW hat die Stadt mit Ladesäulen gepflastert, allerdings vorwiegend im Zentrum und den näheren Vororten. Wer weiter draußen wohnt, schaut in die Röhre und muss sich vorher genau überlegen: Reicht der Saft nach Hause und wieder ins Büro? Das Laden an sich klappt völlig unkompliziert: Man muss nur wissen, dass sich der Stromanschluss vorne unter dem Renault-Rhombus verbirgt. Klappe auf, Kabel rein und mit der Steckdose verbinden, fertig. Die Zen­tralverriegelung krallt sich das Kabel, sodass es nicht gestohlen werden kann und auch Regen oder Schnee richten keinen Schaden an.

Dummerweise fehlt dem Auto aber eine Schnellladefunktion. Bis die leere 22-kWh-Batterie wieder voll ist, vergehen gut sechs Stunden. Zeit, die den Kollegen oft fehlt, wenn sie auf einem Geschäftstermin sind. Einfacher haben es diejenigen, die auf dem Firmenhof über Nacht laden und sich nicht über defekte Ladestationen ärgern müssen. Denn auch das ist eine Erfahrung, die wir aus dem Test ziehen: "Verlass dich niemals auf das öffentliche Ladenetz!" Immer wieder haben uns zugeparkte oder nicht funktionierende Stationen einen Strich durch die Tagesplanung gemacht.

Die Kosten rechnen einen Umstieg noch nicht

Wer sich mit dem Kangoo näher befasst, erkennt schnell seine Qualitäten. So bietet das zweckmäßig eingerichtete Fahrerhaus genügend Platz, die Sitze passen und der Laderaum ist über praktische Schiebetüren und die geteilte Heckpforte gut zugänglich. Mängel oder Pannen? Fehlanzeige. Nur einmal wollte der Akku partout nicht laden. Ein kurzes Elektronik-Update beim Renault-Händler behob das Problem, danach lief der Wagen ohne Murren, insgesamt fast 9.000 Kilometer – eine durchaus respektable Laufleistung für einen Citystromer.

Ein Kapitel für sich sind die Kosten: Auf unserer genormten Teststrecke verbraucht der Renault 18,2 kWh. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro kWh kosten 100 Kilometer also rund 5,50 Euro brutto. Hört sich günstig an. Doch der E-Kangoo kostet 20.300 Euro, rund 6.000 Euro mehr als der Diesel. Dazu kommt die nach Laufleistung gestaffelte Batteriemiete. Für 10.000 Kilometer pro Jahr beispielsweise sind das weitere 73 Euro pro Monat. Die auf zwei Jahre oder 40.000 Kilometer verlängerten Wartungsintervalle sparen zwar weitere Kosten, doch unter finanziellen Aspekten lohnt sich der Umstieg auf ein E-Auto (noch) nicht.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

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Foto

Andreas Wolf

Datum

10. Mai 2015
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