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Foto: Jacek Bilski

Nissan NV400 F30.13

Arbeitsgerät im Dauertest

Der Nissan NV400 hat sich über 85.000 Kilometer als sehr haltbares Fahrzeug erwiesen. In die Werkstatt geht‘s nur wegen Reifenwechsel und Steinschlägen.

Nutzfahrzeug in Reinform – wer die Vertreter des Transportersegments auf dem Weg zu Pkw-haften Anmutungen und Ausstattungen wähnt, der gerät im Nissan NV400 ins Grübeln. Wenig Federkomfort, wenig Schallisolation und nur das Nötigste an Komforteinrichtungen sind dem Japaner zu eigen. Stellvertretend dafür steht im neunsitzigen Dauertester die fehlende Verbindung von der Klimaanlage in den hinteren Teil des Fahrzeugs. So saßen im Sommer Fahrgäste mit rotem Kopf und Schweißperlen auf der Stirn im Fond, während Fahrer und Beifahrer bald zu frieren begannen. Ginge es nur um den Wohlfühlfaktor, wäre der NV400 sicher nicht der attraktivste Alltagsbegleiter am Markt. Aber bei einem Arbeitsgerät geht es um Funktionalität und vor allem um Haltbarkeit. Letzteres bietet der Nissan wie kein Zweiter. Der NV400 ist nahezu unverwüstlich. Während andere Dauertester fast mehr Zeit in der Werkstatt als auf der Straße verbringen, macht der NV400 seit Anbeginn des Tests keine Probleme. In die Werkstatt musste das Fahrzeug nur zum saisonbedingten Reifenwechsel, zweimal wegen Steinschlägen in der Windschutzscheibe und einmal, um eine Feder an der Schiebetür nachzustellen. Das war’s schon. Sparsame Ausstattung gleich Haltbarkeit? Manch einer mag an dieser Stelle zu bedenken geben, dass die überschaubare Ausstattung des Nissan ihn auch weniger fehleranfällig macht. Darauf gibt’s nur eine Antwort: Wenn das die Lösung für das Thema Dauerhaltbarkeit ist, sollten alle Fahrzeughersteller für Arbeitsgeräte auf Minimalismus setzen. Doch nicht nur das Thema Haltbarkeit ist von Nissan im NV400 vorbildlich gelöst. Auch am Antriebsstrang gibt es bislang nichts auszusetzen. Alle Nutzer seit Testbeginn vor annähernd zwei Jahren sind überrascht von der Agilität des 125 PS starken Motors. Dazu trägt auch das bestens auf die Motorcharakteristik abgestimmte Sechsgang-Getriebe bei. Der Verbrauch liegt – wie schon bei der 50.000-Kilometer-Bilanz – bei 9,6 Liter Diesel je 100 Kilometer, was angesichts der vielfältigen Transportaufgaben ein ordentlicher Wert ist. Vom Shuttle-Fahrzeug über Möbeltransporte bis hin zum Reisemobil hat sich der Dauertester in vielen Einsätzen bewiesen. Etwas sparsamer dürften die aktuellen NV400-Motoren aber sein, die im vergangenen Jahr runderneuert wurden. Die Renault-Entwickler – die Motoren im Nissan stammen alle vom französischen Reißbrett – haben beispielsweise an der Aufladung gearbeitet und die Drehmomentkurve in Richtung niedrigere Drehzahlen verschoben. Das macht den japanischen Transporter nur noch attraktiver fürs Gewerbe. Doch zurück zum Aggregat im Dauertester. Das erweist sich beim Blick auf den Ölverbrauch als sparsamer Wegbegleiter. Gerade einmal 1,5 Liter Schmierstoff mussten die verschiedenen Fahrer während der letzten 35.000 Kilometer nachfüllen. Mehr Ansprüche stellt der 2,3-Liter-Vierzylinder nicht. Viel Platz für Mitfahrer und Gepäck Bleibt das Thema Funktionalität. Mit acht Personen an Bord sind auch längere Fahrten mit dem Nissan gut machbar. Der neunte Platz zwischen Fahrer und Beifahrer sollte allerdings frei bleiben. Dort ist es zum einen schlecht um die Beinfreiheit bestellt, außerdem büßt der Fahrer bei besetztem Mittelsitz einiges an Bewegungsfreiheit ein. Nach unten geklappt erweitert der Mittelsitz in der ersten Reihe das ohnehin gute Ablagenkonzept des NV400 um zwei Becherhalter sowie eine kleine und eine große Ablage. Während der Fahrt sind diese Zusatzstaufächer überaus praktisch. Fürs Gepäck der Mitfahrer bietet der Japaner überraschend viel Raum hinter der letzten Sitzreihe. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei einem Radstand von 3,2 Metern und nur minimalem Überhang hinter der letzten Achse. Im Gegenzug müssen die Fahrgäste im Fond aber auch mit einer im Vergleich zum Wettbewerb geringeren Beinfreiheit leben. Fazit: Auch nach 75.000 Kilometern tritt der Nissan NV400 überaus solide an. Bestmögliche Verlässlichkeit, gepaart mit ordentlicher Fahrfreude und angereichert um die funktionale Ausstattung mit allen relevanten Assistenten und Komfort- sowie den wichtigsten Sicherheitssystemen machen ihn zu einem Nutzfahrzeug in Reinform, bei dem manchmal der (Fahr-)Komfort ein klein wenig mehr betont werden könnte.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 11/2015.
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Datum

20. November 2015
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