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Atego und Antos 12 Bilder Zoom
Foto: Oswin Zebrowski, OWIMedia

Mercedes Atego 1530 und Antos 1830

Auf Augenhöhe

Der schwerste Atego tritt gegen den leichtesten Antos an. Beide fahren mit dem gleichen 300 PS starken Antrieb vor. Welcher der beiden ist der beste im Verteilerverkehr?

Stallduelle haben bei Mercedes Tradition. Im vergangenen Herbst duellierten sich die besten Autofahrer der Welt um den Formel-1-Titel – beide in einem Mercedes. Und auch im Güterverkehr kommt es zum Bruderduell. Im selben Einsatzrevier treffen Atego und Antos aufeinander, um unter sich den Meister des städtischen Verteilerverkehrs auszumachen. Darf man zwei Lkw unterschiedlicher Baureihen miteinander vergleichen? Ja, sofern die Transportaufgabe so nah beieinanderliegt wie in unserem Fall und der Kunde folglich die Qual der Wahl hat.

Die beiden Testfahrzeuge weisen eine ganze Reihe technischer Gemeinsamkeiten auf, wenn auch der Mercedes Atego 1530 ausgeladen drei Tonnen leichter als der Antos 1830 daherkommt. Unter den Kabinen werkelt in beiden Fällen der 7,7 Liter große Sechszylinder OM 936 mit 300 PS und in beiden Fahrzeugen verwaltet das automatisierte achtstufige Powershift-3-Getriebe die Kräfte. Unterschiede finden sich beim Fahrerhaus. Im Falle des Atego kommt das große Haus namens Big Space zum Einsatz, der ­Antos muss mit der kompakt geschnittenen Classic-Space-Kabine Vorlieb nehmen. Beide Kontrahenten tragen einen leichten Kofferaufbau mit Ladebordwand auf dem Rahmen.

Runde eins im Krieg der Sterne dient dem ersten Kennenlernen: einsteigen, Arbeitsplatz und sogar etwas Wohnraum checken. Hier punktet der Atego. Der breite, treppenartig ausgeformte Einstieg über zwei rutschsichere Trittstufen, ein langer bis zum Kabinenboden reichender Handlauf und die weit öffnende Tür ermöglichen komfortables Ein- und Aussteigen. Eine Eigenschaft, die im städtischen Verteilereinsatz mit seinen zahlreichen Abladestellen überaus wichtig ist.

190 Zentimeter Stehhöhe

Am Ende des Aufstiegs wartet das lange, Big Space genannte Hochdach-Fahrerhaus auf den Fahrer. Stattliche 190 Zentimeter Stehhöhe vor dem Armaturenträger und knapp sieben Kubikmeter Innenraum adeln den 15-Tonner zum komfortablen Cruiser im leichten Mittelgewicht. Die hinter den Sitzen verbaute, hochwertig anmutende Kaltschaummatratze entkräftet viele Argumente gegen eine Nachtruhe im Atego. Die Staufächer im Dach bieten erstaunlich viel Platz. Im Verteilereinsatz ist das lange Fahrerhaus natürlich purer Luxus, den kaum ein Fuhrparkleiter dulden wird. Aber sobald sich der Atego mit einem Anhänger und leichtem Volumengut auf große Tour begibt, kann die erstaunlich geräumige Atego-Hütte ihren Aufpreis verdienen.

Der Arbeitsplatz im Atego überzeugt ebenfalls. Dazu bedient er sich beim Cockpit der ausgewachsenen Fernverkehrsmodelle. Ein Klargrafikdisplay im zentralen Anzeigefeld, das serienmäßige Multifunktionslenkrad und die üblichen Taster sorgen für Klarheit und Komfort am Lenkrad. So erinnert der Arbeitsplatz mehr als nur dezent an den großen Bruder Actros. Etwas überfrachtet fällt indes die rechte Lenkstockhebelsituation aus. Hier wird das in Deutschland serienmäßige automatisierte Powershift-3-Getriebe ebenso gesteuert wie die Motorbremse. Die Funktionsvielfalt erfordert eine gewisse Eingewöhnungszeit.

Neben dem weit verstellbaren Fahrersitz teilt ein wuchtiger Motortunnel das Atego-Haus. Der manchmal noch beschriebene, aber in der Praxis kaum vollzogene Durchstieg zur Beifahrerseite wird dadurch unterbunden.

Runde eins geht an Atego

Der große Bruder Antos hinterlässt beim ersten Kennenlernen einen deutlich nüchternen Eindruck. Bei ihm muss man drei, ebenfalls treppenförmige Tritte erklimmen, ehe man im Classic-Space-Fahrerhaus ankommt. Das kürzeste und zugleich niedrigste Antos-Haus macht aus seiner pragmatischen Auslegung keinen Hehl. Trotzdem kann man sich im Innenraum wohlfühlen. Der Verstellbereich für den Fahrersitz reicht bis zum Rückwandanschlag und genügt so auch den Ansprüchen langer Kerls. Die Kopffreiheit genügt, mehr aber auch nicht.

Taschen und andere Reiseutensilien müssen ihren Platz irgendwie hinter dem Beifahrersitz finden. Oder man ordert – wie im Testfahrzeug – eine raumgreifende Staubox, die dann auf dem breiten Motortunnel thront und alle Tagesartikel aufnimmt und gleichzeitig als Schreib- oder Brotzeittisch herhält. Mehr Komfortaccessoires darf man in der kompakten Hütte aber nicht erwarten. Dafür punktet der Arbeitsplatz mit allen Attributen der neuen Lkw-Baureihen von Mercedes wie modernen Instrumentenanzeigen und sinnvoll gruppierten Schaltern. Wie auch im Atego gehört das Multifunktionslenkrad zum Serienumfang. Nur die Lederhaut muss als Extra gesondert bezahlt werden. Runde eins geht aber insgesamt betrachtet an den Atego, dessen Komfortausstattung aber das aufpreispflichtige Maximum darstellt, während der Antos in Richtung praxistaugliche Askese tendiert.

In der zweiten Disziplin entscheidet allerdings nicht mehr die Investitionsfreudigkeit des Käufers über Gedeih oder Verderb. Auf der anspruchsvollen Testrunde – ein Mix aus leichter und schwerer Landstraße sowie einer Autobahnetappe – müssen die beiden Kontrahenten fahrdynamische Qualitäten beweisen.

Dem Atego sagt man eine gewisse Nachgiebigkeit beim Fahrwerk nach. Obwohl seit der Modellpflege die Hinterachse neu angelenkt wird, hat der leichte Mercedes jene sehr komfortbetonte Straßenlage mit spürbarer Rahmentorsion und leichter Rolltendenz achtern nicht ganz verloren. Nicht jeder mag das sänftenartige Ein- und Ausfedern des rundum blattgefederten Fahrwerks. Durch die neue Fahrerhausaufhängung an vier Punkten und die einwandfrei spurende ZF-Lenkung vermittelt der Atego allerdings ein präzises Fahrgefühl, das nur bei den zu schwachen Rückstellkräften der Lenkung Minuspunkte sammelt. Die Bremsanlage mit vier Scheibenbremsen versieht ihre Arbeit feinfühlig und effektiv, die Bremsleistung der 300 kW starken Motorbremse reicht auch für das sichere Verzögern von Hängerzügen.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

5. Mai 2015
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