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Mercedes Actros 1851 Gigaspace 10 Bilder Zoom

Mercedes Actros 1851 Gigaspace: Mit Kraft zum Ziel

Die gelungene Kombination aus Motorkraft und Triebstrangqualitäten macht den Mercedes Actros 1851 zu einem interessanten und letztlich auch preiswerten Angebot mit niedrigem Verbrauch.

Leicht macht es Mercedes dem Kunden nicht. Hat er sich erst mal für einen ­Actros entschieden, dann folgen Fragen über Fragen. Welches Fahrerhaus, welche Motorisierung, welches Ausstattungspaket, welche Zusatzpakete? Denn so umfangreich wie bei keiner anderen Marke gestaltet sich die Vielfalt im Stuttgarter Konzern. Fahrerhäuser für den Actros offeriert Mercedes gleich in sieben Varianten. Von schmal und niedrig montiert bis zu breit und hoch montiert (ohne Motortunnel). Verschiedene Dachvarianten mit Innenhöhen von 1.590 bis 2.050 Millimetern und ein schmales, aber hoch montiertes Haus komplettieren diese Vielfalt.

Drei Motorgrößen stehen beim Actros 1851 zur Wahl

Noch umfangreicher ist das Motoren-Programm für die Sattelzugmaschinen. Drei sich bei der Leistung überschneidende Motorgrößen stehen mittlerweile zur Wahl. Den Anfang machte anno 2011 der 12,8 Liter große OM 471 mit Leistungen von 265 bis 375 kW (360 bis 510 PS). Hinzu kamen Anfang 2013 der kleinere OM 470 (10,6 Liter) mit 240 bis 315 kW (326 bis 428 PS) und der 15,6 Liter große OM 473 mit 380 bis 460 kW (517 bis 625 PS). 

Trotz des üppigen Angebots werden sich die meisten Kunden für den Mittelweg, also für den OM 471, entscheiden. Aber auch hier gilt: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Schon gar nicht, wenn es etwas mehr Leistung als unbedingt nötig sein sollte. Da gibt es einerseits die Variante mit 350 kW (476 PS), die es auf 2.300 Nm, mit Top Torque gar auf 2.500 Nm bringt. Andererseits ist die 375 kW (510 PS) starke Ausführung mit 2.500 Nm zu haben, die aber auf Top Torque verzichten muss. Mit Blick auf die Kraft dieser beiden Varianten zeigt sich nur ein gravierender Unterschied: Die 200 zusätzlichen Nm von Top Torque gibt es nur im größten Gang. Die 2.500 Nm des stärkeren Motors sind immer verfügbar. Für die Praxis heißt das, dass beide Motoren im unteren und mittleren Drehzahlbereich quasi die gleiche Leistung liefern. Die Frage, warum es beim 510er-Motor keine 200 Nm extra gibt, ist einfach beantwortet. Mehr Verbrennungsdruck, als die 2.500 Nm zur Folge haben, verträgt der Motor nicht.

Actros 1851 LS trägt das größte Fahrerhaus

Nachdem lastauto omnibus schon verschiedene Actros-Varianten mit dem OM 470 gefahren hatte, stellte sich jetzt die Frage, was die stärkste Ausführung bei Fahrleistung und Fahrdynamik bringt und was sie beim Verbrauch kostet. Passend dazu trug der 1851 LS das größte Fahrerhaus, Gigaspace genannt, das zudem mit dem Solostar Concept eingerichtet war. Solostar steht für eine Wohnecke für Alleinfahrer und kostet rund 2.000 Euro Aufpreis. Markantes Möbelstück ist ein an die Rückwand geschobener, fester Ruhesessel. Links davon lässt sich ein unter der unteren Liege befestigter Tisch herausklappen. Als Ruhesitz samt Fußablage ist das Ganze bequem, aber für einen eventuellen Beifahrer nicht unbedingt langstreckentauglich. Ganz fix geht der Umbau, um auf der unteren Liege zu schlafen. Auf der Strecke bleibt allerdings das obere rechte Außenstaufach, das sich auf  das Format eines etwas groß geraten Briefkastens reduziert. Beim Gigaspace ist die obere Liege so hoch angebracht, dass sie auch in waagerechter Position nicht weiter stört. Grundsätzlich gibt es Solostar für alle Fahrerhäuser, mit oberer Liege aber nur im Gigaspace. Wer also gerne oben schläft, bekommt mit der Kombination Solostar und Gigaspace eine gekonnte Aufteilung in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsbereich.

Moderate Preisdifferenzen von Leistungsstufe zu Leistungsstufe

Auch wenn die Aufpreisliste für den Actros ein ganzes Buch füllt und sich Extras im Gegenwert einer kompletten Sattelzugmaschine ordern lassen –  die Preisdifferenzen von Leistungsstufe zu Leistungsstufe fallen mit rund 2.700 Euro brutto moderat aus. Wer also ohnehin schon mit 476 PS liebäugelt, dem macht Mercedes den Schritt zu 510 PS leicht. Die Antriebstechnik hinter beiden Motoren ist identisch, die automatisierten Getriebe namens Powershift 3 sind serienmäßig. Zum Einsatz kommt die Variante G281-12 mit direktem Durchtrieb im größten Gang und  mit einer Spreizung von 14,93. In Kombination mit der Achsübersetzung von 2,73 zu 1 und einer 315/70er-Bereifung dreht der Motor rund 1.250 U/min bei Tempo 85 – ein guter Kompromiss für die topografisch anspruchsvolle Messstrecke. Standard-Übersetzung im aktuellen Actros ist 2,61 zu 1 (1.200 U/min bei 85 km/h).

Das im Test überwiegend gefahrene Economy-Programm nimmt dieser etwas sportlichen Auslegung aber einen Teil ihrer Vehemenz. Denn Economy verordnet generell moderate Drehzahlen, schaltet frühzeitig hoch und lässt den kräftigen Motor gut ziehen. Auch der adaptive Tempomat, bei Mercedes Predictive Powertrain Control (PPC) genannt, darf im Economy-Programm nicht so arbeiten, wie er im Standard-Programm will. Er beschleunigt nicht vor einer Steigung und Tempi jenseits von 85 km/h sind ohnehin tabu.

Economy-Programm spart Sprit und Fahrdynamik

Doch auch wenn die Fahrdynamik im Economy-Programm etwas auf der Strecke bleibt, was einem möglichst geringen Verbrauch geschuldet ist, fahren lässt sich ein 1851 LS prima. Das wiederum hat mehrere Gründe. Zum einen haben verstärkte Motorbremse und Voith-Wasser-Retarder (Listenaufpreise 610 respektive 7.610 Euro) perfekt im Griff und halten das vorgegebene Tempo exakt ein. Zum anderen passen die Getriebeschaltungen fast immer perfekt zur Topografie. Beim Hochschalten in einer Steigung steigt die Motordrehzahl exakt da ein, wo genug Kraft zum Tempohalten ist, beim Herunterschalten in einer Steigung passt die letzte Schaltung haargenau zur Steigung – kein unnötiges Beschleunigen und kein weiterer Tempoabfall. Im Fall 1851 harmonieren Achsübersetzung, Motorkraft und Schaltstrategie noch besser als mit den schwächeren Varianten des OM 471. Damit macht sich der Aufpreis zum 1848 bezahlt.Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist einzig PPC. Ganz gekonnt geht die Elektronik vom Gas. Oft aber auch dann, wenn es der Fahrer nicht vermutet und PPC den Lastzug mit der Bewegungsenergie und fallendem Tempo bis zum nächsten Gefälle rollen lässt. PPC hält sich dabei  exakt an das vom Fahrer vorgegebene Fenster. Im Fall des Tests waren Abweichungen von plus fünf und minus sieben km/h eingestellt. Mit PPC ist auch die Eco-Roll-Funktion richtig sinnvoll. Denn jetzt geht das Getriebe nur noch dann in Leerlaufstellung, wenn es tatsächlich etwas zu sparen gibt. Ohne PPC weiß die Eco-Roll-Regelung nicht immer, was zu tun ist. Kurz: 15  Prozent der Fahrzeit rollte der Zug im Leerlauf und sparte etwa zwei Prozent Kraftstoff, was auf dieser Strecke etwa 0,7 L/100 km ausmacht. 

Dieselsparen war starke Triebfeder bei der Entwicklung des Actros

Das Thema Dieselsparen war ohnehin eine der stärksten Triebfedern für die Entwicklung des neuen Actros. Die Aerodynamik trägt ihren Teil genauso dazu bei wie optimierte Neben­aggregate (etwa Wasserpumpe und Luftpresser). Der größte Teil entfällt freilich auf die Antriebstechnik. Angefangen beim kräftigen Euro-6-Motor, der sich im Bestpunkt mit 190 g/kWh zufriedengibt, weiter über das automatisierte Getriebe, das im Eco-Modus gekonnt niedrigste Drehzahlen verordnet, bis hin zur recht langen Achsübersetzung im optimierten Achsgetriebe.

Der Fahrkomfort ist hoch, die Zweiblattfeder an der Vorderachse verrichtet deutlich bessere Arbeit als die leichtere Einblattfeder. Die Innengeräusche freilich sind etwas höher als beim Wettbewerb. Der hohe Federungskomfort mit Luftfedern unter dem Fahrerhaus und dessen hohe Position führen zwangsläufig zu recht starken Neigungswinkeln der Kabine, insgesamt aber fährt sich der Actros auch mit Giga- space-Haus narrensicher. Besser freilich geht es mit den schmalen, tief montierten und schraubengefederten Fahrerhausvarianten.

Fazit

Der Actros 1851 beweist mit hoher Kraft, passendem Triebstrang und PPC, dass gute Fahrleistungen nicht zwangsläufig einen hohen Verbrauch zur Folge haben. Er läuft so sparsam wie die Leistungsstufen darunter, bewegt sich aber souveräner. Bei hoher Auslastung auf schwieriger Topografie ist er die beste Wahl im umfangreichen Actros-Programm.

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

7. August 2013
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